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Freiberg 561
königlich sächs. Alterthumsvereins wurde 1836 in den architektonisch merkwürdigen Kreuz«gangen der Domkirche ein Museum vaterländischer Alterthümer eingerichtet, für welches diesogenannte Götzenkammer im Dom reiche Ausbeute lieferte. Außerdem sind bemerkens-werth die Peterskirche, auf dem höchsten Punkte der Stadt, in Form eines Kreuzes gebaut, Hmit dem über 200 F. hohen Hahnenthurme, die Zakobikirche, wahrscheinlich in den erstenZeiten der Entstehung der Stadt angelegt, der Stein auf dem Markte, welcher die Stellebezeichnet, wo 1455 der Prinzenräuber Kunz von Kauffungen hingerichtet wurde, das alter-thümliche Rathhaus und das Waisenhaus. Die Stadt hat ein gutes Gymnasium, mit eineransehnlichen Bibliothek; die wichtigste Lehranstalt aber ist die l "65 gestiftete Bergakademie,die vorzüglichste Bergwerksschule in Europa. Seit Abr. Gottlob Werner (s. d.) ihrenRuhm verbreitete, wurde sie durch Charpentier (s, d.), von Busse, Lampadius (s. d.),
Z. A. F. Breithaupt (s. d.), K. F. Nauma nn ss. d.) und andere ausgezeichnete Män-ner die Lehrerin mchrcr hundert Fremder fast aus allen Welttheilen, und die Namen derberühmtesten Naturforscher der neuesten Zeit glänzen unter ihren Zöglingen. Sie besitzt seit>791 ein eigenes Gebäude, das außer den Lehrsälen und dem chemischen Laboratorium dieBibliothek, die Mineralienverkaufsanstalt und das Werner'sche Museum enthält, welches die-ser theils bei seinen Lebzeiten, theils in seinem letzten Willen der Akademie überließ, und dasdurch die aufOryktognosie und Bergbau sich beziehenden wissenschaftlichen und technischenSammlungen- namentlich auch durch das vollständigste Edelstcincabinet Europas ausgezeich-net ist. Die Lehranstalt hat sieben ordentliche und einige außerordentliche Lehrer für Berg- undHüttenkunde und deren Hülfswissenschaften und zählt in der Regel etwa "0 Studircnde.
Mehre Inländer erhalten freien Unterricht, genießen ein Jahrgcld, und jedem dieser Zög-linge ist ein sogenanntes Freigedinge, d. i. eine Arbeit in irgend einer Grube, angewiesen,welche er in den Freistrmden wie ein gewöhnlicher Bergmann, jedoch gegen etwas höhernLohn, besorgt. Eine Vorschule für die Akademie ist die Hauptbergschulc. Die Nahrungs-zweige der Stadt bestehen in Spinnereien, Spitzenklöppeln, Tuchmanufacturen, Blciweiß-uud Bleiglättefabrikcn, einer Fabrik leonischer Waaren und einer Schrotgicßerei. Die wich-tigsten Erwerbsquellen bieten indessen das Berg- und Hüttenwesen, wobei etwa 6000 Ar-beiter beschäftigt sind, und die darauf gegründete Fabrikation, welche über > l000 Personendes freiberger Bergamts nährt. Wie einst die Wiege, so ist es auch jetzt noch der Mittel-punkt des sächs. Bergwesens, an dessen Spitze nach dem Tode des verdienten Oberberghaupt-manns Sigm. Aug. Wolfg. von Herder (s. d.) und dem Abgänge seines NachfolgersFreies leben (s. d.), der Freiherr von Bcuft stehc, und der Sitz der wichtigsten, darauf be-züglichen Anstalten. Das dasige Oberbergamt und das Oberhüttcnamt sind die unmittel-baren Behörden des gesammten Bergbaus in Sachsen, welcher, obschon größtentheils indm Händen von Privaten, doch unter Leitung des Staats, dem das Regal zusteht, betrie-ben wird. Jenes leitet den eigentlichen Erzbau, dieses führt die Aufsicht über die Schmelz-hütten und das Amalgamirwcrk. An die Generalschmelzadministration müssen seit demAnfänge des >8. Jahrh. alle Silber-, Blei- und Kupfererze abgeliefert werden, währendin frühem Zeiten die gewonnenen Erze überall, auch in den Hütten der Privatbesitzer, ge-schmolzen wurden. Außer diesen Behörden bestehen in F. ein Oberzchntamt, welches denZehnten und Zwanzigsten vom Ertrage der Bergwerke einnimmt, ein Bcrgschöppenstuhl,der, aus dem Stadtrath gebildet, alle wichtige Rechtssachen in Beziehung auf das Berg-wesen entscheidet, und ein Bergamt, daß die zu Tageförderung des Erzes in dem freibergerRevier besorgt. Unter den Revieren, in welche der sächs. Bergstaat gethcilt wird, ist F. dasbedeutendste; cs zerfällt in fünf Bezirke und betreibt 150 Zechen. In F. sind die reichstenSilberbergwerke Sachsens; unter ihnen war die Grube Himmelsfürst sowol hinsichtlichihrer Ergiebigkeit als der Regelmäßigkeit ihres Baus und der Vollkommenheit ihrer Ma-schinen eine der ersten in Europa. Sie ist seit länger als 400 Jahren geöffnet und wird seit200 Jahren ununterbrochen gebaut. In der Nähe F.s befinden sich unter mehren andernAnstalten zur Förderung des Bergbaus die großen Silberschmelzhütten mit 8 Hochöfen undl4 Revcrberiröfcn, sowie das >787 gegründete und, nach dem zerstörenden Brande, >705 wic-derhergestellte Amalgamirwcrk, welches in neuern Zeiten vielfach vervollkommnet wurde.
Cvnv.-Lex. Neunte Nufl. V. 36