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5 (1845) Entführung bis Gebläse
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Frauen 555

bethciligen verführte, wahnsinnähnlich überhandnahmcn. Wer denkt hier nicht an Julia(s. d.), Augustus' Tochter, an Hcliogabal's Mutter, an Messalina (s. d.), F a u st i n a (s. d.,>u.s. w.? Ebenso ist die Geschichte des ostrvm. Kaiserthums, welches fortdauernd einem verderb-ten Christenthum fröhnte und dem reinigenden germanischen Princip verschlossen blieb, vonden Tollheiten, Wollüsten und Jntrigucn herrschsüchtiger Weiber befleckt. Dieser Verderb-nis arbeitete schon im Schoost der röm.Welt selbst das Christenthum mit seinen einfach cdelnElementen entgegen. Erst durch das Christcnthum erhielten auch die Frauen ihre Rechtewieder, und es ging mit dem Geiste dieser Religion, welche die Sinnlichkeit im Menschenertödtet und sich stets auf die Unendlichkeit bezieht, eine höhere, geistige Würdigung aufdieselben über. Freilich hätte ohne Zutritt des Germanismus, von dem jetzt eine Erneuerungund Veredelung der stockenden Säfte nach allen Seiten hin ausgehen sollte, das Christcn-thum innerhalb der verderbten röm, Welt schwerlich mehr als eine stille Gemeinde gebildet;aber das reine kräftige Urvolk der Germanen befruchtete sich mit den bildenden Ideen des^ Christenthums und gab so dem Staats- und Familienleben eine neue Gestalt.

! Es ist bekannt, mit welcher Achtung, die fast an Verehrung grenzte, das Weib bei den Ger-^ mancn behandelt wurde, und so führte dieser Germanismus, vcrschwistert mit dem Christen-thume und den bessern Rückständen des Romanismus, wozu sich noch der Einfluß der cheva-lcrcsken span. Mauren gesellte, zur Blüte des Nittcrthums im Mittelalter. In gewisserHinsicht kann man diese Zeit die Blütezeit der Frauen nennen. Sänger und Ritter, undhäufig waren letztere selbst Sänger, huldigten der Macht weiblicher Schönheit. Für dieFrauen dichtete man, für die Frauen zog man in den Kampf und zum Turniren. Schon^ früh wählten sich edle Jünglinge eine Gebieterin ihres Herzens und verharrten lange in dieser

lieblichen Dienstbarkeit. Auch die Poesie der Provencalen, welche sich in Italien, Spanien,l im südlichen Deutschland und durch die Normannen in England verbreitete, trug das ihrige- dazu bei, diese religiöse Verehrung der Frauen, die mit dem Maricndienst verschmolz, anzu-preiscn. Jndeß war diese phantastische Schwärmerei, die in allerlei Spielereien, in die Lnnrstl'amnm- oder Minnegcrichtc, ja in fast wahnsinnige Erscheinungen ausarletc, am wenig-sten geeignet, die Rechtsstellung der Frauen zu fördern, sodaß uns das Ganze des roman-tischen Mittelalters nur wie ein reizendes, phantastisch-dccorirtes Schauspiel, worin diepoetische Schwärmerei den Gedanken überwiegt, nothwendig erscheinen muß. (S. Minne.)Daher schon zur Zeit der Blüte des Nittcrthums, aber mehr noch in den Zeiten des Faust-^ rechts, zu dem es ausartcte, die mannichfachen Spuren von brutaler Verachtung des weib-lichen Geschlechts, von offenbarer Verhöhnung seiner Rechte, seiner Scham und Ehre, wo-^ mit jene zur Schau getragene Licbesschwärmerei im auffallendsten Widerspruche steht. DasRitterthum war nicht auf den Gedanken gestellt und ging daher sehr bald in rohe Gewaltund in das Recht des Stärker«, also auch in das unbedingte Recht des männlichen Geschlechtsüber das weibliche über. Auch diese Zeit trug den Keim des Todes in sich. Zwischen denAdeligen und Freien bildete sich ein dritter Stand, das nüchterne, aber verständige Bürger-lhum, immer mehr aus. Das Weib trat von der Prunkbühne des Nittcrthums in die bür-gerliche Häuslichkeit zurück, der man vielleicht nur vorwerfen kann, daß sie zu beschränkt warund dcnMann aufdieArbeits- und Studirstube, dasWeib auf die bloße ökonomischeHaus-halterei verwies. Mit jener ritterlichen Schwärmerei, die wesentlich aus den Elementen desKatholicismus hervorgegangen war, vertrug sich der Protestantismus nicht, der vorzüglichdem Bürgcrthum zu Hülfe kam und selbst die Nonnen in gemüthliche Hausfrauen zu ver-wandeln bemüht war. Eine Abart der srübcrn Chevalcrie erkennt man jedoch in der franz.Galanterie, gemischt aus schäferlichbürgerlichen und ritterlichen Elementen, steif und frivol,ceremoniös und coquett zu gleicher Zeit. Dieser Schein der Chevalerie war der Sittlichkeitund Wahrheit gewiß nicht so vortheilhaft als der äußern Erscheinung. Es bildeten sich be-stimmte Regeln für das Schickliche; man lernte sogar nach dem Anstande lieben, geistreickeFrauen hatten den Vorsitz in literarischen Cirkeln, die franz. Hofctikette, als Deckmantel deszügellosesten und frivolsten Lebens, und das für Frankreich so verderbliche, die spätere Revo-lution mit veranlassende Maitressenwesen traten mit dieser Galanterie selbst in Verbindung,und sogar an mehren kleinern Höfen Deutschlands wurde, wenn auch mit weniger Geschmack,diese galante Form des Umgangs zwischen beiden Geschlechtern nachgeahmt und verband sich