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Mutter war Anna Wortbeck. Er zog von Jugend auf in der Welt umher, namentlich inNiedersachsen und Westfalen, um allen Denen, die mit ihm zusammentrafen, allerlei Streichtzu spielen. Diese Narrenstreiche erzählt in abgerissener Form das bekannte Volksbuch, daswir unter E.'s Namen besitzen. Zufolge eines Leichensteins auf dem Kirchhofe zu Möln,vier Stunden von Lübeck, soll er daselbst 1350 gestorben und begraben worden sein; doch istvon einer Inschrift auf dem Leichensteine nichts mehr zu sehen; man findet darauf noch eineEule und neben ihr einen Spiegel. Da man indcß einen ebenfalls auf ihn bezüglichen Lei-chenstein, der das I. 1301 als sein Todesjahr angibt, zu Damme in Belgien fand, so kamman zu der Vermuthung, daß E. überhaupt eine singirte Person sei; wahrscheinlicher ist in-deß, daß die Grabsteine zwei verschiedenen E. angehörcn, deren einer, der Vater, zu Damme,der andere, der Sohn, zu Möln starb. Erst nach E.'s Tode, wie auch das Volksbuch an-gibt, wurden dessen Narrcnstreiche zusammengestellt, und unstreitig zuerst in plattdeutscherSprache; aus dem Plattdeutschen wurden sie durch den Franciscaner Thom. Murner indas Hochdeutsche übertragen, und dieser Übertragung dann die alten hochdeutschen Ausgabendes Volksbuchs nachgebildet. Die später» Bearbeitungen scheiden sich in eine katholische undeine protestantische. Die älteste bekannte gedruckte Ausgabe ist die hochdeutsche zu Stras-burg (1519, 4.). Die Urtheile der Nachwelt haben nicht blos den ästhetischen sondern auchden sittlichen Werth dieses Buchs angegriffen. Unanständigkeiten sind freilich häufig darinzu finden, sie fallen aber dem Zeitalter zur Last, in welchem es geschrieben worden. Übrigens er-hielt es sich Jahrhunderte als Lieblingsbuch nicht nur des deutschen Volks sondern vieler an-dern; es ist ins Böhmische, Polnische, Italienische, Englische, Holländische, Dänische, Fran-zösische und Lateinische überseht, mehrmals nachgeahmt, unzählige Male bis auf die neuesteZeit herab aufgelegt, mit Anmerkungen herausgegeben und neu eingekleidet worden. Vgl.Neichard, „Bibliothek der Romane" (Bd. 2 und 4), Flögcl, „Geschichte der Hofnarren"und Görres, „Die deutschen Volksbücher". — Ein sehr seltenes Kupferblatt von Lukas vonLeyden hat den Namen Eulenspiegel (l'^spiexle).
Euler (Leonhard), einer der größten Mathematiker, geb. zu Basel am l 5. Apr. >797,erhielt von seinem Vater, Paul, der seit 1708 Prediger zu Riechen war, den ersten Unter-richt in der Wissenschaft, in der er später so Großes leistete. Auf der Universität zu Baselgenoß er den Unterricht Joh. Bernoulli's; Freund war er mit Dan. und Nik. Bernoulli,die ihrem berühmten Vater mit Glück nachstrebten. Im >9. Jahre erhielt E. das Accessitdes Preises, den die pariser Akademie der Wissenschaften auf die beste Abhandlung überdas Bcmasten der Schifft gesetzt hatte. Durch die Bernoulli, die Katharina l. bei derStiftung der Petersburger Akademie berufen hatte, wurde auch E. veranlaßt, nach Pe-tersburg zu gehen, wo er 1730 die Professur der Physik erhielt, die er 1733, als Dan.Bernoulli nach der Schweiz zurückkehrte, mit einer Stelle bei der Akademie vertauschte.Seitdem arbeitete er mit einer Anstrengung im Fache der Mathematik, welche in der ThatBewunderung verdient; denn mehr als die Hälfte der mathematischen Abhandlungen in den46 Quartbänden, welche die Petersburger Akademie von 1727—83 herausgab, sind vonihm, und bei seinem Tode hinterließ er noch über 200 eingedruckte Abhandlungen, welche dieAkademie nach und nach erscheinen ließ. Von der Akademie der Wissenschaften zu Paris,die ihn 1755 zu einem ihrer auswärtigen Mitglieder ernannte, obschvn keine Stelle erledigtwar, wurde ihm zehnmal der Preis zuerkannt; so z. B. 1740 für die Schrift „Irxzuisitiopk^sica in causam Luxus ac reLuxus maris". Im 1.1741 folgte er einem Rufe Friedrichdes Großen an die Akademie der Wissenschaften zu Berlin als Lehrer der mathematischenWissenschaften, kehrte aber 1766 nach Petersburg zurück und starb daselbst am 7. Sept.1783 als Director der mathematischen Classe der Akademie, nachdem er die letzten Jahre invölliger Blindheit zugebracht hatte. Er war von liebenswürdigem Charakter, immer heiterund guter Laune; in Gesellschaft zeichnete er sich durch angenehmen Witz aus. Seine erstePreisschrift über das Bemasten der Schiffe und noch mehr sein Aufenthalt zu Petersburgbestimmten ihn ohne Zweifel, die Mathematik auf die Erbauung und Leitung der Schiffeanzuwenden, und so entstand seine in der franz. Marineschule eingeführte, auch ins Englische,Italienische und Russische übersetzte „Hieorie complete <1e I» construction et <Ie I» ma-uoeuvre äss vaisseaux" (Petersb. 1773). DiewichtigenFragen über das Weltsystem, welche