Karbepflanzen Farel 2N3
in der dunkeln Kammer, über das Dunkle, und aus einer Bedeckung des Hellen durch dasDunkle zu erklären. Man sieht im Allgemeinen, daß diese Theorie, in der Mangel an mathe-matischer Klarheit des Begriffs sich überall offenbart, die Farben dem Gesetze der Polarität,d. h. dem Gegensätze von Eigenschaften, welche sich nach Maßgabe der Innigkeit ihrer Ver-bindung gegenseitig ganz oder theilwcisc neutralisiren, unterwirft, indem sie Licht und Nicht-licht sich einander wechselseitig bedingen und einschränken und solchergestalt die Farbe ent-stehen läßt, welche also ein verdüstertes Licht oder ein erhelltes Finstere sein würde. Goethetrug seine neue Theorie der Farben in dem Werke „Zur Farbenlehre" (2 Bde., Tüb. >810)vor, womit Schopenhauers „Abhandlung über das Sehen und die Farben" (Lpz. >8>6)und Brewer's „Versuch einer neuen Theorie der Lichtfarben" (2. Aust., Düfseld. ,1815) zuvergleichen sind. Siegreich ward Newton vertheidigt von Pfaff in der Schrift „Über New-ton's Farbentheorie" (Lpz. l8l 3). Gegenstand der Farbenlehre können auch die sogenann-ten subjectiven Farben werden, mit denen sich neuerdings namentlich Fechncr (s. d.) be-schäftigt hat, d. h. nämlich Farbcneindrücke, die das Auge empfindet, ohne daß die entspre-chende Farbe in der That außerhalb vorhanden ist. (S. Sehen.)
Farbepflanzen nennt man diejenigen theils wildwachsenden, theils cultivirten Ge-wächse, deren Wurzeln, Blätter, Stengel und Blüten zur Färberei benutzt werden. Zu denin Deutschland cultivirten Farbepflanzen gehören namentlich Safran, Saflor, Wau, Waid,Krapp und Färberscharte. Am häufigsten werden sie in Schlesien, Böhmen, Ostreich, Thü-ringen und Westfalen angebaut, doch hat der Anbau des Waid seit der Einführung des In-digo im 17. Jahrh. bedeutend abgenommen. .
Färberröthe, s. Krapp.
Farbige oder farbige Leute nennt man in Amerika in weiterer Bedeutung alleDiejenigen, welche nicht weiß geboren sind, in engerer aber nur die verschiedenen Mischlinge,die zwischen Weißen und Negern mitten inne stehen, und von denen die Spanier zwölf Ab-stufungen zählen, nämlich Creolen (s. d.), Mestizen (s. d.), Terzeroncn, Quarteronen,Pulchuelen, Mulatten (s. d.), Quinteronen, Saltoaltras, Saltaltras, Calpan-Mulat-.en, Chinos und Zambos. Sie sind im Allgemeinen am Körper und Geist gesund und kräf-tig und namentlich sehr erfinderisch. Zum Theil schon seit längerer Zeit ganz frei, genießensie doch durchgehend einer größer» Freiheit als die Neger.
Farbstoffe, s. Pigmente.
Farce, abgeleitet von dem ital. Irrrss, d. i. gestopft, nennt man eine dramatischePosse, in welcher das niedere Komische herrscht und für welche viele Nationen eigene stehendeCharaktere haben, die Spanier den Gracioso (s. d.), die Italiener den Arlechino (s. Har-lekin), Scar am uz (s.d.) u. A.; die Deutschen den Hanswurst (s.d.), Kasperleu.s.w.(S. Komisch.) Die Farce steht noch einen Grad tiefer als die Burleske, beruht haupt-sächlich auf Verkleidungen, Verwechselungen, Wortspielen u. s. w. und läßt sich häufig aufdie tiefste Stufe des Niedrigkomischen und Unwahrscheinlichen herab. Die span. Bühne hatdie besten Farcen; nächstdem die pariser und wiener Bühnen. Die Engländer nennen Das,was die Deutschen Farce nennen, Burleske und bezeichnen mit dem Namen Farce jedeskleine Füllstück komischen Charakters. Während Adelung meint, Färse sei eine Art Ge-sänge zwischen den Gebeten gewesen, mithin bedeute F. Intermezzo oder Zwischenspiel, undwährend der Provenzale Abbate Paolo Bernardy das Wort von einem provenzalischen Gerichteherleitet, liegt die Ableitung von dem ital. üirs» und weiterhin von dem lat. tarsum, d.h. ge-stopft, wol näher, weshalb auch Lcssing dasselbe im Deutschen Färse geschrieben haben wollte.
Farel (Wilh.), einer der thätigsten Beförderer der schweizerischen Reformation, geb.>389 in der Dauphine, gelangte schon früh durch den Verkehr mit Waldensern zu freiernAnsichten. Nachdem er seit 1526 in den franz. Landestheilen der Cantone Bern und Bieldas Evangelium mit glühendem, fast wildem Eifer gepredigt hatte, gründete er >530 dieReformation in Neufthatel. Doch der Hauptpunkt seiner Wirksamkeit wurde Genf. Hiervertheidigte er bei den Religionsgesprächen im Jan. 1533 und im Mai >535 die neue Lehreso siegreich, daß nicht nur der reformirten Gemeinde öffentlicher Gottesdienst erlaubt, sondernim Aug. >535 die Reformation vom Rache angenommen wurde. Noch verdienter machtesich F. um Genf, als er den im Aug. >536 durchreisenden Calvin (s. d.) durch seine gewal-