Faktisch Fagel 179
alten Materials mit allen seinen im Laufe der Zeit eingetretenen Veränderungen und De»fecten, zu einer staunenswcrthen Vollkommenheit gebracht. Vgl. „Isograpkie äes Komm«,celebres, ou collectio» <>« ksc-simile, <Ie letlres autogrspbes, etc." (Par. 1827) und Do»row, „Faksimile und Handschriften" (4 Bde., Berl. >836—38, 4.).
Faktisch, abgeleitet vom lat. Worte kactuw, d. h. das thatsächlich Geschehene, nenntman alles Das, was durch Thaksachen unzweifelhaft erwiesen oder zu erweisen ist.
Factor heißt in der Arithmetik eine Zahl, welche man mit einer andern multiplicirtoder welche in einer andern ohne Rest aufgeht; so sind 2, 4, 7 und >4 die Factoren der Zahl28. 2, 3, 5, 6, lv und >5 die Factoren der Zahl 30. Man theilt die Factoren in einfacheund zusammengesetzte; erstere unterscheiden sich von letzter« dadurch, daß sie durch keine an-dere Zahl als durch sich selbst theilbar sind. Die Bestimmung des größten Factors zweierZahlen ist ein wichtiger Gegenstand der Arithmetik. Man findet ihn dadurch, daß man diebeiden Zahlen durcheinander dividirt und dann durch den Rest der Division wieder den vori-gen Divisor dividirt, und dies so lange fortseht, bis eine dieser Divisionen keinen Rest mehrgibt. Der Divisor der letzten Division ist dann der gesuchte größte Factor beider Zahlen. —F a c t o r heißt ferner der Aufseher einer Fabrik, Manufactur, überhaupt jedes Geschäfts,welches nicht ein bloßes Handwerk ist, z. B. einer Druckerei, Schriftgießerei u. s. w- — Fa c-toreien pflegt man die in fremden Welttheilen befindlichen Handelsniederlassungen zu nen-nen, und berühmt sind insbesondere die Factoreien der Holländer in Ostindien.—Factorei-handel nennt man auch den Commissions Handel (s. d.).
Fakultäten, s. Universitäten.
Faden, ein Längenmaß, s. Maße und Gewichte.
Faenza (bei den Römern Faventia), eine Stadt des Kirchenstaats in der DelegationRavenna, am Amone, an der Kunststraße von Bologna nach Ancona, ist sehr regelmäßiggebaut, mit Mauern umgeben und hat gegen > 9000 E. An dem mit Bogengängen umge-benen und einem Springbrunnen gezierten Hauptplahe, auf welchem die vier Hauptstraßeneinmündcn, stehen der Dom, das Rathhaus und das Theater. Die Kirchen der Servicen,dell' Annunziata, des heil. Bernardo und der Exosservanten sind theils architektonisch, theilswegen der Gemälde merkwürdig. Die Stadt hat ein Lyceum, welches eine Gemäldegaleriebesitzt, zwei Malerschulen und mehre Wohlthätigkeitsanstalten. Berühmt sind besonders dieMajolicafabriken, welche das unter dem Namen Fayence (s. d.) bekannte Geschirr liefern.
Fagel , eine niederländ. Familie, welche der Republik der Vereinigten Niederlandeeine Reihe würdiger Staatsmänner und Krieger geliefert hat, die der oranischen Partei mitRechtlichkeit und ohne Nebenabsichten ergeben waren. Ahnherr derselben war KasparF., geb. zu Harlem >629. Er bekleidete die wichtige Stelle eines Staatssecretairs beiden Generalstaaten und zeichnete sich insbesondere bei der Invasion Ludwig's XlV. durchMuth und Standhaftigkeit aus. Mit dem Chevalier Temple brachte er >678 die Prälimi-narien des nimweger Friedens zu Stande. Bei den Unterhandlungen mit Frankreich wider-stand er allen Verführungskünsten des franz. Gesandten und lehnte eine Summe von zweiMill. Livres ab, die ihm geboten wurden, um ihn zu gewinnen. Sein Streben war die Er-hebung Wilhelm'S III. auf den engl. Thron. Er war es, der Wilhelm's Manifest bei dieserGelegenheit entwarf und von dem Alles geleitet wurde. Er starb > 688, noch che die Nach-richt vom vollständigen Gelingen seiner Wünsche eingegangen war. — Sein Neffe FranzF-, geb. >659, gest. >746, war gleichfalls Staatssecretair der Generalstaaten und ein aus-gezeichneter Staatsmann. — Franz Nikolaus F., ein zweiter Neffe Kaspar's, trat >672in Dienst und starb >7>8 als General der Infanterie im Dienste der Generalstaaten undkaiserlicher Feldmarschalllieutenant; er zeichnete sich in der Schlacht bei FleuruS >690 aus,befehligte bei der berühmten Vertheidigung von Mons im I. >691 and bewies bei der Bela-gerung von Namur, bei der Einnahme von Bonn und in Portugal >703, in Flandern>71 > und >712 und bei den Schlachten von Ramillies und Malplaquet große militairischeTalente. Franz F., geb. >740, gest. >77-3, ebenfalls Staatssecretair, wurde von Hem-sterhuis in einer meisterhaften Lobschrist gewürdigt. — Heinr. F., geb. >706, gest. >790,hatte als Staatssecretair vorzüglich an der Erhebung Wilhelm's IV. zur Statthalterwürde