Druckschrift 
5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
Seite
112
Einzelbild herunterladen
 

112

Estre'es (GaLnelle d')

machte er Mantua den Kaiserlichen streitig, mußte aber endlich capituliren. Dessenungeach-tet erhielt er den Oberbefehl über das Heer in Deutschland und nahm > 632 Trier. Als au-ßerordentlicher Gesandter mußte er dann nochmals nach Rom gehen und blieb daselbst zumVerdruffe des Papstes Urban's VIII. bis zum 1.1638. Als LudwigXIV. den Thron bestieg,wurde er Gouverneur von Jsle-de-France und Soifsons. Er starb am 5. Mai 167». Vonseinen Zeitgenossen wird E. als Weltmann und Krieger, besonders als Verbesserer der Ar-tillerie gerühmt. Auch hinterließ er Memoiren über die Regentschaft der Maria de' Me-dici (Par. 1666). —Jean, Grafd'E-, der Sohn des Vorigen, geb. 1628, machte seineersten Kriegszüge in Flandern und diente > 653 mit Auszeichnung unter Turenne, wofür erGenerallieutenant wurde. Nach einer wehr als zehnjährigen Gefangenschaft ernannte ihn1668 der König zum Befehlshaber der Seetruppen. Als Viceadmiral suchte er die Naub-staaten zu zügeln. Im 1.1672 befehligte er gegen Holland die vereinigte Flotte von Frank-reich und England und schlug den Admiral Nuyter bei Southwood-Bay. Nachdem er denAdmiral Binck geschlagen, entriß er den Holländern 1677 die Insel Tabago- Im I. 1681wurde er dafür zum Marschall und dann 1686 zum Vicekönig der amerik. Colonien er-nannt. Jm Z. 1691 kämpfte er nochmals glücklich gegen die Engländer und erhielt danndas Gouvernement in mehren Provinzen, zuletzt in der Bretagne. Er starb am 19. MaiI7V7. — Sein Bruder, Franc. Annibal, Herzog d'E., Pair und Marschall vonFrankreich, der als Marquis von Coeuvres zuerst in Flandern und Deutschland kämpfteund darauf das Gouvernement verschiedener Provinzen erhielt, starb zu Rom am 30. Sept.1687.— Ein zweiter Bruder war der Cardinal Cäsar d'E., Bischof von Laon, gest. 1713.Ludwig XIV. bediente sich seiner als eines geschickten politischen Unterhändlers. Als derEnkel Ludwig's den span.»Thron bestieg, mußte er bis zum Z. 17V3 das Ministerium über-nehmen. — Ein dritter Bruder, Jean d'E., Erzbischof von Cambray, gest. 1718, wurdevon Ludwig XIV. ebenfalls zu politischen Sendungen in Portugal und Spanien verwendet.— Victor Marie, Herzog d'E., Marschall von Frankreich und Grande von Spa-nien, der Sohn des Grasen Jean d'E-, geb. 166», diente anfangs in der Landarmer, dannunter seinem Vater auf der Flotte und folgte demselben als Admiral und Generallieutenank.Er kämpfte glücklich gegen die Raubstaaten, gegen die Engländer und Holländer, befehligte1693 die Flotte an der span. Küste, nahm 1697 Barcelona und wurde von Philipp V.zum Oberbefehlshaber zur See angenommen. In dieser Eigenschaft leistete er dem neuenMonarchen so große Dienste, daß Ludwig XIV. den Gunstbezeigungen seines Enkels nochden sranz. Marschallstab hinzufügte. Im I. 1703 führte er sehr glücklich die franz. Flottegegen die Verbündeten bei Malaga. Nach dem Tode seines Vaters erhielt er dessen Gou-verneurstellen; 1715 wurde er zum Regentschaftsrath und 1733 zum franz. Minister er-nannt. Er starb am 28. Dec. 1737. — Louis Cäsar Lctellicr, Herzog d'E., Mar-schall und Minister von Frankreich, geb. 1695, war der Sohn Michel Letcllier de Courtan-vaux's und der Marie Anne Catherine d'E., der Tochter des Grafen Jean d'E., Schwe-ster des Vorhergehenden. Er diente zuerst in Spanien unter Berwick, dann als General-lieutenant unter dem Marschall von Sachsen, zeichnete sich bei mehren Gelegenheiten ausund erhielt von Ludwig XV. nebst dem Marschallstab den Oberbefehl über das große Heerin Deutschland. Nachdem er am 26. Juli 1757 bei Hastenbeck über den Herzog von Cum-berland gesiegt, mußte er das Kommando an den Herzog von Richelieu abgeben. Nach derNiederlage bei Minden im I. 1759 wurde ihm der Oberbefehl nochmals übertragen. Mitihm erlosch 1771 das Geschlecht.

Estrees (Gabrielle d'), Herzogin von Beaufort, bekannt als die Geliebte Hein-richs IV. von Frankreich, war die Tochter des Antoine d'Estrees (s. d.) und um 1571 ge-boren. Sie stand im Alter von 2» Jahren, als sie der König auf dem Schlosse ihres Vaters,Coeuvres, kennen lernte und durch ihre Reize gefesselt wurde. In einem Liebesverhältnissemit dem Marschall Bellegarde, ergab sie sich jedoch dem Könige erst, nachdem er Probenseiner aufrichtigsten Zuneigung abgelegt. Ihren Vater zu beruhigen, vermählte sie der Kö-nig mit Domerval von Liancourt, einem Witwer mit 13 Kindern. Indessen wurde dieseEhe wegen angeblicher Unfähigkeit des Gatten bald ausgelöst, denn der König beabsichtigtesich von Margarethe von Valois scheiden zu lassen und seine Geliebte auf den Thron zu he-