184 Fahnenweihe Fahren I
nur vor dem Kriegsheere, den Prinzen oder Prinzessinnen des Hauses und dem commandi»renden General ins Gewehr zu treten.
Fahnenweihe. Die Ertheilung von Fahnen an Truppen, die sie noch nicht besitzen,ist mit einer militairischen Feierlichkeit und Gottesdienst verbunden, wobei der Geistliche die ^Fahne einsegnet und der Kommandeur sie der Truppe unter entsprechender Anrede feierlich iübergibt. Napoleon wußte dergleichen Acte geschickt zu benutzen, namentlich kurz vor einer sSchlacht, um den betheiligten Truppen eine besondere Begeisterung einzuflößen. Eine derberühmtesten Fahnenweihen fand 18 l 5 in Paris nach Einnahme der Stadt im Beisein der ^verbündeten Monarchen statt.
Fähnrich hieß im Mittelalter der Fahnenträger, der ein besonders tapferer, zuverläs-siger Mann sein mußte. Demselben wurde die Fahne vor versammeltem Regimente mit feier-licher Anrede übergeben, und er mußte schwören, Leib und Leben bei der Fahne zu lassen, sicherfodcrlichenfalls darin einzuwickeln und so dem Tode zu weihen, weshalb er auch einen höhern,zuweilen den sechsfachen Sold bekam. Die ältere Kriegsgeschichte stelltviele chrenwcrtheBei-spiele aus, daß Fähnriche ihrem Schwure im buchstäblichen Wortsinne nachgckommen sind.
Bei den Preußen hieß noch bis l 808 der jüngste Offizier einer Compagnie Fähnrich, bei der -Escadron Cornet; bei der Reorganisation der Armee ging aber diese Charge ein. Gegen-wärtig ist der Fähnrich ein Unteroffizier und rangirt gleich hinter dem Feldwebel; er trägt das iOffiziersportee'pe'e und wird daher auch Portee'peefähnrich genannt. Mit dieser Charge !werden nur junge Männer bekleidet, welche auf Beförderung zum Offizier dienen, nachdemsie ein wissenschaftliches Examen abgelegt haben.
Fahr, eine Benedictinerabtei im schweizer. Canton Aargau an der Limmat, wurde imI. 1130 gegründet und an das Kloster Einsiedeln geschenkt, im I. 18-11 nebst mehren Klö-stern im Aargau aufgehoben.
Fahren. Je unbehülflicher die ersten, nur auf zwei sehr niedrigen Nädern ruhenden .Wagen waren, um so mehr Kunst erfoderte das geschickte Lenken derselben und das schnelle 1Fahren. Aus diesem Grunde bildeten auch die Wettfahrten in den olympischen und andern -Spielen des Alterthums einen Haupttheil, und der Sieger im Wagenkampfe wurde mit hohen !Ehren gekrönt und belohnt. Mit der spätem Vervollkommnung der Wagen und als nament-lich die Phrygier denselben statt zweier Räder vier gaben, wurde auch die Kunst des Fahrensleichter und mehr vervollkommnet. Bei der Einfachheit der Pferdegeschirre des Alterthumswar die Schwierigkeit für den Wagenlcnker allerdings sehr bedeutend, während die gegen-wärtigen Geschirre, welche oft mit großem Raffinement zusammengesetzt sind, es einemKutscher möglich machen, vier, sechs, ja acht Pferde zu je zweien lang gespannt vomKutscher-bocke aus mit Leichtigkeit zu regieren. Ein übler Umstand beim Fahren ist der, daß man inmanchen Fällen der Willkür des Zugthiers ausgesetzt ist, sobald auf eine oder die andere Weiseder Kutscher außer Stand gesetzt ist, die Zügel gehörig wirken zu lassen, und viele Unglücksfällesind in Folge dieses sogenannten Durchgehens der Pferde hcrbeigeführt worden. Gewöhnlichendet dieses Durchgehen nur dann, wenn die Pferde durch irgend einen Umstand ausgchaltenwerden oder wenn das Fuhrwerk zerstört ist, da gerade das letztere und das Geschirr das Pferdimmer mehr beunruhigen und zur Wuth anstachcln. Man hat daher mannichfache Mittelausgesucht, dies Durchgehen, dem man oft gar nicht Vorbeugen kann, unschädlich zu machen. ,Eins der beste» ist eine Vorrichtung, mittels deren auf eine einfache Art das Ge- !spann mit der Deichsel und den Ortscheitcn im Augenblicke des Durchgehcns von dem Wa- ^gen getrennt werden kann, worauf letzterer stehen bleibt. Abgesehen davon aber, daß dieseVorrichtung leicht durch einzelne Zufälligkeiten, hauptsächlich aber durchjden vermehrten Zug,der nothwendig in der Vorrichtung eine größere, schwer zu bewältigende Reibung erzeugt,im Augenblicke der Gefahr außer Thätigkeit gesetzt werden kann, so können doch die Pferdeselbst, angetrieben durch die Bewegungen der Deichsel und der Ortscheite, anderweit noch be-deutenden Schaden anrichten. Darum dürste wol die neueste Erfindung der Art vor allenaltern den Vorzug verdienen. Diese besteht ganz einfach in einer veränderten Einrichtungder älter» Scheuklappen an den Geschirren; diese nämlich sind etwas solider construirt unddergestalt mit einem Zuge versehen, daß mittels desselben durch den Kutscher oder einen imWagen Sitzenden die sonst abstehenden Klappen den Pferden vor die Augen gezogen und
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