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5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
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86
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86 Erziehung

desselben auf den Zögling, damkl durch die Erziehungsmittel die beabsichtigten Zwecke auchwirklich erreicht werden. Die Erziehungsweisen, welche in der Wirklichkeit befolgt wurden,sind von jeher sehr verschieden gewesen, nach der Ansicht von der ursprünglichen sittliche«Natur des Menschen, von der Menschenbestimmung und nach der Berücksichtigung der Ei'ziehungsmittcl. Die Erziehung der meisten Menschen erfolgt ohne einen bestimmten, bisins Einzelne festgesetzten Plan, und wenn der Erzieher die rechte Gesinnung und den rechtenTakt hat, so ist dies gar nicht zu beklagen, da bei Befolgung einer bestimmten Erziehungs-Weise die Erziehung leicht zu Einseitigkeit und Verbildung führt. Die despotische Erzic-hungsweise sieht in den Menschen nur Sklaven einiger Herren und will die Jugend vorzugs-weise zu unbedingtem und knechtischem Gehorsam erziehen; die pietistische geht von der An-sicht aus, daß der Mensch von Ngtur böse und verderbt sei, während die philanthropischedenselben als ursprünglich durchaus gut nimmt; die materialistische erzieht den Zögling nurfür die Erde, die idealistische nur für den Himmel; die verzärtelnde wählt nur mit den na-türlichen Neigungen des Kindes übereinstimmende, die ascetische nur auf die himmlische Be-stimmung des Menschen hinweisende Mittel. Diese und andere Erzichungsweiscn sind nie-mals rein, sondern nur in vielfachen Vermischungen miteinander aufgetreten. Die wahreErziehungsweise beruht in dem Geiste des Christenthums (christliche Erziehung) und vcr-bindet Ernst mit Milde, Strenge mit Nachsicht, schließt nur solche Mittel aus, welche mitdem christlichen Geiste in Widerspruch stehen, und erzieht den Zögling in Tugend und Reli-giosität für das Leben und dadurch für die zukünftige Welt; sie übereilt nichts, beschränktsich nicht auf bloße Beförderung der natürlichen Entwickelung, sucht aber auch keine der na-türlichen Anlagen des Zöglings auszurotten; sie knüpft jede neue Einwirkung aus den Zög-ling an das in diesem bereits Vorhandene an, beachtet die Natur der Erziehungsmittel, regtdie Kraft des Zöglings vielseitig zur Selbstthätigkeit an und leitet denselben durch Wahrheitund Tugend zur Liebe zu Gott, dem Erlöser und den Menschen.

Eine bestimmte Richtung für die Gesellschaft, den Stand, den künftigen Beruf in dieErziehung während der ersten zehn Lebensjahre des Zöglings einzumischen, ist nicht zweck-mäßig. Die Vollkommenheit der menschlichen Natur besteht in der größten Harmonie derSeelenkräfte, des Geistes, des Gemüths und des Willens, und in der möglichsten Gesund-heit und Tüchtigkeit des Körper- zu jenen Thatigkeitcn der Seele. Wie„alle diese Kräfte undThätigkciten dem Wesen nach eins sind, so muß auch die Einheit und Übereinstimmung dergesammten Kräfte das Ziel und die Frucht der menschlichen Erziehung sein. Den gutenMenschen bezeichnen Frömmigkeit, Fleiß, Frohsinn. Die Liebe zu der Mutter, zu dem Va-ter, zu Denen, die beider Stelle vertreten, führen zu der Liebe zu Gott und Jesum Christum;Statur und Erzählung bieten den ersten Religionsunterricht für Geist und Gemüth dar.Das Spiel, womit das Kind sich beschäftigt, macht den Übergang zu geregelter Thäligkeit;die Liebe zu dieser ist der Fleiß. Freundliche Umgebung, liebevolle Zusprache und Führungund Gesundheit des Körpers und der Seele lassen die schönste Mitgabe der Kindheit, denFrohsinn, nicht untergehen, ,der auch im spätcrn Alter dem reinen, dem frommen und fleißi-gen Menschen bleibt. Die Übel, welche das menschliche Glück zerstören, sind der Stolz, all-dem Eigensinn, Eigenwille, Sucht nach Unabhängigkeit, Egoismus in all seinen Theilenentsteht, und unbeherrschte Sinnlichkeit, das Verlangen nach dem Verbotenen. Die Heil-mittel sind allein die genannten, innere lautere Frömmigkeit und Fleiß in guten Dingen,beide von der Liebe und dem Vertrauen geleitet. Jede Erziehung, die sich von diesen Grund-sätzen entfernt, wird schädlich. Äußere Frömmelei nach Zwang und strenger Regel, ohneLiebe und Vertrauen, gebiert Heuchelei, geistlichen Stolz, heimliche Sünden, oft Verachtungund Haß de- Heiligen; Vernachlässigung der ftühen Gewöhnung an regelmäßigen Fleiß er-zeugt alle Früchte der Schlaffheit oder der Ungebundenheit; und je mehr man sich von demChristenthume, der großen Mcnschcnerziehung, entfernt hat, desto mehr Spielraum hat mandem Egoismus und der Sinnlichkeit gegeben.

Wie die Erziehung bei den ältesten Völkern beschaffen gewesen, läßt sich jetzt nicht mehrhistorisch ausmachen. Wahrscheinlich aber war ihr KreiS'beschränkt auf die einfachste phy-sische Erziehung (wie noch jetzt bei rohen, uncultivirtcn Völkern) oder auf Brauchbarkeit fürdie gesellschaftlichen Formen und Verhältnisse (wie noch gegenwärtig bei den Chinesen), und