Fahrende Artillerie Fain 185
diese dadurch vollständig geblendet werden. In diesem Zustande läuft das Pferd nur nochwenige Schritte, wird dann zaghaft und bleibt still stehen.
Fahrende Artillerie ist eine Gattung von Feldartillerie, bei welcher die Mannschaftnicht wie bei der Fußartillerie zu Fuß geht, auch nicht wie bei der reitenden beritten ist, son-dern auf dem Geschütz selbst und dessen Munitionswagen mit fortgebracht wird. Man willdadurch den Feldbatterien mehr Beweglichkeit verschaffen, ohne zu viel Kosten aufzuwendcn.Wie bei allen Dingen, welche zwei Zwecke zugleich erfüllen sollen, und wobei gewöhnlich keinervollständig erreicht wird, so auch hier. Werden die Geschütze nicht übermäßig leicht gemacht,wodurch sie aber wieder an Wirksamkeit verlieren, so fällt durch die Belastung mit Mann-schaften gewöhnlich das Gesammtgewicht zu groß aus, und man verfällt, besonders auf schwie-rigem Boden, gerade in den Fehler, dem man entgehen wollte. Außer dem Mangel an Selb-ständigkeit unterliegt die fahrende Artillerie auch noch dem Nachtheile, daß sie zu anhaltendschnellen Bewegungen nicht die erfoderliche Ausdauer besitzt, und daß aufunebenem Terrain,beim Passiren von Gräben u. s. w., die sitzende Mannschaft den größten Gefahren ausgesetztist; läßt man sie aber, um dieser Gefahr zu entgehen, an solchen Terrainstellen abstcigen, sogeht der ganze Vortheil verloren. Wenn dessenungeachtet fahrende Artillerie noch bei eini-gen Armeen existirt, so ist der Grund entweder in einer langjährigen Gewohnheit zu suchen,von der man sich nicht trennen mag, wie in Ostreich, oder in einer falschen Ökonomie, wie inBaiern und Dänemark.
Fahrende Habe oder Fahrniß heißen im deutschen Rechte alle bewegliche Güteroder Mobilien im Gegensätze der liegenden Gründe.
Fahrenheit (Gabr. Dan.), der Verbesserer der Thermometer und Barometer, geb. zuDanzig gegen Ende des 17. Jahrh., war anfangs für die Handlung bestimmt, wendete sichaber aus Neigung dem Studium der Physik zu. Nachdem er Deutschland und England be-reist hatte, ließ er sich in Holland nieder, wo die berühmtesten Männer seines Fachs, unterAndern auch 's Gravesande, seine Lehrer und Freunde wurden. Im I. 1720 kam er zuerstauf die Idee, sich des Quecksilbers statt des Weingeistes bei Anfertigung der Thermome -ter (s. d.) zu bedienen, wodurch diese Instrumente ungemein an Genauigkeit gewannen.Er nahm dabei die Kälte im Winter 1709 zu Danzig als den höchsten möglichen Grad seinerScala an. Auch beschäftigte er sich in Holland mit Anfertigung einer Maschine zum Aus-trocknen der den Überschwemmungen ausgesetzten Gegenden, erhielt darauf von der Regie-rung der Niederlande ein Privilegium, konnte aber das Ganze nicht vollenden, da ihn derTod 1740 überraschte.
Fahrt nennt man beim Bergwesen die den Leitern ähnlichen Vorrichtungen zum Hin-absteigen in die Grube. Eine ganze Fahrt ist zwölf, eine halbe sechs Ellen lang. VondemFahrschacht ist der Förderschacht, in welchem die Erze herauf oder zu Tage gefördert wer-den, durch eine Scheidewand getrennt.
Fährte, s. Ansprechen.
Fain (Agathon Jean Frede'ric, Baron), erster Geh. Secretair Napoleon's, geb.zu Paris am l l.Jan. 1778, hatte kaum seine Schulstudien vollendet, als ihn ein Zufall in dieBureaux der Nationalversammlung versetzte. Im Alter von 16 Jahren wurde er Secretair desMilitairausschusses des Nationalconvents, und nach dem 12. Vendemiaire des I. IV (5. Oct.1795) kam er durch Barras und Letourneur in die Bureaux des Directoriums. Unter dem Kon-sulate wurde er 1799 Divisionschefder Archive und bald daraufStaatssecretair. Mit dem Titelals Archivsecretair kam er 1806 in das geheime Cabinet des Kaisers, der ihn 1807 zum Reque-tenmeister ernannte und 1809 zum Baron erhob. Zu Anfänge des I. 1813 wurde er Geh.Secretair des Kaisers, den er nun auf allen seinen Zügen bis zur Abdankung in Fontainebleaubegleitete. F. hatte die ersten Befehle entworfen, welche Bonaparte als Consul, er entwarfauch die letzte Acte, welche ec als Kaiser Unterzeichnete, nämlich die Abdication zu Fontaine-bleau. Mit der Rückkehr der Bourbons verlor F. auch seine Stelle als Vorsteher des franz.Archivs; nach Napoleon's Rückkehr von Elba trat er wieder in seine frühere Stellung.Er Unterzeichnete im Staatsrathe das Protokoll vom 25. März, welches die Grundsätze ent-hielt, die dem Kaiser in Zukunft als Richtschnur dienen sollten; auch entwarf er das kaiser-liche Dekret von demselben Tage, welches alle frühere Beschlüsse gegen die Bourbons von