192 Falkonet Fall
Baizvögel gebot und das Recht genoß, überall im ganzen Königreiche nach Belieben zu sa-gen. Überhaupt wurden jährlich mehr als 40000 Livres auf die Falkenjagd verwendet.Durch die Erfindung des Schrots um die Mitte des l 7. Zahrh. kam die Falknerei allgemeinin Verfall. Zwar hat man in England, wo die Falknerei früher gleichfalls sehr beliebt war,wieder angefangen, sich mit derselben zu belustigen, doch ein Hinderniß allgemeinerer Auf-nahme find die dort meist eingefriedigten Felder. Unter den morgenländ. Völkern ver-stehen sich noch gegenwärtig vorzüglich die Perser sehr gut auf die Ablichtung der Falken.
Falkonet hieß in der ältern Geschützkunst ein den Falken (s. d.) nachgebildetes leich- Ltes Feldgeschütz, das vier Pf. Blei schoß, 5'/rF. lang und 400 Pf. schwer war. GustavAdolf soll bei Lützen im I. >632 von einer Falkonetkugel erschossen worden sein, was jedochkeineswegs erwiesen ist. Gegenwärtig ist das Falkonet ganz außer Gebrauch, ob zwar nochVierpfünder existiren, welche jedoch nicht vier Pf. Blei sondern vier Pf. Eisen schießen.
Fall nennt man diejenige Bewegung, vermöge deren die Körper bei mangelnder Un-terstützung sich nach dem Mittelpunkte der Erde zu bewegen. Die Ursache des Falls liegt inder Schwere oder der Anziehungskraft, welche die Erde vermöge ihrer Masse auf die Körperausübt. Da alle Körper sich im Verhältniß ihrer Massen gegenseitig anziehen, so fällt strenggenommen nicht blos der fallende Körper nach der Erde zu, sondern die Erde bewegt sich auchdemselben entgegen; doch liegt, da die Masse der Erde so unendlich überwiegend ist, ihreGcgcnbewegung außer dem Bereiche der gewöhnlichen Berechnung. Ist ein Körper beimFall gar nicht unterstützt, so nennt man seine Bewegung den freien Fall, welchem der Fallauf einer schiefen Ebene oder krummen Fläche entgegensteht. Die Hauptgesetze des freienFalls im luftleeren Raume sind folgende: >) Alle Körper, wie verschieden auch ihr Gewichtsein mag, fallen gleich schnell, eine Flaumfeder z. B. so schnell als ein Dukaten, wovon mansich durch Versuche mit der Luftpumpe leicht überzeugen kann. Die verschiedene Schnelledes Falls in der gewöhnlichen Luft rührt blos von dem Widerstande der letztem her. 2) Wennder Raum, den ein fallender Körper in der ersten Secunde durchläuft, gleich l gesetzt wird, !so ist der Raum, der in der zweiten Secunde von ihm durchlaufen wird, gleich 3, in der drit- iten gleich 5, in der vierten gleich 7 u. s. w., die Größe des Fallraums in jeder Secundeschreitet also im Verhältniß der ungeraden Zahlen fort, woraus zugleich hervorgeht, daß dieFallbewegung sich immer mehr beschleunigt. 3) Aus dem Vorigen folgt, daß, wenn wieder-um der nach Verlauf der ersten Secunde durchlaufene Raum gleich l gesetzt wird, der ganzedurchlaufene Raum nach Beendigung der zweiten Secunde gleich 4, nach Beendigung derdritten Secunde gleich 9, nach Beendigung der vierten Secunde gleich 16 ist u. f w., wor-aus sich das Gesetz ergibt, daß sich die durchlaufenen Fallräume verhalten wie die Quadrateder Fallzciten. 4) Die Geschwindigkeit, welche ein Körper nach Durchlaufung eines gewis-sen Fallraums erlangt hat, d. h. mit der er seine Bewegung von da an fortzusetzen beginnt,ist der Fallzeit oder der Quadratwurzel des Fallraums proportional, sodaß sie, wenn derKörper im Fallen die vierfache Tiefe,erreicht hat, doppelt so groß ist als sie war, da er die ^einfache Tiefe erreichte. Unter dem Äquator im Niveau des Meers fällt ein Körper im lee-ren Raume in der ersten Secunde 15,03397 F. Es verdient aber bemerkt zu werden, daß, !weil nach den Polen zu die von der Notation der Erde hervorgebrachte Centrifugalkraft derSchwere minder cntgegenwirkt als am Äquator, die Körper dort etwas schneller fallen alsunter dem Äquator, wie denn z. B. unter dem 45" der B. der Fallraum in der ersten Se-cunde 15,09328 F. ist. Alle Gesetze des freien Falls im leeren Raume sind in folgendensehr einfachen Formeln enthalten: s—gt" und v—2gt, worin t die vom Änfange des Fallsan verflossene Zeit, in Secunden ausgedrückt, s den während dieser Zeit, durchlaufenenRaum, A den Fallraum in der ersten Secunde (—15,05397 F. unter dem Äquator), v diezu Ende der Zeit t erlangte Geschwindigkeit bedeutet. Aristoteles und seine Nachfolgerglaubten, die Schnelligkeit des Falls richte sich nach dem Gewichte der Körper, sodaß einKörper von zehn Pfund zehnmal so schnell fiele als ein Körper von einem Pfunde. Dieserund andere Jrrthümer erhielten sich, bis Galilei theils durch Theorie, theils durch Versuchegegen den Anfang des 17. Jahrh. die richtigen Gesetze des Falls feststellte. Newton, auf dasdritte Gesetz von Kepler fußend, erkannte die Fallgesetze in den Verhältnissen der Weltkörperzueinander. Guglielmini und nach ihm Benzcnberg fanden bei ihren Fallversuchcn einen