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5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
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und umgekehrt; und die Sorgen und Schmerzen einer Mutter werden von ihren Freuden un-fehlbar mehr als blos ausgewogen. Es gibt eine Menge von Kleinigkeiten, an denen der Mannkalt, ja verächtlich vorübergeht und die doch dem Weibe höchst wichtig und eine Quelle'der an-genehmsten Eindrücke und Empfindungen find; aber für gewisse Sorgen und Schmerzen desMannes, die in seiner Organisation wie in seiner ganzen Stellung zur Außenwelt begründetsind, wird das Weib nie das richtige Verständniß haben, wie der Mann selten das richtigeVerstandniß für die dem Weibe eigenthümlich zugetheilten Schmerzen und Sorgen hat. DiesesMisverstehcn und Verkennen ist gegenseitig und hindert das vollkommene Glück beider Ge-schlechter, scheint aber von der Natur selbst ungeordnet zu sein und beweist, wie verschiedenMann und Weib von Hause aus organisirt sind. Eben dieser Verschiedenheit wegen bildenerst Mann und.Weib den vollkommenen Menschen; das Weib ist an sich ebenso zweckmäßigentwickelt als der Mann, es ist keine Unter-, Zwitter- oder Nebenart des Mannes, sonderneine in sich fertige Gegenwart, die ihn ergänzt. Daher die Sehnsucht des Mannes nach demWeibe und des Weibes nach dem Manne, die erst durch gegenseitigen Besitz und innige Ver-schmelzung gestillt werden kann; daher die naturgemäße Erscheinung, daß das Weib amManne vorzüglich diejenigen Eigenschaften achtet und liebt, durch die er eben männlich, derMann am Weibe, durch die es eben weiblich erscheint. In diesem allgemeinen Bcdürftiißsind beide Geschlechter einig, so sehr sie sich auch im Einzelnen miskennen und misverstehcnmögen. Die Physiologen können uns beweisen und beweisen uns, daß das Weib vegetativer,der Mann animalischer, jenes mehr begeistigt, dieser begeistigcnder ist, jenes mit der Naturund ihren Processen viel inniger zusammenhängt, dieser von der Natur viel losgerisscner da-stcht; hier genügt cs, darauf hinzuwcisen, daß Mann und Weib gleich groß und erhabensein können, nur ist die Größe, ja selbst die Tugend des Mannes eine andere als die desWeibes, und ein Weib, das im passiven Dulden erhaben ist, mag leicht ebenso bewunderns-würdig sein als ein Mann, der es im Handeln ist. Die Hauptfunctionen des Mannes be-ruhen auf dem Staate und der Wissenschaft, die des Weibes auf der Familie und der Gesel-ligkeit. Durch letztere befördern sie die Entwickelung derJntelligcnz überhaupt und veredelnund verschönern sie; durch die Familie wirken sie für die Geschichte selbst. Je reiner undsittlicher das Familienwescn, desto reiner der Kern einer Nation, desto edler und reiner ihreGeschichte. Viele der größten und tüchtigsten Männer, die sich im Staatsleben oder in Wis-senschaft und Kunst auszeichneten, verdankten das Beste ihres geistigen Theils, die morali-sche Grundlage ihres Daseins, den Einflüssen ihrer Mütter. Das Madonnenideal, insofernsich das Mütterliche in ihm spiegelt, ist das höchste und reinste, unter welchem in der Kunstdas Weib zur Erscheinung gebracht werden kann.

Eine gründliche Darstellung der Geschichte des weiblichen Geschlechts würde erge-ben, wie sehr der Bildungsgrad desselben von der Bildung des männlichen Geschlechts ab-und mit ihm zusammcnhängt; daß, je unfreier der Mann, auch desto unfreier das Weiberscheint, ja daß es zu gewissen Zeiten, besonders im Orient, in eine Apathie versinkenkann, in welcher es, gleichsam sich selbst aufgebend und an sich verzweifelnd, nicht einmalmehr den Willen hat, sich zu irgend einer Art geistiger Erkenntniß zu erheben. Jedenfallsist aber der Einfluß des intellektuellen Lebens beider Geschlechter aufeinander ein gcgcn-und wechselseitiger, nur daß es allerdings leichter nachzuwcisen ist, wie der Mann, der in derBeleuchtung der Geschichte steht, im Strome derJntelligcnz das Weib mit sich sortreißt, alswie der allgemeine Strom der Intelligenz von Seiten der Geistesbildung des weiblichenGeschlechts seine nährenden Zuflüsse erhält. Zu diesem Zwecke müßte man, da das Weibvorzugsweise in der Familie wurzelt, die unmögliche Aufgabe erfüllen, eine bis ins Speciellegehende Geschichte des Familienwesens, ja der einzelnen Familien selbst zu schreiben. Auallen Zeiten und unter allen Völkern hat sich die seltsame Erscheinung wiederholt, daß dasWeib auf der einen Seite ebenso hoch gepriesen, als von der andern herabwürdigt wurde.Selbst die Bibel enthält Beispiele für Beides. Die höhere Dichtung, sogar unter den Chine-sen und Indiern, feiert das Weib als ein fast über aller Menschheit stehendes Wesen, dieSatiriker, Sittenrichter und Strafprediger unter fast allen Nationen können kaum Wortegenug finden, um die Schwächen und die Schlechtigkeiten des weiblichen Geschlechts zu schil-dem und den Mann vor den verderblichen Einflüssen des Weibes zu warnen. Wenn man