166 Faber (Geschlecht) Fab er (Theodor von)
denen die Verkettung der bald Schicksal, bald Zufall genannten Begebenheiten ins Spieltritt, um zu zeigen, wie Dies und Das nach einer Hähern Anordnung aus- oder wenigstensnacheinander folgt. Von dem Vortrage der Fabel, der im Allgemeinen edle Einfachheit er-sodert, ist weder der Scherz ausgeschlossen, da gleichsam mit dem Wunderbaren ein Spielgetrieben wird, noch das Satirische, da ein Theil der Fabeln auf Ironie ruht; einige sindrührend, und die Schicksalsfabeln streifen an das Erhabene. Einfach, heiter und ernst inihrer Darstellung waren die alten Fabeldichter, welche, wie es scheint, zuerst im Orient auf-tratcn. Berühmt sind die indischen Fabeln, die gewöhnlich dem Bidpai (s. d.) beigelegtwerden, und die Fabeln des Arabers Lokman (s. d.). Unter den Griechen ist besondersÄsopus (s. d.) als Fabeldichter bekannt, welchen unter den Römern Phädrus (s. d.)nachahmtc. Deutsche Fabeln aus der Zeit der Minnesänger gab Bodmer heraus. Der äl-teste deutsche Fabeldichter scheint Strickers um die Mitte des 13. Jahrh. zu sein. Bon er(s. d.), zu Änfange des 14. Jahrh., ist als treuherziger Fabeldichter durch seinen „Edelstein"bekannt. Der Verfasser des Reineke Fuchs (s.d.) lieferte ein ganzes Fabelepos. Im16. Jahrh. ist als Fabeldichter Burkard Waldis (s. d.) zu erwähnen. Im 17. zeichnetesich der engl. Fabeldichter John Gay (s. d.) aus und unter den Franzosen Lafontaine(s. d.), der besonders den Scherz in die Fabel einführte und im geselligen Welttone sprach.Unter den deutschen Fabeldichtern des vorigen Jahrh. stnd vorzüglich Geliert (s. d.),Gleim (s. d.), Lichtwer (s. d.), Willamov (s. d.), Pseffel (s. d.), Lessing (s. d.)zu nennen, die die Fabel mit der Satire durch den Stachel des Sinngedichts befreundeten.Die schwatzhafte Manier, in welche später die Fabel ausartete, scheint dieselbe allmälig ausder Reihe derjenigen Dichtgattungen, die noch mit Vorliebe angebaut werden, verdrängt zuhaben, besonders da die Dichtungen mit moralisch-didaktischer Tendenz überhaupt in denHintergrund getreten sind. Eine „Fabellese" gab Ramler heraus (3 Bde., Lpz. 1783—90).
Faber ist der lat. Name mehrer namhaften franz. Rechtsgelehrten. Anton F., ei-gentlich Favre, gcb. zu Bourg-en-Bresse 1557, studirte in Paris und Turin und wurde1581 Richter in seiner Vaterstadt, welche damals den Herzogen von Savoyen gehörte.Nachdem Bresse französisch geworden, ging er nach Chambery, wo er 1610 Präsident desobersten Gerichtshofs wurde und 1624 starb. Er war ein Freund besonderer, von der allge-meinen Meinung abweichender Ansichten. Der „<7ociex kabriamis" (Lyon 1661, Fol.),eine Sammlung von Entscheidungen, ist auch in Deutschland sehr geachtet und herausgege-ben worden; nicht minder sind seine „Rational,» in pauckectss" (3 Bde., Lyon 1659—63,Fol.), sein Werk „Re erroribus praFmaticorum et mterprelum juris" (2 Bde., Lyon 1658,Fol.) und seine „Lonjsctursrum juris civilis libri XX" (Lyon 1661, Fol.) geschätzt. —Sein Sohn, Claude Favre deVaugelas, geb. zu Chambery 1587, gest. 1650, zeich-nete sich als franz. Sprachforscher aus und ist vorzüglich bekannt durch seine „Rcmarguessur la lang»« tranysise" (Par. 1647, 4.) sowie durch seine Übersetzung des Curtius, ander er 30 Jahre arbeitete (Par. 1653, und nach einer von ihm selbst verbesserten, erstspäter aufgefundenen Handschrift I Ü59, 4.). — Peter F., eigentlich Pierre du Faur, geb.1540, gest. 1600, Präsident des Senats zu Toulouse, ein Schüler des Cujacius, schriebüber den Titel „Re re^nlis juris" (1566) und drei Bücher „Lemestria", jedes eine Samm-lung von 25 Aufsätzen (Genf 1660). — Ebenfalls aus Cujacius' Schule ging hervorN i c. F., eigentlich Lefebvre, geb. 1544, gest. 1612, der zuletzt Lehrer Ludwig's XIII. war.
Faber (Basilius), ein deutscher Philolog, geb. 1520 zu Sorau, gebildet in Witten-berg, war erst Rector der Schule zu Nordhausen und dann zu Erfurt, wo er im I. 1576starb. Sein verdienstlichstes Werk ist der von ihm mit ungemeinem Fleiße zusammengetra-genc „Tliessurus eruckitionis sckolasticse" (Lpz. 1571), der später von Gesner und zuletztvon Leich (2 Bde., Lpz. 1749, Fol.) verbessert herausgegeben wurde. Auch wurden durchF. die Magdeburger Centurien (s. d.) begründet und mehre Schriften Luther's ins Deut-sche übersetzt, wodurch er das Werk der Reformation zu fördern suchte.
Faber (Tanaquil), s. Lesebre.
Faber (Theodor von),.russ. Staatsrath, geb. zu Riga 1768, kam in der frühestenKindheit, nachdem er seine Ältern verloren, nach Deutschland, besuchte die Domschule inMagdeburg, studirte in Halle und ging darauf nach Frankreich, wo er Zeuge der Erstür-
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