556 Krauenglas Frauensommer
auch hier mit Frivolität, üppiger Vergnügungssucht und die Sitten vergiftender Maitreffen-wirlhschaft. Glücklicherweise jedoch widerstanden diesem reizenden Verderben die beiden be-deutendsten Höfe Deutschlands, der preußische unter Friedrich Wilhelm l. und Friedrich demGroßen und der östr.-habsburgische unter Maria Theresia, vor allen Regentinnen diejenige,welche das hausmütterliche Regiment auch auf die Staatsverwaltung übertrug. Ja inDeutschland machte sich sehr bald zu dieser in sich sittenlosen Galanterie, für die ohnehin diedeutschen Frauen, deren Grundwesen mehr gemüthlich und häuslich schlicht als witzig undgeistreich ist, wenig sich eigneten, der etwas krankhafte Gegensatz geltend, indem die Liebeund demnach auch der Umgangston eine Färbung von poetischer Empsindelei annahmen, dieauch in der schönen Literatur vorwaltetc und welcher diese Zeit den etwas verfänglichen Na-men der sentimentalen Periode verdankte. Auch diese nur in Deutschland in solchem Maßewahrnehmbare Sentimentalität hatte etwas Unwahres und machte allmälig natürlichemFormen Platz, obgleich noch viel daran fehlt, daß der Umgangston überall so harmlos undnatürlich wäre, um den Verkehr beider Geschlechter nicht unter der Form des bloßen konven-tionellen Anstands, sondern der freien Schönheit erscheinen zu lassen. Steifheit und formelleAbgemeffenheit treten in Deutschland nur zu häufig an die Stelle der anständigen Feinheit,welche die höhern Gesellschaftskreise in Frankreich so sehr auszeichnet, da hier Takt, Geschmackund Esprit, der selbst die steife gesellschaftliche Regel flüssig zu machen weiß, und eine daraussich ergebende anstandsvolle Ungezwungenheit von alter Zeit her erblich sind. In gewissenTheilcn Deutschlands und unter gewissen Classen, welche Vornehmheit und zugleich franz.Art affectiren, stört das sichtbare Bestreben nach Repräsentation, und der von den Frauenselbst angeschlagene Ton scheint häufig mehr darauf berechnet zu sein, die Kluft zwischenbeiden Geschlechtern noch über Bedürfniß zu vergrößern, als eine Annäherung zu begün-stigen. Allerdings macht hierbei der Charakter der verschiedenen Stämme und Ständeeinen Unterschied, und die Frauen in Süddeutschland beweisen, daß der Begriff geselligenAnstands bei aller Natürlichkeit und naiven Treuherzigkeit sehr wohl aufrecht zu haltenist. Jedenfalls hat die moderne Civilisation anerkannt, daß das Weib das leitende, ver-schönende, die Schroffheiten der Männer mäßigende Element, die Königin der Gesellschaftsei. Aber damit nicht zufrieden, haben geistreiche Frauen, die auch wol durch Stärke undSchärfe des Denkens, zum Theil selbst durch ihr Leben eine Ausnahme von ihrem Gcschlechlemachten, sich über die Unwürdigkeit der Stellung, welche das Weib innerhalb der mensch-lichen Gesellschaft einnimmt, heftig beklagt. (S. Emancipation der Frauen.)Frauenglas, s. Gyps.
Frauenlob wurde HeinrichvonMeißcn, ein Meistecsänger, genannt, entwederwegen des Lobes, das er den Frauen widmete, oder von seinem berühmten Lobgesang aufdie heil. Jungfrau, oder deshalb, weil er in seinem Streitlied, einer Art Tenzone, gegen denSchmidt Regenbogen dem Worte „Frau" vor dem Worte „Weib" den Vorzug gibt. Umdas I. 1260 geboren, übte er seine Kunst lange an süd- und norddeutschen Fürstenhöfcnaus, ließ sich nicht vor 1311 in Mainz nieder, wo er zwar nicht, wie die Sage will, die ersteMcistersängerschule stiftete, aber doch eine Vereinigung von Sängern unter bestimmtenFormen gegründet zu haben scheint und 1318 starb. Frauen sollen seinen Leichnam in dieDomkirche getragen, ihn beweint und seinen Grabstein durch Weinspenden geehrt haben;statt des letzter«, der im I. 1744 zerbrochen wurde, ist ihm 1842 ein neues Denkmal gesetztworden. In seinen Gedichten, zu denen vermuthlich auch die gehören, welche im Gegensatzgegen einen älternZeit- undLandesgenosseu, den Mei.ßner(l260—80), in der sogenann-ten Manessischen Handschrift dem „jungen Miffenäre" zugeschricben worden, ist ein poetischesGemüth und Gedankenreichthum nicht zu verkennen; sie leiden aber an dunkelm, gezwun-genem Ausdruck und an störender Häufung einer Gelehrsamkeit, welche wahrscheinlich diespätern Meistersänger zu der unbegründeten Annahme veranlaßt hat, daß er ein Doctor derTheologie gewesen sei. Aus den Licderhandschriften (s. Meistersänge»:) sind sie am voll-ständigsten gesammelt und als 16. Theil der Bibliothek der gesammten deutschen National-literatur (Quedlinb. und Lpz. 1843) herausgegebcn von L. Ettmüller unter dem Titel„Heinrich's von Meißen des Fraucnlobcs Leiche, Sprüche, Streitgedichte und Lieder".Frauensommer oderAlter - Weibersommer heißen die Fäden, welche im Herbste