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5 (1845) Entführung bis Gebläse
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554 Frauen

aus dem Umstande, daß die griech. edeln Frauen, aber doch mit dem Vorbehalt, Königinnendes Hauses zu sein, in ihren Gynäcecn fast abgesperrt und mit häuslichen Arbeiten beschäftigtunter ihren Sklavinnen lebten, daß die Athcnerinnen fast nur um des Staatszweckswillen, um von ihnen schöne und kräftige Kinder zu erhalten, geheirathet wurden und daßendlich die Männer berechtigt waren, bei den in allen anmuthigen Künsten erfahrenen He-tären einen feiner», selbst geistigen Genuß zu suchen oder gar der Knabenliebe zu stöhnen,wenn man aus diesen und andern Umständen darauf schließen wollte, das Weib sei bei denGriechen und speciell bei den Athenern verachtet gewesen, so würde sich diesem Fehlschlußschon die Verehrung gegenüberstellen, welche die liebende Mutter und Schwester oder die sichaufopfernde Gattin bei den Griechen genoß. Geschichtschreiber feiern edle Thaten der Wei-ber, und Dichter, wie Homer, Sophokles und Euripides, stellen so reine Ideale echter Weib-lichkeit auf, die bildende Kunst selbst drückte in ihren Juno-, Diana-, Minerva- und Mu-sengestaltcn ein so inniges und großes Gefühl für weibliche Würde und Erhabenheit aus,daß man eher behaupten möchte, das echt Weibliche sei nirgend und zu keiner frühem oderspätem Zeit in gleichem Maße erkannt und gefeiert worden als im alten Hellas, welches sichvor dem Geiste einer Aspasia (s. d.) beugte und das Lied einer Karin na (s. d.) oderSappho (s.d.) hochpries. Freilich fehlte den Griechen in der Liebe die phantastische Schwär-merei des Mittelalters oder die halb krankhafte Sentimentalität der modernen Zeit. Es istbekannt, welchen politischen Einfluß die Spartanerinnen übten, wie die Übermännlichkeit, zuder sie erzogen wurden, sogar alle weibliche Anmuth und Liebenswürdigkeit in ihnen ertödtcte,bis zu dem Grade, daß sic alle Liebe für Gemahl und Kind dem Vaterlande opferten und dieJungfrauen in öffentlichen Gymnasien, wobei sie oft nackt erschienen, körperliche Übungenanstellten. Hiermit ist wenigstens bewiesen, daß die griech. Frauen keineswegs die untergeord-nete Stellung einnahmen, welche manche Schriftsteller ihnen andichten.

Die Römerinnen, dem Gesrmmtcharakter des Volks entsprechend mehr ernst, gemessenund sittlich streng als geistreich und poetisch regsam, wurden zwar von dem Gesetze in stren-ger Obhut gehalten, übten aber sowol in der Familie auf ihre Kinder wie durch ihre Re-präsentation überhaupt auf das ganze Staatsleben einen durch die ganze Geschichte Nomsdurchgehenden und sehr kenntlichen, moralischen Einfluß aus. Hier ist nur an die Jung-frauen der Vesta, welche das symbolische Feuer der Keuschheit hüteten, an die röm. Ma-tronen, ein Ehrentitel, welcher, alle weibliche Tugend, Würde und Ehrbarkeit umfassend, sichbis auf uns vererbt hat, an die Mutter Coriolan' s (s. d.), an so viele glänzende Namen,Porcia (s. d.), Cornelia (s. d.), Arria (s. d.) u. s. w., zu erinnern. Obgleich die röm.Frauen im Allgemeinen und mehr aus freier Wahl sehr eingczogen lebten, war cs ihnen dochdurch das Gesetz vergönnt, bei den Schauspielen undGastmahlcn gegenwärtig zu sein. Wennman auch imAlterthume der Weiblichkeit nicht in ihrem Princip huldigte und es nicht geradedie zartern Elemente des Weibes waren, die man vorzugsweise feierte, so geht doch aus der obi-gen Darstellung deutlich hervor, daß die Frauen im Alterthume keineswegs eine unwürdige,vielmehr sehr bedeutungsvolle Stellung einnahmen. Um so betrübender zeigt sich bei dem Unter-gänge und Zerfall der alten Staaten der mächtige Einfluß weiblicher Verdcrbniß, eine Erschei-nung, die sich überall in fast gleichen Symptomen kenntlich macht und wiederholt. Es liegt aberin der Natur der Sache, daß das Weib in Zeiten der allgemeinen Verdcrbniß und Entsitt-lichung öffentlicher und kenntlicher hcrvortritt als in den Zeilen der Sitte und Unverdorben-hcit, wo es nur durch das geheime Medium der Familie auf die Männer und durch diese aufdie Geschichte selbst Einfluß hat. Buhlerinnen, wie L a i s (s. d.), Phryne (s. d.), Leon-tium (s. d.), in deren Armen Epikur seine lebenslustige Philosophie lernte, Hipparchia, Lamia,der man sogar einen Tempel baute, stehen an der Pforte, welche zu dem Untergänge der einfachenVerhältnisse des alten Griechenlands führte. Namentlich litt unter dieser von den Hetären ge-pflegten allgemeinen Verweichlichung dieRepublikderAthener. Auch dicstrengen Spartanc-rinnen ergaben sich der Üppigkeit, und die Lykurgischen Gesetze selbst, nur für eine einfache undunschuldigeZeit berechnet, beförderten zu derZcit der Ausartung die Zügellosigkeit und den Ehe-bruch, sodaß eine fast völlige Gemeinschaft der Weiber eintrak. Auch in den UntergangszeitcnNoms spielt das Weib eine ebenso traurige als hervorkretcnde Rolle, indem unter den Rö-merinnen Wollust, Herrschsucht und Jntriguensucht, die sie sich an allen Verschwörungen zu