84 Erzguß Erziehung
und Brennholzhandel. In de» Städten zeigt sich fast durchgehend ein reges Fabrikltbcn,entweder in Baumwollenspinncreicn, wie in Chemnitz (s. d.) und dessen Umgegend, oderin Linnenverarbeitung zu feinen Spitzen, wie in Annaberg und Schnccberg, oder in Holz,drechsele!, wie in den Dörfern Scyffcn, Heidelberg und Heidelbach, oder inBlech- und Eisen-waaren, wie zu Schwarzenberg und in dessen Umgegend. Vor Allem aber wichtig ist derBergbau, der, infünsBergamtsrcvierc, Freiberg (s.d.), Schnccberg, Annaberg, Maricn-berg und Johann-Georgenstadt, getheilt, gegen I20U0 eigentliche Bergleute beschäftigt.(S. Sachsen.) Bei dem Allen aber können die Bewohner des höher» Gebirgs zum Theilkaum ihre tägliche Nahrung, welche fast nur in Kartoffeln besteht, erringen und sind häufigder Hungersnoth prcisgegeben, wenn ein früher Frost die Kartoffelernte vernichtet. Vgl.Hering, „Geschichte des sächs. Hochlands" (2 Bde., Lp;. 1828).
Erzguß. Das Erz in seinen verschiedenen Legirungen galt von jeher als das zu grö-ßern Bildwerken tauglichste Metall, besonders weil es durch das Alter immer schöner wirdund von allen Metallen den schönsten Rost erhält. Im frühen Mittelalter nimmt der Erz-guß eine merkwürdige Mittelstellung ein. Vom 6. bis zum S. Jahrh. wird nämlich kaumeine andere Art Skulpturen erwähnt als getriebenes oder gegossenes Gold und Silber, na-mentlich wurden Altaraufsätze mit Nelieffigurcn gearbeitet. Seitdem aber mit Karl demGroßen daS Bedürfniß nach Skulpturwerken stieg, wurde der Erzguß häufiger, da mit edel»Metallen nicht auszureichen war, und diese glorreiche Epoche des Erzgusscs reicht bis insIS. Jahrh. hinein. Die eigentliche Steinskulptur aber beginnt erst mit dem >2. Jahrh.häufiger zu werden, und vor dem lv. Jahrh. wird man in german. Ländern kaum Bildwerkein Stein Nachweisen können. Offenbar hat auch zum Aufblühen der german. Steinskulpturder Umstand bcigetragcn, daß wiederum das Er; für dm erwachten reichen Kunsttricb nichtausreichte. Zu bedeutendern Kirchenzicrathen, Grabstatuen, Taufbecken u. s. w. blieb indeßder Erzguß fortwährend im Gebrauch und erhielt um I5V0 durch Peter Bischer (s.d.)seine höchste Vollendung. (S. Skulptur.)
Erziehung, in der sinnlichsten Bedeutung als Wartung und Pflege des Körpers,zuweilen auch wol von Pflanzen und Thiercn gebraucht, kann doch im eigentlichen Sinnenur auf den Menschen bezogen werden. Wie die Erziehung auch bei dem Menschen anfangsvorzugsweise die physische Natur in Anspruch nahm, erst später dem Geistigen sich zuwcn-bete und auf dieses nach und nach allseitig einzuwirken suchte, so hat auch der Begriff derErziehung verschiedene Phasen durchlaufen. Namentlich waren es in der neuern Zeit dieverschiedenen philosophischen Schulen und Snsteme, welche immer neue Ansichten über dasWesen der Erziehung hervorbrachten. Die, man darf wol sagen, allgemeine Ansicht der Ge-genwart geht indeß dahin, daß die Erziehung die absichtliche Einwirkung gebildeter Men-schen auf noch ungebildete ist, damit diese in den Stand gesetzt werden, sich selbst zu bilden.(S. Bildung.) Nur durch Selbstbildung kann der Mensch sich befähigen, den Zweckenseines Daseins gemäß zu leben und seine Bestimmung zu erreichen. Er muß aber wegen derSchwäche und Hülflosigkeit, womit er bei seinem Eintritte in die Welt behaftet ist, erst zurSelbstbildung allmälig angeleitet werden durch die Einwirkung anderer Menschen, welchebereits gebildet sind. Hiermit ist der Begriff der Erziehung gegeben. Wenn man früher Er-ziehung im weitern und engern Sinne unterschied, so war diese Unterscheidung ungenau, undman hat sie jetzt mit Recht gänzlich fallen lassen. Unter Erziehung im weitern Sinne ver-stand man übrigens Das, was die Natur und die scheinbar zufälligen Umstände in der Weltzur Bildung des Menschen beitragen, was jedoch nur uneigcntlich Erziehung genannt wer- 'den kann. Erziehung im engsten Sinne nennt man auch sehr häufig alle diejenigen Erzie-hungsthätigkeiten, welche nicht auf Unterricht hinauslaufen, also Wartung, Pflege, Gewöh-nung, und seht dieselbe so dem Unterrichte entgegen. Die Erziehung beginnt mit der Ge-burt, wo nicht vor derselben, tritt allmälig zurück, sowie der Zögling im Stande ist, sichselbst zu bestimmen und zu bilden, und hört bei dem einen früher, bei dem andern später auf,ohne daß sich der Endpunkt derselben irgend genau bestimmen läßt. Wenn die Erziehung zufrüh in den Hintergrund tritt, so kommt der Zögling in Gefahr, leicht auf Abwege zu gero-chen und seine Lebenszwecke und seine Bestimmung zu verfehlen; wenn aber die erziehlicheEinwirkung zu lange fortgesetzt wird, so vermag der Zögling oft diejenige Selbständigkeit