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nicht i» Frage kommen; denn da Eroberung an sich kein Recht gibt, so kommt auch nur dar-auf etwas an, wie weit die Anerkennung der Bethciligten geht; diese aber hat keine andernGrenzen als die, welche in dem Hähern Zwecke der Staatsverbindung überhaupt gegebensind. Die Eroberung kann sich daher wol auf Staatsgüter und Staatscapitalien erstrecken,und zwar in der doppelten Beziehung, daß die durch Eroberung eingesetzte Regierung darüberverfügen kann, und der Rechtsbestand dieser Verfügung nur von Beobachtung der verfas-sungsmäßigen Formen abhängt; ferner daß der Eroberer Staatsgüter und Capitalien auchvon dem eroberten Lande selbst trennen kann, wie Napoleon sich die Domainen eroberterProvinzen Vorbehalten und von Denen, welchen er die Souverainetät überließ, besonders be-zahlen ließ. Alles dies gilt aber nur insoweit, als Anerkennungen der Betheiligten hinzu-kommen; indeß sind die von dem Eroberer während seines Besitzes getroffenen gesetzlichenEinrichtungen unstreitig für wahre Handlungen der Staatsgewalt zu achten, bis sic durchandere Gesetze wieder aufgehoben worden sind.
Eros, s. Amor und Anteros.
Erotlkcr heißt, der Etymologie nach, jeder Verfasser einer Schrift, die über die Liebehandelt, jeder Schriftsteller, der sich die Liebe zum Stoffe wählt; jedoch belegt man in dergriech. Literatur vorzugsweise die Claffe der Romanschriftsteller und der Verfasser der soge-nannten Milesischcn Märchen mit diesem Namen. Sie gehören sämmtlich den später» Pe-rioden der griech. Literaten an und leiden an sophistischer Spitzfindigkeit und überladenemNedcschmuck, theilweise auch an dem Mangel züchtiger Darstellung. Die vorzüglichste» sindAch illes Tatius (s. d.), Heliodor (s. d.), Longus (s. d.), ikenop hon von Ephe-susss.d.), Chariten (s. d.) und Parthenius (s. d.). Herausgegeben wurden sie vonMitscherlich in den „8c>i;>tolos eiotici j;ruLc." (3 Bde., Zweibr. 1792 — 93s und von Pas-sow in scrij>t»e»in erotion'iini gnsec." (2 Bde., Lpz. 1823 — 33), das aber nur
den Parthenius und st'enophon von Ephesus enthält.
Erotisch nennt man Alles, was auf Liebe Beziehung hat. Erotische Poesie istdemnach so viel als Liebespoesie, eine leichtere lyrische Gattung, die sich mehr zum Spiel alsgtim Ernst neigt, wie z. B. Anakreon's Lieder. Naivetät, die aber freilich leicht in inhaltleereSpielerei ausartet, ist ihr Hauptcharakter. Vieles Treffliche der Art findet sich unter denGedichten des schwäb. Zeitalters und bei den deutschen Dichtern des 17. Jahrh. Auch diemeisten neuern Dichter Deutschlands haben den erotischen Scherz nicht verschmäht. Dochvorzüglich reich an dergleichen Poesien ist die franz. und ital. Literatur.
Erotomanie, seiner griech. Abstammung nach so viel als Liebeswahnsinn, ist eineForm von Gemüthskrankheit, in welcher sich der Geist des Kranken unaufhörlich niit irgendeinem Gegenstände beschäftigt, dem er seine Liebe zugewendet hat. Diese Liebe ist jedoch keinebegehrende, da sie oft Gegenstände betrifft, die keiner Gegenliebe fähig sind, z. B. Statuen.Zuweilen versetzt die Gegenwart des geliebten Gegenstands einen solchen Kranken in Ent-zücken, während ihn die Abwesenheit desselben in Trübsinn versinken läßt; in andern Fällenbemerkt der Kranke die Abwesenheit seiner Gottheit nicht und fährt fort, sich mit ihr zu be-schäftigen, als ob sie gegenwärtig wäre, was jedoch stets in den Grenzen des Anstands bleibt.Die Ursache dieser Krankheit, die fast nur bei jugendlichen Individuen vorkommt, liegt ineinem reizbaren Nervensysteme und einer zuerst willkürlichen fehlerhaften Richtung des Ge-müthslcbens, welches sich der Herrschaft des Verstandes gänzlich entzogen hat. Eine unrich-tig gewählte Lectüre kann viel dazu beitragen. Gewöhnlich beobachtet man diese Krankheit;wenn ein Jüngling oder eine Jungfrau in die Jahre übergetreten sind, in denen die Natureinen innigern Verkehr mit dem andern Geschlcchte sodert, ohne daß sie jedoch für ihr HerzUnd ihre Sinne Befriedigung gefunden haben. In Klöstern, besonders Nonnenklöstern,kommt sie häufig vor. Sie unterscheidet sich von Nymphomanie und Satyriasts dadurch, daßbei ihr keine physischen Aufreizungen stattfinden, und von der rasenden Liebe, dem mnvr ü>-8mms der Alten, daß letztere nur eine Leidenschaft bezeichnet, die sich nicht bezähmt, jedochnoch keine wirklich krankhafte Unfreiheit des Geistes bedingt. Ist die Krankheit rein, so kanndurch klug und passend gewählte Zerstreuungen, z. B. Musik, durch Veränderung des Auf-enthalts und der Lebensart, viel zu ihrer Heilung gethan werden.
Erpenmö (Thomas), eigentlich van Erpen, einer der gelehrtesten Orientalisten,