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Französische Musik
gen, und die Musik, bei deren Klange Pharamond zum König ausgcrufcn wurde, mag wolkaum etwas Anderes gewesen sein als eine Art kriegerischer Musik, wie sie auch gegenwärtigbei uncivilisirten Völkern zu finden. Dagegen wurde König Chlodwig, als er 4 96 zu Rheimssich taufen ließ, durch die bei dieser Gelegenheit aufgeführte Musik so ergriffen, daß er aufihre Pflege und Verbreitung fortan sein Augenmerk richtete. Ein ihm von Thevdorich demGroßen zugcsendcter gebildeter Musiker wurde zu Verbesserung des Kirchcngesangs ver- .wendet. Die Volksmusik war und blieb noch lange misachtet und zurückgesetzt. Selbst Karl >
der Große, seiner Volksliedersammlung ungeachtet, wendete seinen Eifer mehr dem Kirchen- !
gcsange als der Volksmusik zu. Er ließ röm. Sänger kommen und Singschulen von ihnen 'errichten. Glcichwol haben cs die Franken in dieser ihnen aufgedrungenen Kunst der kirch- ilichen Musik nie zu einiger Bedeutung gebracht. Einen Wettstreit seiner Sänger mit denrömischen, entschied Karl selbst zu Gunsten der letztem. Erst seit der Vermählung des Kö-nigs Robert mit Constance von Provence zu Anfänge des 10. Zahrh. scheint die Volks-musik der Franken durch die überkommenen provencalischcn Melodien einen fördernden An-stoß erhalten und durch die gleichfalls der Provence entstammten Troubadours (s.d.) einennoch hohem Aufschwung genommen zu haben. Fürsten und Höfe liebten und förderten dieKunst dieser wandernden Künstler, während durch die Jongleurs und Mene'triers, die theilsjene begleiteten, theils auf eigene Hand umherzogen, sic auch unter die nieder« Volksclasscnverbreitet, freilich aber auch endlich herabgczogen wurde. So blieb es bis ungefähr in dieMitte des l 9. Jahrh. Um diese Zeit bereitete sich in der kirchlichen Musik, die bis dahin undspäter in starrer Abgeschlossenheit von jenen Bestrebungen keine Kenntniß nahm, ein neuerUmschwung vor durch die Verbesserung und Regelung der Men suralmu sik (s. d.) durchFranco von Köln und durch die Versuche einer geordneten mannichfaltigen Harmonie, sowiedurch Erfindung einer zweckmäßigen Notenschrift. Ein lebhaftes Fördcrungsmittcl waren die ,geistlichen Komödien (die Mysterien), in denen durch Musik und Declamation eine biblische ,Geschichte dargcstellt wurde, und für welche Philipp der Schöne l!!>3 selbst ein eigenes 'Theater in Paris baute. Jndcß des ganz leidlichen mehrstimmigen Satzes, der in den Über-bleibseln eines Adam de la Hale und der Bemühungen des gelehrten Doctors der SorbonneJohannes de Muris (äonn cks bleur8), ungeachtet, blieb doch in der Folge die musikalischeKunst in Frankreich hinter Dem, was in Belgien, Italien und Deutschland geleistet wurde,weit zurück. Selbst die durch Franz I. errichtete Kapelle äußerte keinen durchgreifenden Ein-fluß. Zwar blieben die mit Katharina von Medici und später mit Maria von Medici nachFrankreich gekommenen Italiener und die seitdem in Italien entstandene Oper nicht ohneEinfluß, dennoch wurde erst durch Lully (s. d.), einem geborenen Florentiner, ein ersterGrund zu einer nachmals sich ausbildenden nationalen Richtung der Musik in Frankreichgelegt, indem er das Beste, was er von Volksmelodien auf seinen Reisen fand, in seinenOpern benutzte und zugleich eine lebendigere Instrumentation anwendetc. Falsch aber istcs, wenn man ihn den Erfinder des rhythmisch-dcclamatorischen Stils, den Schöpfer der franz.Musik nennt. Nach ihm, und ihn zum Thcil übcrbietend und in Überladung verfallend, er-warb sichNameau (s. d.) besondere Geltung. Das Übertriebene, Geschmacklose in seinenOpern fand in Rousseau einen heftigen Bekämpfer, der selbst nicht ohne Glück für die Operschrieb. Unterdeß hatte sich die Opern comigue von der franz. Musik gesondert, und Phili - >
dor (s. d.) und Monsigny (s. d.), die für sie schrieben, huldigten der ital. Weise, welche in ^
Piccini ihren Hauptvertreter fand. Da trat der Deutsche Gluck (s. d.) >774 in Paris mit '
seiner „Jphigenia in Aulis" auf und das Eigenthümlichc seiner Musik, die spiritualistischtAuffassung und das Vorwalten des declamatorischcn Elements gegenüber dem sinnlich me-lodischen der ital. Schule erschienen so durchaus neu und fanden in dem franz. Volkscharak-ter eine so lebhaft anklingende verwandte Saite, daß ei» höchst lebhaft geführter Streit derGluckisten und Piccinisten entstand, an welchem nicht nur Volk und Hof theilnahmcn, son-dern der sich selbst bis auf den Thron erstreckte. Gluckistin war die Königin, Piccinist derKönig. Glcichwol hatte die ganze Erscheinung augenblicklich keinen merklich umgestaltendenEinfluß. Vielmehr schien nach Gluck's Abtreten Alles in das gewohnte Gleis zurückzufallen.
In der That aber war die scharf bezeichnende Declamation, das Unterordncn des Musik-formellen unter den Situativns- und Gefühlsausdruck und das Zurückweisen der Gesangs-