76 Ersch Erscheinung
Hauptanhängern ist Jos. Frank (s. d.) zu nennen. Wenige jedoch nahmen das Brown'scheSystem unverändert an; die meisten faßten nur die Grundidee auf und errichteten auf ihrein neues System, sodaß zu Ende des vorigen und zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhun-derts eine Menge Erregungstheorien erstanden, welche zum größten Theil, wenn nicht schonbei Lebzeiten, doch mit dem Tode ihrer Schöpfer wieder verschwanden. Vgl. Hecker, „DieHeilkunst auf ihren Wegen zur Gewißheit" (3. Aust., Gotha 1818).
Ersch (Joh.Sam.), derBegründer der neuern deutschen Bibliographie, geb. zuGroß-glogau in Niederschlcsien am 23. Juni 1766, zeigte schon auf der Schule entschiedenen Sinnfür Bücherkunde. Diese Neigung wurde zu Halle, wo er sich anfangs zwar der Theologie,sehr bald aber den historischen Wissenschaften widmete, durch die Benutzung der Universitäts-bibliothek noch mehr angeregt und erhielt zunächst durch Meusel's „Gelehrtes Deutschland",an welchem er bald einer der thätigsten Mitarbeiter wurde, die besondere Richtung auf dieneueste Zeit. Nächst dem literarischen Fache wurde durch die nähere Verbindung, in welcheer mit Professor Fabri kam, das geographische sein Lieblingsstudium. Mit Fabri ging er1786 nach Jena, um dort mit demselben die schon in Halle angefangene „Allgemeine poli-tische Zeitung für alle Stände" herauszugeben, welche nachher in Hammerdörfer's Händekam. Letzterer und Fabri vcranlaßten ihn zur fortwährenden Theilnahme an mehren geo-graphisch-statistischen Arbeiten und ermunterten ihn auch zur Herausgabe des „Reperto-rium über die allgemeinen deutschen Journale und andere periodische Sammlungen fürErdbeschreibung, Geschichte und die damit verwandten Wissenschaften" (3 Bde., Lemgo1790 — 92). Durch Fabri wurde er im Schütz'schen Hause eingeführt, und Schütz undGottlieb Hufeland erkannten in ihm den Bibliographen, der zur Ausführung ihrer Idee,ein allgemeines Repertorium der Literatur mit der Allgemeinen Literaturzeitung herauszu-geben, recht eigentlich geschaffen war. In diesem mühevollen Werke (8 Bde., Jena, nachherWeimar 1793 — 1809)vcrzeichncte er die Literatur von drei Quinquennien (1785—1800)und zwar nicht nur sämmtliche während jener Zeit einzeln erschienene Schriften, sondernselbst alle inJournalen und andern periodischen Sammlungen abgedruckte kleinere Abhand-lungen in seltener Vollständigkeit und Genauigkeit und nach einem sorgfältig ausgearbeitetenPlane mit Nachweisung sämmtlicher Recensionen, deren billigende oder misbilligcnde Ur-theile durch besondere Zeichen angegeben wurden. Zugleich beschäftigte ihn der große Ent-wurf eines „Allgemeinen Schriftstellerlexikon der neuern Zeit", den er später darauf be-schränkte, die neueste Literatur der enrop. Nationen einzeln zu behandeln. Behufs dieserArbeit ging er zu großem Vortheil für seine literargeschichtlichen Studien nach Göttingen,wo ihn das Anerbieten eines Hamburger Freundes traf, die Nedaction der „Neuen Hamburger-Zeitung" zu übernehmen, welche er mit Anfang des I. 1795 antrat. Hier war seine Zeit,als Zeitungsschreiber und Mitarbeiter an den Archenholz'schen Zeitschriften, wiederum zwi-schen Bibliographie und Geographie und neuester Geschichte getheilt. In dieser Zeit erschienvon ihm „I.a krunce littersire" (3 Bde., Hamb. 1797—98), dem zwei Supplementbände(1802 und 1806) folgten. Im I. 1800 wurde er nach Jena als Theilnehmer an der „All-gemeinen Literaturzeitung" zurückberufen und erhielt noch in demselben Jahre das dasigeBibliothekariat. Drei Jahre später folgte er einem Rufe als ordentlicher Professor derGeographie und Statistik nach Halle, wo er 1808 auch Obcrbibliothekar wurde. Hier unter-nahm er das „Handbuch der deutschen Literatur seit der Mitte deS 18. Jahrh. bis auf dieneueste Zeit" (4 Bde. in 8 Abthl., Lpz. 1812—>4; 2., von Böckel, Puchelt, Koppe,Schweigger-Seidel, Rese und Geißler besorgte Ausl., Lpz. >822—40) und in Verbindungmir Grubcr die „Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste" (Lpz. >818 fg.,4.). Durch ersteres Werk hat er die neuere deutsche Bibliographie im eigentlichen Sinne desWorts zuerst technisch begründet, und die Vollständigkeit, Genauigkeit, Anordnung undinnere Einrichtung desselben machten cs auf immer zu einem Muster, wie die Literatur einerNation geordnet werden muß; das letztere leitete er bis zu seinem Tode mit Umsicht undThätigkeit. Auch hatte er als Mitredacteur an der halleschen „Allgemeinen Literaturzeitung"vielfachen und wirksamen Antheil. Er starb zu Halle am l 6. Jan. > 828.
Erscheinung im weiter» Sinne nennt man Alles, was in der Reihe der Verände-rungen sich der Wahrnehmung darbietet. Es liegt also diesem Begriffe die Unterscheidung