Druckschrift 
5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202 Farbenlehre -

das Glasprisma; der erste Physiker aber, der der Natur die Antworten auf diese Fragen zuentlocken wußte, war Newton (s. d.). Läßt man in ein verdunkeltes Zimmer durch einkleines rundes Loch einen Sonnenstrahl auf einen geschliffenen, dreiseitigen, senkrecht pris-malischen Glaskörper fallen, so sieht man deutlich, daß der Lichtstrahl, bei dem Eintritte inden Glaskörper und wieder bei dem Austritte 'aus demselben, von seiner Bahn abgelenkt ^und in eine andere geradlinige Bahn gebrochen wird; ferner daß der Lichtstrahl, der vor demPrisma auf einem Papier, welches man in denselben so hält, daß er darauf senkrecht fällt,einen völlig weißen Kreis bildet, hinter dem Prisma aber, auf einem ebenso gehaltenen Pa- *pier, ein farbiges Bild darstellt, das ungefähr fünfmal so lang als breit ist und die Farbendes Regenbogens genau in derselben Folge und Art zeigt, wie wir sie in der Lust sehen. Mannennt dieses Bild das prismatische Farbenbild oder F a r b e n sp e c t r u m. Die Länge dessel-ben befindet sich in einer auf der Achse des Prisma senkrechtstehenden Ebene; an dem Ende, ^welches nach dem brechenden Winkel des Prisma zu liegt, ist es roth, an dem von dem bre-chenden Winkel am weitesten abwärts liegenden Ende violett, dazwischen orangefarben, gelb,grün, blau und indigblau. Newton hat diese und ähnliche, mannichfach sich abändernde Er-scheinungen genau beobachtet und daraus geschlossen, daß diese farbigen Lichter die einfachensind und daß alles weiße Licht aus ihnen nach eben dem Verhältnisse zusammengesetzt ist, ,worin sie sich in dem prismatischen Farbenbilde zeigen. Jeder weiße Lichtstrahl enthält, nach 'ihm, alle sieben farbige Lichter zugleich, die wir aber nicht unterscheiden können, weil sie inihrem Zusammenwirken auf jedem Punkte der Netzhaut und in ihrem völligen Verschmelzenin der Empfindung, den Eindruck, welchen wir weiß nennen, Hervorbringen. Diese farbigenLichter werden von den Körpern alle nach einerlei Gesetz zurückgeworfen, daher weißes Lichtbeim Zurückwerfen weiß bleibt. Aber sie haben eine verschiedene Brechbarkeit; die rothetStrahlen die kleinste, die grünen die mittlere, die violetten die größte, und werden daher, sooft weißes Licht eine Brechung erleidet, voneinander abgesondert, weil sie, vermöge ihrer ver-schiedenen Brechbarkeit, wenn sie gleich parallel einfallen, doch in verschiedenem Grade abge-lenkt und daher in verschiedenen Richtungen gebrochen werden; das Roth am wenigsten,Orange stärker, noch stärker Gelb, Grün, Blau, Indiz, am allerstärksten Violett oder Pur-pur. Wenn diese sieben farbigen Strahlen wieder möglichst nahe einer neben dem andernparallel ins Auge fallen, sehen wir sie als weißes Licht. Die mehrsten Körper haben die Ei-genschaft, von den farbigen Strahlen, welche darauf fallen, einige zu binden und zu verschlu-cken und nur eine oder ein paar Arten zurückzuwerfen oder durch sich hindurchzulassen, unddaher rühren, nach Newton, die Farben der Körper. Blaue Seide z. B. verschluckt sechsfarbige Lichter des weißen Strahls und wirft nur das blaue Licht zurück, und Cochenillc-tinctur läßt vom weißen Lichte blos den rochen Theil hindurch und verschluckt die andernTheile. Für dieses Alles sprechen die Versuche mit Farbenscheiben, die auf einem kleinenRade schnell in die Runde getrieben werden, und mit dem Farbenspectrum, das man auffarbige Körper fallen läßt. Newton hat diese Theorie in seinerOptik" auseinandergesetzt;doch ist sie, alles Scharfsinns ungeachtet, welcher aus ihr hervorleuchtet, nicht in jeder Hin-sicht genügend. Mehre Physiker suchten Newton's Lehre über die Farbengebung zu verbes-sern, besonders was die Zahl der einfachen Farben betrifft, die Einige auf drei, Andere aufzwei haben vermindern wollen. Unter die Hauptgegner der Lehre Newton's vom farbigenLichte gehörte Goethe, der alle Farbenerscheinung daraus erklärte, daß entweder das Lichtdurch ein trübes Mittel gesehen werde, ohne daß sich hinter einem beleuchteten trüben Mitteldie Finsterniß als ein Hintergrund befinde, oder daß man durch ein weiß erleuchtetes Trübein die Finstcrniß des unermeßlichen Raums sehe. Geschieht das Erste, so erscheint das Lichtbei geringer Trübung des Mittels gelb und geht, mit zunehmender Trübung des Mittels, indas Gelbrvthe und Rothe über. So sieht die Sonne, wenn sie ihren höchsten Stand erreichthat, ziemlich weiß, obgleich auch hier inS Gelbe spielend; immer gelber aber erscheint sie, jetiefer sie sich senkt, und je dichter demnach der Theil der Atmosphäre wird, den ihre Strahlenzu durchlaufen haben, bis sie endlich roth untergeht. Im andern Falle erscheint der uner-meßliche Raum, wenn die Trübe dicht ist, bläulich; ist sie weniger dicht, so nimmt die Bläuean Tiefe zu und verliert sich ins Violette und endlich in das tiefste Schwarzblau. Die pris-matischen Versuche suchte Goethe durch eine Verrückung des Hellen, z. B. des Sonnenbilder