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182 Fahne des Propheten Fahnenberg
Kriegereid. Bei der Infanterie hat in der Regel jedes Bataillon eine Kahne, bei der Cava-lcrie jedes Regiment eine Standarte, die sich allemal bei der ersten Escadron befindet. Inder metallenen Spitze der Fahnen- oder Standartenstange sieht man gewöhnlich den Namens-zug des Kriegsherrn, oder ein anderes Emblem; bei den Preußen z. B. nach dem Befreiungs-kriege das Eiserne Kreuj. Napoleon schaffte die Fahnen ganz ab und führte dafür nachdem Muster der röm. Legionen vergoldete Adler ein, welche jedoch nach der Restaurationdem ürspesu tricolore weichen mußten. — Unter Fahne oder Fähnlein verstand manim Mittelalter einen Haufen Fußvolk oder ein Cornet (Schwadron) Reiter von verschiede-ner Stärke, weshalb die Angaben der ältern Schriftsteller, welche gewöhnlich nach Fahnenzu rechnen pflegten, über die Stärke der Heersabthcilungen sehr unbestimmt sind. Hatte dieBesatzung eines Platzes capitulirt, so bestimmte beim Abzug die fliegende oder aufge-wickelte Fahne den Grad des Ehrenvollen der Kapitulation. Bei den Landsknechtengalt das Umdrehen der Fahne als ein Zeichen, der Empörung. Das Aufstecken einer weißenFahne deutet an, daß ein fester Platz zurÜbergabe geneigt ist. Bei den Türkewund andernoriental. Völkern zeigt eine rothe Fahne (Blutfahne) den festen Entschluß zum Wider-stand auf Tod und Leben an. Eine gelbe (Pestfahne) dient zum Zeichen des Vorhanden-scins der Pest, Cholera oder einer andern epidemischen Krankheit. Da an den Verlust derFahnen vor dem Feinde sich der Begriff von Schande knüpft, so ist man bei einigen Armeen,z. B. bei der russ., so vorsichtig, sie nicht mit ins Gefecht zu nehmen, sondern an einen sichernOrt zurückzuschicken. Im Befreiungskriege führten bei den Preußen nur die alten Regi-menter Fahnen, die jungen unterrichteten erhielten sie erst nach dem Kriege, als eine ehrendeAnerkennung ihres Wohlverhaltcns. Später erhielten sogar die Jäger, Schützen und selbstjede Artillcriebrigade eine Fahne, obgleich diese Truppen sie, der Natur ihrer Fechtart we-gen, nicht mit in den Krieg nehmen können. Da die Fahne ein Ehrenzeichen ist, so werdenihr auch die höchsten militairischen Honneurs gemacht, und sie erhält da, wo sie aufbewahrtwird, eine Schildwache. Früher wurde die Fahne nur vor dem Landesherrn gesenkt, ge-genwärtig vor jedem höhern Offizier, der eine Parade abnimmt oder eine Truppe mustert.Bei aufmarschirter Linie steht die Fahne oder Standarte in der Mitte des Bataillons oderder ersten Escadron, und die nächsten Rotten sind zu ihrem Schutz bestimmt, weshalb sieFahnenrotten, in einigen Armeen auch Fahnenpelotons heißen. Beim Evolutio-niren gibt die Fahne des Richtungsbataillons das Maß der Bewegung in Zeit und Raumfür die übrigen Bataillone eines Regiments oder einer Brigade. Endlich dient die Fahneauch noch zur Rehabilitation eines ehrlos erklärt gewesenen Soldaten, indem sie über seinemHaupte geschwenkt und sein Name dadurch wieder ehrlich gemacht wird.
Fahne des Propheten, der Sandschak Scherlff oder die heilige Fahne, war zuerstvon weißer Farbe, gefertigt aus dem Turban des von Mohammed gefangenen Koreischiten;an ihre Stelle trat indeß sehr bald eine schwarze Fahne, von Mohammed Okal, d. h. schwar-zer Adler, genannt, bestehend aus dem Vorhänge, welcher sich vor der Thüre der Aischa, einerder Frauen des Propheten, befand. Diese ursprüngliche Fahne, welche von den Moham-medanern als die heiligste Reliquie betrachtet wurde, kam anfangs an die Anhänger Omar'szu Damaskus, dann an die Abbasi, nachher an den Khalifen von Bagdad und Kahira; spä-ter fiel sie in die Hände Selim's l. und durch Amurad lll. gelangte sie nach Europa. Mit42 seidenen Überzügen versehen und in einer kostbaren Kapsel verschlossen, wird sie in einerKapelle im Innern des Serails aufbewahrt, wo einige Emire sie unter fortwährenden Ge-beten bewachen. Verschieden von ihr ist die ebenfalls sehr sorgsam aufbewahrte Fahne, welchebeim Beginn eines Kriegs und bei Ausständen entfaltet wird, die aber das Volk für die ur-sprüngliche hält.
Fahnenberg (Karl Heinr., Freiherr von), geb. am 16. Mai 1178 zu Freiburg imBrcisgau, studirte zu Würzburg, Erlangen und Göttingen, wurde 1801 östr. Legationssecretair zu München und Karlsruhe und ging nach Abtretung des Breisgaus an Badenin brd. Staatsdienst über. In seiner Stellung als Oberpostdirector seit 1819 erwarb er sichgroße Verdienste um das bad. Postwesen, namentlich durch die erste Einführung der Eil-posten in Deutschland; auch erhielt er 1823 provisorisch, 1826 aber definitiv die oberste Lei-tung der Schuldentilgungskasse. Neben vielen Amtsgeschäften benutzte er seine Mußestun-