Druckschrift 
5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
Seite
107
Einzelbild herunterladen
 

Estampes Este 107

pen ernannt. Als solcher erhielt er 17 78 den Befehl über die aus zwölf Kriegsschiffen undmehren kleinern Fahrzeugen bestehenden Escadres, welche die um ihre Freiheit kämpfen-den Nordamerikaner unterstützen sollte. Obschon er auf dieser Expedition wenig glücklichwar, so wußte doch die öffentliche Meinung in Frankreich seine perionlichc Tapferkeit zuschätzen. Im I. 1783 erhielt er den Oberbefehl über die vereinigten Flotten von Frank-reich und Spanien; der noch in demselben Jahre geschlossene Friede endigte indeß E-'s krie-gerische Laufbahn. Er wendete sich nun der Politik zu und gewann bald die Gunst des Volks.Er wohnte der Versammlung der Notablen bei, wurde mit Beginn der Nationalversamm-lung zum Commandanten der Nationalgarde von Versailles ernannt, zeigte sich aber bei denUnruhen am5.und6.Oct. 1789 so gelind gegen das Volk, daß er seine Stelle verlor. Nichts-destoweniger erschien er später den Revolutionsmännern verdächtig. Unter der Guillotineendete er am 28. Apr. 1794.

Estampes (Anna von Piffeleu, Herzogin von), war die Tochter Anton's von Meu-don, geb. um 1508, und Ehrendamc bei der Herzogin vonAngouleme, der Mutter Franz's I.von Frankreich. Als solche lernte sie der König 1526 bei seiner Rückkehr aus der span. Ge-fangenschaft kennen, und bald wußte sie ihn durch Schönheit, Geist und regen Sinn für Kunstund Wissenschaft dergestalt zu fesseln, daß er ihr die Stelle seiner bisherigen Geliebten, derGräfin von Chateaubriand, einräumte. Bei ihrer Scheinheirath mit Jean de Brosse beschenkteer sie mit der zum Herzogthum erhobenen Grafschaft Estampes. Ihr gewaltiger und an-dauernder Einfluß auf den König wurde für Frankreich bald sehr verderblich, indem sie ausEifersucht gegen Diana von Poitiers, die Geliebte des Dauphin, demselben in der Person desHerzogs von Orleans einen Gegner aufstellte, und so Hof und Staat in zwei Parteien spal-tete. Deshalb suchte sie auch Kaiser Karl V., gegen den sie früher sich feindlich bewiesen hatte,bei seiner Anwesenheit zu Paris im I. 1540 zu aewinnen, und sie war es vorzüglich, welcheden für Frankreich so nachthciligen Frieden zu rrrespy im Z. > 044 zu Ttanoe oracyre. Nachdem Tode Franz's I. im I. 1547 wurde sie auf Anstiften der Diana von Poitiers auf ihreGüter verwiesen. Sie trat nun, weil letztere die Gegenpartei begünstigte, zu den Hugenottenüber und leistete denselben vielen Vorschub, lebte aber übrigens ziemlich geräuschlos bis anihren 1576 erfolgten Tod.

Este ist eins der ältesten und berühmtesten Fürstenhäuser Italiens. Gewöhnlich nimmtman ein früheres und ein späteres Fürstenhaus dieses Namens an. Das letztere beginnt mitOberto's l. Sohn, Oberto ll., dessen Enkel Azo oder Azzo II. von Kaiser Heinrich III.mit Rovigo, Casal-Maggiorc, Pontrcmoli und andern kleinen ital. Landschaften belehntwurde. Durch Azzo's Söhne, WelflV. und Fulco I., spaltete sich das Haus in zwei Haupt-stämme, den deutschen oder welf-cstisch-cn und den ital. oder fulco-cstischen Stamm.Jenen gründete Welf IV., der nach Otto's von Nordhcim, Herzogs von Baiern, Absetzungim I. 1071 von Kaiser Heinrich IV. die Belehnung mit Baiern erhielt. Von ihm stammendurch Heinrich den Stolzen, Herzog von Baiern und Sachsen, und dessen Sohn, Heinrichdem Löwen, die Fürstenhäuser Braunschweig und Hannover ab. Den ital. Stamm dagegen,und somit den der spätem Herzoge von Modena undFcrrara, gründete Fulco l-, gest. 1135.Währenddes 12., 13. und 14. Jahrh. ist die Geschichte der Markgrafen von E., alsHäuptern der Guelfen, mit den Schicksalen der übrigen Hcrrscherfamilien und kleinen Frei-staaten in Oberitalien verflochten; sic erwarben zuerst Ferrara und die Mark Ancona, dannspäter auch noch Modena und Reggio. Zugleich zeichnete sich das Haus E. durch besondereBegünstigung der Gelehrten und Künstler während der Blüte der ital. Literatur aus. SchonNikolaus 11., gest. 1338, erhob seine Residenz zum Sitz der schönen Künste und Wissen-schaften. Höher noch als er steht in dieser Hinsicht Nikolaus III., gest. 1441. Dieserstellte die von seinem Vater Albert gestiftete Universität wieder her, stiftete eine neue zu Parma,zog die ausgezeichnetsten Männer, z. B. Guarini von Verona, den Ahnherrn des bekanntenDichters, und Joh. Aurispa, an seinen Hof und vererbte die Liebe zu den Wissenschaften aufseine Söhne Lionel und Borso. Lionel, gest. 1450, durch Liebenswürdigkeit des Charak-ters, Anmuth des Geistes und Feinheit der Sitten ausgezeichnet, unterstützte Handel undGewerbe, förderte Künste und Wissenschaften, besonders aber das neu erwachte Studium deralten Literatur. Er stand mit allen großen Männern Italiens in Briefwechsel und galt selbst