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in welchem Falle man auch bei Holz und andern Stoffen das Wort Färben braucht. DasFarben der Goldarbeiter besteht in der Behandlung der fertigen Artikel mit einer scharfenFlüssigkeit, welche, indem sie gewisse Bestandtheile der Lcgirung auflöst, auf der OberflächederArtikel eine andere mit bestimmter Farbe versehene Lcgirung erzeugt, als die ganzeMasseist. Das Färben der Gespinnste und Zeuge wird meist von zünftigen Handwerkern, den !Färbern, getrieben, welche sich in Schwarz-, Schön-und Seidenfärberscheidcn.Alle Farbstoffe sind in Bezug auf das Färben entweder substantive, d. h. solche, die sich aufdem betreffenden Zeuge ohne alle Borbereitung befestigen, oder adjective, welche einer beson- *dcrn Vorbereitung des Zeugs dazu (s. Beizen) bedürfen; von letzterer Art ist z. B. derKrappfarbftoff. Andere Farbstoffe, wie z. B. das Jndigblau, erzeugen sich erst auf demZeuge selbst durch Oxydation (s. Indigo); noch andere, wie Berlinerblau, die schwar-zen Farben, das Chromgelb u. s. w., werden dadurch im Zeuge selbst gebildet, daß mandasselbe nacheinander mit den beiden Körpern behandelt, welche durch ihre gegenseitigeZersetzung die Farbe bilden; in diesem Falle erhält gewöhnlich, obgleich nicht ganz rich-tig, der zuerst angewendeke den Namen der Beize. Die Vorbereitung zu jedem Färbenbesteht in der Reinigung des Zeugs von Fett und früher vorhandenen Farbstoffen, alsoin dem Bleichen (s.d.), welche Operation zuweilen beim Umfärben schon gefärbt gewesenerZeuge große Schwierigkeiten macht. Das gebleichte Zeug wird, wenn der anzuwendende 'Farbstoff substantiv ist, unmittelbar in die Färbeflotte, d.h. das mit der Auflösung, Ab-kochung u. s. w. des Farbstoffs angefüllte Gefäß, gebracht und darin herumbewegt, bis es sichgehörig gesättigt hat. Da viele Farbstoffe warm angewendet werden müssen, so sind dieFärbekessel am besten mit Dampfheizung versehen und außerdem Haspeln daran angebracht,um die Zcugstücke hin und her haspeln zu können. Nach dem Färben werden die Zeuge inreinem Flußwaffer gespült, um den nicht befestigten Farbstoffzu entfernen, darauf im Trocken-Hause oder in eigenthümlichen Trockcnappararen (s. Zeugdruck) getrocknet. Bei adjectivenFarben wird das Zeug erst mit einer Auflösung der anzuwendendcn Beize gesättigt, gespült,getrocknet und dann ausgefärbt. Manche Farben werden später noch durch schwach saureFlüssigkeiten, Seifenbäder, Kleicnbädcr u. s. w. genommen, um ihren Ton zu erhöhen (Avi-vagen). Im Einzelnen hat jeder Stoff gewisse, für ihn vorzüglich paffende Farbstoffeund Beizen; so paßt z. B. Krapp am besten für Baumwolle, Cochenille für Seide undWolle, Berlinerblau für Baumwolle, Indigo für Wolle u. s. w.; so wird die Baumwollemeist mit Thonerde- und Eisensalzen gebeizt, Seide und Wolle mit Weinstein - und Zinnsalzu. s. w. Die zu erzeugenden Nüancen hängen von richtiger Wahl der Beize und ihres Con-centrationsgrads, sowie von der Concentration, Temperatur und Dauer des Färbebadcs ab;so kann man mit Krapp allein alle Nüancen von Rosa durch Roth ins Braun, Violett undSchwarz färben. Die sogenannten Färbebücher sind meist nur Receptsammlungen, ausdenen keine allgemeine Belehrung zu schöpfen ist. Der Färber soll eine tüchtige chemischeBildung haben, da die Theorie sämmtlichcr Färbeprocesse in der Chemie zu finden ist; aberder Chemiker ist deshalb noch kein praktischer Färber, da die Specialitäten nur von Übungim Gebrauch von gewissen Kunstgriffen und Vortheilen abhängen.
Farbendruck oder Congrevedruck (compound printillg, Impression po>)'-cdröme) nennt man dar Verfahren, Papier gleichzeitig mit mehren Farben zu bedrucken. Fürnichttypographische Zwecke kannte man schon früher Verfahrungsarten, welche die verschie-denen Farben, die man sonst hintereinander mit ebenso viel verschiedenen Formen aufdruckte,oder durch Schablonen austrug, gleichzeitig abzudrucken erlaubten. So wurden bereits vor1823 bei Applegath in London farbige Bilderbogen für Kinder mittels ineinandergesctzterhölzerner Formen gedruckt. Congreve ss.d.), der in dieser Druckerei jenes Verfahren sah,fing 1823 zuerst an, Mctallplattcn statt der Holzplatten anzuwenden, nahm ein Patent undgründete mitWhiting in London die erste Anstalt für farbige Drucke, die, als Congreve 1828starb, Whiting fortsehte. Nach Deutschland wurde die Sache durch Hänel in Magdeburg(1827) und Naumann- in Frankfurt (1828) verpflanzt. Nächstdem liefern die besten Con-grcvedrucke die Officinen von Sollinger in Wien, Länderer in Pesth, Gebrüder Didot inParis und Teubner in Leipzig. Die Grundzüge des Verfahrens sind folgende. Aus einerMetallplatte schneidet man diejenigen Stellen, welche der einen von beiden Farben zukommen,