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5 (1845) Entführung bis Gebläse
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Erziehung

sich nicht anzucignen, welche crfvderlich ist, um ein Leben im Lichte seiner Bestimmung zusichren. Da alle Bildung des Menschen nur von innen heraus durch Sclbstthätigkeit erfol-gen kann, so besteht daS Geschäft der Erziehung hauptsächlich darin, den Zögling.auf ange-incssi'ne Art zur Sclbstthätigkeit anzuregcn, weshalb auch nicht mit Unrecht die Erziehungs-kunst häufig Erregungskunst genannt worden ist. Hieraus darf aber nicht geschlossen wer-de», als ließe sich dem Zöglinge von außen gar nichts anbilden, als müsse Alles aus ihm,aus dem Innern seines Geistes entwickelt werden. Ohne daß der Zögling selbstthätig dabeiist, läßt sich ihm freilich von außen nichts anbilden, aber Maximen, die er oft hört, Beispiele,die er täglich vor Augen sicht, werden leicht durch Gewohnheit zu seinem Eigenthume, und erbildet sie nun als solches weiter in sich aus. Hierauf sowie auf der Vernunft und Freiheitberuht die Erzichungsfähigkeit, welche allein dem Menschen ^zukommt, und die Möglichkeitder Erziehung.

Über den Werth der Erziehung gibt es verschiedene Ansichten. Während Manche voneiner Allgewalt der Erziehung reden, behaupten Andere, die Erziehung vermöge nichts. DieWahrheit liegt, wie auch anderwärts, in der Mitte. Die Erziehung vermag viel, aber nichtAlles. Ihr Einfluß wird beschränkt durch die natürlichen Anlagen des Zöglings, durch dieEigenschaften des Erziehers, durch die Verhältnisse und Umstände, unter welchen die Er-ziehung vor sich geht, hauptsächlich durch den allgemeinen Geist der Zeit und der Nation.Die Erziehung nimmt verschiedene Richtungen, und es lassen sich hiernach verschiedene Ar-ten derselben unterscheiden. In Beziehung auf die Art der erziehlichen Thätigkeit ist die Er-ziehung negativ, wenn sic alles der natürlichen Entwickelung und der Selbstbildung Nach-teilige abzuhalten, positiv dagegen, wenn sie dieselben durch zweckmäßige Mittel zu beför-dern sucht. Die Unterscheidung der häuslichen von der öffentlichen Erziehung bezieht sichauf den Ort, wo die Erziehung vor sich geht. In der neuern Zeit ist öffentliche Erziehungmit Schulcrzichung gleichbedeutend, während das Altcrthum eine öffentliche Erziehung imprägnantcrn Sinne deS Worts hatte. Die zwei Hauptrichtungcn der Menschenkraft begrün-den einen andern Unterschied in dem Wesen der Erziehung, nämlich den der physischen undder geistigen Erziehung, und die letztere thcilt man wieder ein in inlellectuelle, welche eS mitdem Erkenntnißvermögen, ästhetische, die es mit dem Gefühl-Vermögen, moralische, welchecs mit dem Begehrungsvcrmögcn zu lhun hat. Rücksichtlich der Verhältnisse des Zöglingsist die Erziehung individuell, wenn sie den Zögling als Individuum, social, wenn sie ihn alsGlied der menschlichen Gesellschaft nimmt. Die individuelle Erziehung kann sein allgemeine,inwiefern sie auf jedes erziehungsfähige menschliche Individuum paßt, besondere, welche nurfür gewisse Classen von menschlichen Individuen geeignet ist (Knaben-, Mädchen-, Blinden-erziehung u. s. w.), und einzelne, welche nur auf ein bestimmtes Individuum bezogen wird.Die sociale Erziehung läßt sich ebenfalls in allgemeine (Nationalerziehung), besondere(Standescrziehung, z. B. Erziehung des Bürgers, des Adels, der Prinzen) und einzelne(Erziehung für einen bestimmten Beruf) cintheilen. Die ganze Erziehungsthätigkeit voll-endet sich in dem Zwecke, den Mitteln und der Methode. Der nächste Zweck der Erziehungist die Selbstbildung des Zöglings; da aber diese wiederum als Zweck die Erreichung derMenschenbestimmung hat, so kann die letztere auch wol als Endzweck der Erziehung ange-sehen werden. Die Bestimmung des Menschen ist keine andere, als in seinem ganzen LebenGott oder, da Jesus Christus das Ebenbild Gottes im Leben am treuesten dargestcllt hat,Jesum Christum ähnlich zu werden. Alle andere Zwecke, welche man der Erziehung sonstwol beilegt, lassen sich entweder auf die genannten zurückführen oder beruhen, wenn diesnicht möglich ist, auf falschen Voraussetzungen. Ihren Endzweck kann die Erziehung abernur dadurch annähernd erreichen, daß sic auch die mannichfaltigen Lebenszwecke, denen derZögling sich hingeben soll, zu erstreben sucht. Die Mittel der Erziehung sind sehr mannich-faltig, lassen sich aber auf drei Classen zurückführcn, nämlich Pflege, welche die natürlicheEntwickelung befördert durch Wartung, Bewahrung und (erziehliche) Heilung; Zucht, d. i.die Gewöhnung des Zöglings noch vor und während der Erlangung der zur Selbstbildungerfodcrlichen Einsicht durch Strafe und Belohnung, Beschäftigung, Beispiel und Übung;endlich Unterricht (s. d.). In der Methode der Erziehung oder der Erziehungswcisc istdie eigentliche Thätigkeit des Erziehers begründet. Sie besteht in der Art der Einwirkung