132 Euphrosyne Euripides
Persischen Meerbusen ergießt, nachdem noch ein Kanal ihn mit dem von den Gebirgen Per-siens herabkommcndcn Karun verbunden. Das Flußgebiet des Euphrat beträgt über > 200»LIM., und seine Länge in gerader Linie 150, mit den Krümmungen 370 M.; sein Wasserist, obgleich trübe, doch gesund und wohlschmeckend, und durch seine wenngleich in ihrem Ein-treten und ihrer Ausdehnung weit unregelmäßigem Überschwemmungen ist er auf ähnlicheWeise wohlthätig für das Land, das er durchströmt, wie der Nil für Ägypten. Obgleich derEuphrat eine große Wassermenge führt, so wird er der Hindernisse wegen, welche Strom-schnellen und Klippen verursachen, doch nur stellenweise und wenig zur Schiffahrt benutzt,und die Versuche, welche die Engländer in neuester Zeit unter Leitung des Obersten Chesneyzu seiner Beschiffung mit Dampfbooten gemacht, scheinen dargethan zu haben, daß der Plan,ihn zu einer Wasserstraße zwischen Ostindien und dem Mittelmcere zu machen, in seiner ge-genwärtigen Gestalt illusorisch sei.
Euphrosyne, eine der drei Grazien (s. d.).
Eurhythmie heißt das richtige Verhältnis das Ebenmaß in der Bewegung, z. B.im Tanze, im Takte der Musik und vorzüglich in den Worten als Sprachtönen, worin eineSprache vor der andern Vorzüge hat. Der Wohlklang der Rede beruht nämlich auf Zeit-und Lautvcrhältnissen, und die dem Ohre gefällige Mischung der nach ihrer Dauer, wie nachihrem Laute verschiedenen Töne in einem sprachlichen Ganzen begründet die Eurhythmiedesselben. (S. Rhythmus.) Sonst nennt man auch Eurhythmie im Allgemeinen dieschöne Übereinstimmung der einzelnen Theile zum Ganzen.
Euripides, einer der vorzüglichsten griech. Tragiker, geb. zu Salamis am 5. Oct.480 v. Ehr., gerade am Tage des berühmten Seesieges, den die Griechen über des lkerxesÜbermacht erkämpften, wurde von seinem Vater Mnesarchus, einem nicht unbemitteltenKrämer oder Schenkwirthe, in Folge der falschen Deutung einer bei der Geburt des Sohnserhaltenen Weissagung, anfangs für die gymnastischen Künste bestimmt, beschäftigte sich so-dann einige Zeit mit der Malerei, wendete sich aber noch als Jüngling unter Änaxagoras,der damals mit großem Beifall in Athen lehrte, mit entschiedener Neigung den philosophi-schen Studien zu, welche auf seine Poesien in der Folgezeit einen so mächtigen Einfluß äußer-ten. Später studirte er auch unter Prodikos die Rhetorik, hörte den Protagoras und knüpfteeinen dauernden Freundschaftsbund mit Sokrates. Des E. Zeit fällt in die Periode der höch-sten Vollendung der griech. Tragödie durch Sophokles; neben diesem wurde er der Lieblingseines Zeitalters, ja seine Tragödien erhielten selbst einige Male den Preis vor denen desSophokles. Allerdings stimmten schon die alten Kritiker nicht immer in dieses öffentlicheUrtheil ein, und Aristophancs, der Keinen verschonte, gab durch beißende Parodien gar oftden Lieblingsdichter dem Spotte preis. „Aristophancs", sagt Jean Paul, „läßt wie einMoses seinen Froschregen auf den E. nur zur Strafe seiner schlaffen und erschlaffenden Sitt-lichkeit fallen, weniger bestochen als Sokrates von dessen Sittensprüchen bei verwaltenderUnsittlichkeit im Ganzen." Von seinen dramatischen Stücken, deren Zahl von Einigen aus7 5, von Andern auf 120 angegeben wird, sind nur l 9 auf uns gekommen, nämlich Alcestis,Medea, Hippolytus, Troades, Helena, Orestes, Andromache, Supplices, Heraklidä, Jon,Der rasende Hercules, Hecuba, Elektra, Phönissä, Jphigenia in Taurien und in Aulis, Bac-chä, Rhesus (wahrscheinlich unecht) und endlich ein Satyrspiel, Cyklops. Über den Werth desE. und seiner Tragödien gibt A. W. Schlegel folgendes Urtheil: „Von wenigen Schrift-stellern läßt sich mit Wahrheit so viel Gutes und Übles sagen. Er war ein unendlich sinn-reicher Kopf, in den mannichfaltigsten Künsten des Geistes gewandt; aber einer Fülle vonglänzenden und liebenswürdigen Eigenschaften stand bei ihm nicht der erhabene Ernst desGemüths, noch die künstlerische Weisheit ordnend vor, die wir an Äschylus und Sophoklesverehren. Er strebt immer nur zu gefallen, gleichviel durch welche Mittel. Darum ist er sichselbst so ungleich; manchmal hat er hinreißend schöne Stellen, andere Male versinkt er inwahre Gemeinheiten. Bei allen seinen Fehlern besitzt er eine bewunderungswürdige Leichtig-keit und einen gewissen einschmeichelnden Reiz." Ein Thcil der Fehler des E. mag freilichseiner Zeit zur Last fallen, die eine Zeit der grübelnden Sophistik, politischer Streitsucht undder Rhetorenkünste war; allein Fehler bleibt es stets, den Fehlern des Zeitalters zu huldigen.Ein Hauptzweck des E. war, Rührung zu erwecken, und namentlich hat er durch seine Werk«