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Fränzöslsches Theater 545
weisen, und es gibt z„gar größere Städte, welche sich mit herumziehenden Schauspielertrup-xen begnügen müssen. Zwar pflegen jährlich einige pariser Künstler Triumphreisen in derProvinz zu unternehmen, aber diese meteorgleichcn Erscheinungen sind nicht im Stande, demdortigen künstlerischen Leben einen Aufschwung zu geben. Wenn sich auch irgendwo einmalein ungewöhnliches Talent zeigt, so wird es unwiderstehlich vom Centrum angezogen. Da-her kommt es denn, daß man bei Besprechung des franz. Theaters nur die pariser Bühnenins Auge zu fassen hat. Die Zahl der Theater von Paris ist übrigens einem östern Wechselunterworfen; in der Revolution war sie einmal bis gegen 3» gestiegen; später wurde sieauf acht herabgesetzt; gegenwärtig zählt man, die kleinen Winkeltheater mitrechnet, 25—27. Die wichtigsten sind: I)die Große Op er (.^csilömie royale <Ielnnsi<j»e). Dieses Thea-ter, welches von der Regierung bedeutende Eelduntcrstützung erhält, entfaltet, was Decora-tion, Ballet und Maschinerie anbclangt, eine unglaubliche Pracht. Es dürfen nur solcheStücke gegeben werden, die vollständig gesungen werden, svdaß man sich z. B. bei der Auf-führung des „Freischütz" genöthigt gesehen hat, den Thcil des Textes, der gesprochen wird,in Necitativ zu verwandeln. Nachdem das schöne Opernhaus in der Straße Richelieu nachder Ermordung des Herzogs von Bern am 13. Febr. 1820 geschloffen und abgetragen war,wurde dieses Theater in verschiedene provisorische Locale verlegt. Jetzt ist cs in der Nue Le-pelletier. Von den in den Annalen dieses Theaters berühmt gewordenen Sang - und Tanz-künstlern nennen wir die Damen Guimard, Saint-Huberty, Arnauld, Armand, Branchu,Mad. Gardcl, Graffari, Sainville und Noblet und Herren Lais, Bonel und Nourrit. Ge-genwärtig zeichnen sich aus Duprez, Baroilhet, Poultier, Mad. Stolz und Mad. Dorus-Gras. 2) Das'I'Iieüti-e ki-an^sis in der Straße Richelieu und mit dem Palais royal zusam-menhängend. Aus dem Hotel Bourgogne wurde es 1689 in die Straße Foffes St.-Ger-main, 1770 in die Tuilerien, 1782 ins Odeon, und als dieses 1799 abbrannte, in das jetzigeGebäude verlegt, dessen Erbauer der Architekt Louis war. Das Repertoire dieser Bühnebesteht lediglich aus den als classisch anerkannten dramatischen Meisterwerken der ältern undneuern franz. dramatischen Literatur, sowol in der Tragödie als in der höher» Komödie.Aon den Schauspielern der früher» Zeiten, welche classischen Ruhm erlangten, nennen wirMichel Baron (s.d.), Brizard, Lekainss. d.), Clairval, Mole, Larive, Fleury, Aufresne,Dufresne, Grandmenil, Grandval, Monvel, Saint-Phar, Preville, Saint-Prix, VanhoveundTalma (s. d.) und von den Frauen Lecouvreur, Gaussin, Dumcsnil, C l a i r o n (s. d.),Devienne, Contat, Raucourt, Duchesnoisss. d.), Paradol, Bourgvin (s. d.), Mars(s. d.). Gegenwärtig gehören zu den hervorragendsten Künstlern dieser Bühne die HerrenLigier, Samson und die Damen Rachel, Manie, Plessis. Vgl. „8»iximts uns «In IkeLtretreu,yuis IN amuteur" (Par. 1 8-12). 3) Die K om isch e O p e r, auch Ollivckie Iz-riczue
genannt. Die auf dieser Bühne einheimische Gattung ist auch in Deutschland so beliebt ge-worden, daß die Repertoires der deutschen Bühnen für die komische Oper fast aus nichts alsaus Übersetzungen der Stücke bestehen, welche für dieses Theater geschrieben sind. Die vor-züglichsten Componisten, welche für dasselbe gearbeitet haben, sind Nicolo, Verton, Gre'try,Boyeldieu, Cherubini, Auber, Adam u. A. Zu den Sängern und Sängerinnen, welche zumGlanze dieses Theaters beigetragen, gehören die Herren Elleviou, Martin, Gavaudan,Chcnard, Juliet, Ponchard, Henri, Roger, Niquier und die Damen Saint-Aubin, Gavaudan,Boulanger, Ponchard, Paul, Pradher, Damoreau-Cinti, Rafsi-Caccia, Thillon. -1) O d eonoder seconcl HieLtre frsn^uis in der Vorstadt Saint-Germain, neben dem Luxembourg. DieGattung der hier dargestellten Stücke ist der des Premier MieLtre krsnyais ganz gleich, undbeide Bühnen wetteifern miteinander. Die Direktion des Odeon hat in der letzten Zeit einegroße Thätigkeit entfaltet und macht sich besonders dadurch um das franz. Drama sehr ver-dient, daß sie die Pforten ihres Theaters ;ungen Dichtern leichter eröffnet als das erste DKeL-tre truny-iis, das sich mehr an die bewährten classischen Stücke hält. So ist z. B. in letztererZeit im Odeon die „Imcreee" von Ponsard zur Aufführung gekommen, die ein so bedeuten-des Aufsehen erregt hat. 5) Italienische Oper. Dieses Theater ist der Sammelplatzder pariser vornehmen Welt. In der letzten Zeit waren es vorzüglich Mad. Fodor, Galli,Pasta, Grisi, Malibran, Persiani, und die Herren Dongelli, Garvianh Pellcgrini, Levas-Conv.-Lex. Neunte Aufl. V. 35