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5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
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Erziehung

höhere Richtungen waren noch nicht Bcdürfniß geworden oder wurden durch die despotischenStaatsverfassungen und bürgerlichen Einrichtungen im Entstehen unterdrückt. Bei den al-ten Persern (wenn anders die Berichte Herodot's und Lenophon's als ganz zuverlässig an-gesehen werden können) bestand eine sehr ausgcbildete, öffentliche, auf körperliche Kräftigungund Aneignung kriegerischer, aber auch anderer Tugenden gerichtete Erziehung, die aber wolnicht der ganzen Jugend gleichmäßig zugute kam. Unter den Griechen erhielt die Erziehungcincn edler» Charakter, denn wenn auch einige griech. Stämme aller höhcrn Bildung wider-strebten, und die Spartaner über die körperliche Erziehung zu kriegerischen Zwecken nichthinauskamen, so steckte doch bei den Athenern und deren Stannnsverwandten die Erziehungsich edlere Ziele und erreichte eine höhere Stufe. Die griech., insbesondere die athenische Er-ziehung kam vorzugsweise der freigeborcnen Jugend zugute, war öffentlich in bedeutsamer»»Sinne als bei uns, bezog sich gleichmäßig auf Körper und Geist und war gerichtet auf Bil-dung zur Nationalität. Die Sitte dcrAussetznng, die unbeschränkten Rechte des Vaters überdie Kinder, die Überweisung der ersten Pflege an unwissende Ammen und Wärterinnen, derspäter» Leitung an Sklaven zeigen aber, daß selbst in den gebildetsten griech. Staaten dieErziehung ihre wahre Würde noch nicht erlangt hatte. Bei den Römer» trat die National-crziehung zurück und die Familicnerzichung in den Vordergrund, die in den schönsten Zeitender Republik ernst, streng, sittlich war, später aber mehr nach griech. Weise sich »«»bildeteund zuletzt ganz ausartcte. Der neue Geist des Christenthums vermochte anfangs wenigEinfluß auf die Erziehung zu erhalten. Stur einzelne Stände, die Geistlichen und die Ritter,später auch der sich bildende Bürgcrstand genossen während des Mittelalters eine einfacheErziehung, die sich auf Pflege und strenge Zucht, auf die Elemente einzelner Wissenschaftenund auf die Fertigkeit des Lesens, seltener des Schreibens erstreckte. Der größte Theil derVoikSjugend wuchs ohne eigentliche Erziehung heran. Die Erziehung der Geistlichen bestandhauptsächlich in der Anleitung zur Ausübung der kirchlichen Pflichte», die der Ritter in früh-zeitiger Abhärtung, in der Unterweisung in Führung der Waffen und in der Anleitung zurÜbung in ritterlicher Sitte. Die in der zweiten Hälfte des Mittelalters anfblühenden Städteund die im I l>. Jahrh. erfolgende sogenannte Wiederherstellung der Wissenschaften gabenauch der Erziehung eine neue, freiere und vielseitigere Richtung. Während des ganzen Mit-telalters waren Furcht, Strenge und unbedingter Gehorsam das Princip der Erziehung, unddiese trug einen streng religiösen und kirchlichen Charakter, den sie auch bis zur Mitte desvorigen Jahrh. behielt. Um diese Zeit machten sich freiere Ansichten über Erziehung allge-meiner geltend, zuerst in England, dann in Frankreich, zuletzt in Deutschland. Durch dieIdeen Locke'S, Nousseau's und der Philanthropinistcn erhielt die Erziehung einen Um-schwung. Sie wurde mild, nachsichtig, mehr negativ wirkend, de» Neigungen des Kindesschmeichelnd, tändelnd, verzärtelnd, weltlich, auf gemeine Zwecke der Nützlichkeit gerichtet.Der lange unbeachtet gebliebenen körperliche» Erziehung wurde größere Aufmerksamkeitgeschenkt und der Unterricht auf eine bedeutende Höhe getrieben. Mit den Frciheitskäm-pfen der Deutschen gegen den franz. Unterdrücker kam auch wieder mehr Kraft und Ernst indie Erziehung, aber der in der neuesten Zeit wieder erwachte religiöse Sinn hat noch nichtvermocht, die Erziehung auf das rechte Maß und Ziel zurückzuführen. Zu leugnen ist nicht,daß unsere Zeit sich auSzcichnet durch ein allgemeines, reges Interesse für Erziehung, durchdie Verbreitung richtigerer Erziehungsmaximon bis in die untersten Classen der bürgerlichenGesellschaft, durch das Princip der Liebe, welches die Erziehung durchdringt, durch die Ach-tung vor der persönlichen Würde des Kindes, durch die Sorgfalt, womit die vielseitige Ent-wickelung des Körpers und Geistes befördert wird, endlich durch die Wissenschaftlichkeit undGründlichkeit des Hähern Unterrichts. Auf der andern Seite muß aber auch zugestanden wer-den, daß über Erziehung mehr geschrieben als für die Verbesserung derselben durch die Thatgethan wird, das Princip der Liebe gar zu häufig in gefährliche Nachsicht und Schwächeausartct, die Genußsucht, Eitelkeit und der Egoismus der Jugend zu viele Nahrung findet,nach Frühreife zu eifrig gestrebt, der Unterricht oft zu hoch gesteigert und die Bildung des Ge-müths und des religiösen Sinns über dein Streben nach Verstandescultur oft noch vernach-lässigt wird. Ein für die Erziehung der Jugend bestimmter und eingerichteter Ort heißt eineErziehungsanstalt, und wenn dabei hauptsächlich auf den Unterricht gesehen wird,