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1806 zu der Haselmeier'schen Gesellschaft nach Augsburg, hatte jedoch auch hier fortwährendmit häuslichem Mangel zu kämpfen. Nach Auflösung der augsburgcr Bühne ging er aufdas Theater zu Nürnberg und schritt, nachdem er 1806 seine erste Frau durch den Tod ver-loren hatte, zu einer zweiten Verbindung mit der als Schauspielerin vortheilhaft bekanntenElise Müller, in deren Gesellschaft er 1807 Kunstreisen nach Stuttgart, Manheim undFrankfurt unternahm. In Manheim verlebte er mehre glückliche Jahre; dann ging er zudem Hoftheater in Karlsruhe über. Im 1.1814 kam er als Regisseur nach Stuttgart, wodie Gunst des Königs Friedrich ihmein sorgenfreies Leben bereitete, und 1818 nach München,wo er am Hoftheater, dessen erste Zierde er lange Zeit blieb, ebenfalls als Regisseur ange-stcllt wurde. Inzwischen hatte er sich von seiner zweiten Frau scheiden lassen und eine alsKünstlerin wenig ausgezeichnete Demoiselle Ettmaier geheirathet. Später pensionirt und fort-während in seht bedrängten Verhältnissen, besuchte er, der Abnahme seiner körperlichen KräfteTrotz bietend, als Gastspieler fast alle nur einigermaßen namhafte Bühnen Deutschlandsund erwarb sich selbst in seiner trümmerhaften Größe noch überall Beifall und Anerkennung.Auf der letzten dieser Kunstreisen starb er zu Innsbruck, wo er seine theatralische Laufbahnbegonnen hatte, am lO.Nov. 1840. Er kann beinahe als der letzte deutscheHeldcnspicler an-gesehen werden. Hierzu beriefen ihn schon seine Heroengestalt,, sein überaus klangvolles,biegsames, allen Nüancen sich anschmiegendes Organ, sein sprechendes Auge und sein leb-haftes Miencnspiel. Phantasie, warme Empfindung, richtige Declamation und eine mehr in-stinctartige, geniale Auffassung als ein tiefes Studium zeichneten ihn außerdem in denhöhern tragischen Rollen aus. Doch gab er in den Rollen höhern Stils der Kritik mancheGelegenheit zu Ausstellungen, vorzüglich dann, wenn er nicht seinem natürlichen Jnstinctefolgte, sondern seine Rolle von einem außer seiner Natur liegenden Reflexionsstandpunkteauffaßte; auch zog er die Helden, z.B. Wallenstein, immer mehr in eine zu häusliche Sphäreherab. Dagegen war er, selbst nach Tieck's Urtheile, in der Darstellung bürgerlicher, beson-ders Jffland'scher Charaktere, groß, wie keiner neben und nach ihm, und durch die einfachinnigste Wahrheit und Naturtreue seines Spiels hinreißend und ergreifend.
Eßlingen, eine ehemals freie Reichsstadt in Schwaben, im jetzigen Neckarkreis desKönigreichs Würtemberg, in einer sehr angenehmen Gegend am Neckar, hat ungefähr 6000E., ein Pädagogium, ein Hauptschullehrerseminar und mehre interessante Gebäude. Unterdenselben zeichnen sich aus die alte Burg, die Dionysius- und namentlich die Frauenkirchemit einem schönen Thurme und das Rathhaus mit einer merkwürdigen Uhr. Die Einwohnerbeschäftigen sich namentlich mit Obst - und Weinbau und fertigen neuerdings auch viel Cham-pagnex. In der Nähe liegt das Lustschloß Weil, ein ehemaliges Kloster, welches jetzt als Ge-stüte dient. E. erhielt im 1. 1200 Stadtrecht und 1215 Stadtmauern. Als Reichsstadtunter dem Schutze der Grafen von Würtemberg, mit denen es aber sehr häufig in Fehdelag, bestand E. bis zum Reichsdeputationshauptschluß von 1803, zufolge dessen es nebstseinem Gebiete (1°/- OM. mit 10000 E.) als Entschädigung an Würtemberg kam. In E.wurde 1488 der Schwäbische Bund errichtet; auch bestand daselbst bis 1732 eine reichsfreieRitterschule. Viele Turniere wurden in E. gehalten und 1567 und 1571 der Pest wegendie Universität von Tübingen hierher verlegt.
M, 08t, V8t, s- Montefiascone.
Estacade heißt ein Pfahlwerk im Wasser, um die Mündung eines Flusses, den Ein-gang eines Hafens oder überhaupt eine Wasserverbindung zu versperren. Zu den merkwür-digsten Estacaden gehören diejenigen, welche Napoleon im J. 1809 auf der Lobauinsel beiWien in der Donau anlegen ließ, um seine Brücken gegen etwaige von den Östreichern zurZerstörung losgelassene Schwimmkörper und Brander zu schützen.
Estaing (Charl. Hector, Graf von), franz. Gcnerallieutenant, geb. 1729 aus einemalten Adelsgeschlechte auf dem Schlosse Ruvel in der Auvergne, trat mit dem Grade einesObersten in die franz. Armee und ging mit der Escadre des Grafen Ache 1757 nach Ost-indien, um gegen die Engländer zu kämpfen. Hier zeichnete er sich unter den verzweifeltstenUmständen durch Glück und Muth aus, nahm am I4.Dec. 1758 Madras, wurde aber vonden Feinden gefangen und längere Zeit zu Portsmouth in England eingekerkert. Nach demFrieden von 1763, der ihm die Freiheit gab, wurde er zum Generallieutenant der Seetrup-