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5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
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118 Etienne Etikette

serlichen Bibliothek aufbewahrten Lustspiele eines Jesuiten in Rennes, betitelt „6ousxa ouiks gentlreg clnpös", geschöpft und sogar einige Verse daraus entlehnt habe. Das alte Lust-spiel wurde sogar rufgeführt und von E.'s Gegnern zwar mit rauschendem Beifall empfan-gen, doch konnte es sich nicht gegen die Stimme der unbefangenen Mehrheit halten. E-, ob-schon er den rohen Stoff des alten Stücks so veredelt hatte, daß die Bearbeitung sein wür-diges Eigenthum geworden war, fehlte hierbei vorzüglich darin, daß er anfangs die Bekannt-schaft mit seinem Vorbilde leugnete. Ausführlich ist der ganze Streit dargestellt in demWerke „I-o zn-aces ck'6." (3 Bde., Par. > 810— 12). Sein Lustspiel „Il/intrigurmts", dastrotz aller feindseligen Anstrengungen seiner Gegner großen Beifall fand, wurde einiger demHofe misfälligcn Anspielungen halber verboten, weshalb er sich zu einigen Änderungen ver-anlaßt sah. Nach Napoleon's Sturze verlor E. sein Ccnsoramt, das er nach dessen Rückkehrvon Elba wiedcrerhielt. An der Spitze der Abgeordneten des Nationalinstitüts, die demKaiser zur Wiederkehr Glück wünschten, sprach er frcimüthig von den Bürgschaften, welchedie öffentliche Meinung fodertc, und selbst von der Preßfreiheit. Nach der zweiten Rückkehrder Bourbons wurde er wieder außer Thätigkcit gesetzt und durch königliche Verfügung ausdem Nationalinstitute entfernt. Seitdem widmete er sich mit Glück der politischen Schrift-stcllcrei und schrieb in der „blinerve fran^uise" unter dem Titel „bittres sur ksiis" eineebenso anziehende als treue Geschichte der Bewegungen, die von I8IS—2v den Hof unddie Hauptstadt beschäftigten. Unter seinen übrigen Theaterstücken sind die Oper „Lcmdril-lan" (Aschenbrödel), die er mit Nantcuil gemeinschaftlich bearbeitete, und „llocoude" dieberühmtesten. Seine in Gesellschaft mit Martainville hcrausgcgebene „Histoire du tlieätietraurig" (t Bde., Par. 1802) ist einschätzbares, mit Geschmack und Unparteilichkeit ge-schriebencS Werk. Wegen seiner Kenntnisse und Gewandtheit im Reden ward er I82Vund >822 vom Wahlcollegium des Maasdepartemcnts zum Deputirten erwählt; auch1829 wieder in die Akademie gewählt. Im I. 1831 kam er auch wieder in die Kammer,in der er zur gemäßigten Opposition gehörte und wiederholt zum Vicepräsidcnten er-wählt wurde, worauf er 1837 die Pairswürdc erhielt. Von seinem „l'tis'Ltre cllsisi" sindzwei Bände erschienen. — Sein Sohn, Henri E., ist Rath am Rechnungshöfe und Mit-arbeiter am „(^onstituticmllel".

Etienne (Robert und Henri), s. Stephanus.

Etikette nennt man das auf Überlieferung oder Vorschrift sich stützende Ccremoniel,äach welchem die Form des geselligen Umgangs unter den verschiedenen Ständen der bürger-lichen Gesellschaft bestimmt ist. Wenn Adel und Würden in der Welt stets nur die Beloh-nungen des wahren Verdienstes wären, so bedürfte es allerdings keiner besonder» Vorschriftüber die Ehrenbezeigungen, welche Diesem oder Jenem zukommen; allein da sehr oft der Fallcintritt, daß namentlich die erblichen Vorrechte nicht allezeit von Personen besessen werden,die durch ihre moralische und geistige Eigcnthümlichkcit zur freien Anerkennung derselbenzwingen, so fodert die bürgerliche Ordnung, daß Regeln festgcstellt werden, nach welchen sichvcr Geringere gegen den Vornehmer» zu betragen hat. Zu leugnen ist indeß nicht, daß die-jenigen Länder und Völker, bei denen die Etikette in einem hohen Grade und bis in die klein-sten Details herrscht, selten weder zu den freien noch zu den glücklichen gehören, und daß sehrhäufig dieser gemachte Glanz und diese äußerliche Würde der Großen um so sorgfältiger vonihnen in Ehren gehalten wird, je mehr es an der inncrn, wahren Würdigkeit fehlt. Als RomsImperatoren sich mit einem steifen und prunkenden Ceremonicl umgaben, hatten sie schonlängst aufgchort, Herren der Welt zu sein, und der byzantin. Kaiserhof war nie mehr in leerePrunksucht und todtes Formenwesen vertieft, als in der Zeit, wo die Provinzen nicht mehrgehorchten und die Feinde bis unter die Mauern der Hauptstadt schwärmten. Überall hatEtikette damit ihrem Schein eintrctcn müssen, wo die Sache fehlte. Die drückendste Etiketteherrschte von je an den Höfen morgcnländ. Fürsten. Der Herzog Philipp der Gute vonBurgund kann als der Schöpfer der neuern, seitdem die Höfe tyrannisircndcn Etikette be-trachtet werden. Um in den Augen der Menge den größten Fürsten der Christenheit es gleichzu thun, umgab er sich mit einer Menge Diener mrd Hofleute und legte ihnen ein so steifesCcremoniel auf, daß nur später der span. Hof, an welchem die Mauren einst Fröhlichkeit undLust einheimisch gemacht hatten, den seinen darin noch übertraf. Gegenwärtig hat die all-