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Erhard (Zoh. Bcnj.)
deiner zunächst an den damals während des Kriegs in Erfurt bestehende» Militairlazarekthcn Beschäftigung gefunden, wurde crimNov. >813 bei einer in der philosophischen Fa-eultät zu Erfurt cingctrctencn Vacan; zum außerordentlichen Professor gewählt; seine wirk-liche Anstellung konnte indcß bei der damaligen Unsicherheit über da« Fortbestehen der Uni-vcrsität nicht erfolgen, weshalb er 1814 das Amt eines vorstehenden Arztes an dem Prvvin-zial-Militairlazarcthc auf dem Schlosse Rathsfeld unwcitFrankcnhauscn annahm und beimWicdcrausbruche des Kriegs imI. >8l5 als Oberarzt bei dem Hauptfcldlazarcthc des sechs-ten Armcccorps dem Feldzüge nach Frankreich beiwohnte. Nach Erfurt zurückgckchrt, eröff-net«: er im Sommcrscmcstcr 1816 philosophische Vorlesungen, die aber durch die im Nov.desselben Jahrs erfolgte Aufhebung der Universität für immer unterbrochen wurden. Erverließ nun die akademische Laufbahn, gab auch die mcdicinische Praxis auf und übernahmdie ihm Hähern Orts anvertrauten Arbeiten bei der in Erfurt verbliebenen, durch Vereini-gung anderer Bücherschätze beträchtlich vermehrten ehemaligen Universitätsbibliothek. Ansden Grund seiner bei verschiedenen Gelegenheiten dargelegtcn historischen und paläograxhi-schcn Kenntnisse wurde er nun gegen das Ende dcs J. 1821 mit der wissenschaftlichen Bear-beitung des damaligen erfurtcr Rcgicrungsarchivs beauftragt und zum Bibliothekar ernannt,1824 als Archivar zu dem Provinzialarchive in Magdeburg und im Frühjahre 1831 ingleicher Eigenschaft zu dem westsäl. Provinzialarchive in Münster versetzt. Unter seinen zahl-reichen bibliographischen und historischen Schriften heben wir als beachtcnswerth hervor dieProgramme „Oo bidliotkecis Lrlorcliuo, prsesertim bidlintlieca „lüversit-ltis Oo>ne1»,r-ßicu" (8z,ee. I et >1; Erf. 1813 — l -t, 4.), umgearbeitet und fortgesetzt in den „Nachrichtenvon der Boyneburgischen Bibliothek zu Erfurt" in den „Sachs. Provinzialblättern" (1821);seine vielfältige», die Specialgcschichte Thüringens, die Reformations- und Literärgcschichte,die Diplomatik u. s. w. betreffenden Beiträge zu der „Allgemeinen Encyklopädic der Wissen-schaften und Künste", seine „Überlieferungen zur vaterländischen Geschichte alter und neuerZeit" (3 Hefte, Magdeb. 1825—28), die „Geschichte des Aufblühens wissenschaftlicherBil-dung, vornehmlich in Deutschland bis zum Anfänge der Reformation" (3 Bde., Magdeb.1827—32) und die historisch höchst wichtigen Mittheilungen zur „Geschichte der Landfrie-den in Deutschland, vornehmlich des westfäl. Landfriedens im 14. Jahrh. mit besondererRücksicht auf Thüringen" (Erf. 1829, 4.). Außerdem lieferte er in der Schrift „Erfurt undseine Umgebungen, nach seiner Geschichte und seinen gegenwärtigen gesammten Verhältnissendargestellt" (Erf. 1829), in der „Nachricht von den bei Beckum entdeckten alten Gräbern"(Münst. 1836) und in der „Geschichte Münsters, nach den Quellen bearbeitet" (Münst.1837) sehr interessante Beiträge zur Special- und Localgeschichte. Auch die von ihm, Höferund von Medern herausgcgebene „Zeitschrift für Archivkunde, Diplomatik und Geschichte"(2 Bde., Hamb. 1833—36) und die von ihm und dem 1843 verstorbenen DomcapitularMeyer in Paderborn herausgcgebene „Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altcr-thumskunde" (5 Bde., Münst. 1838—43) enthalten sehr schätzcnswerthe Aussätze von ihm.
Erhard (Joh. Benj.), ein durch seinen Lebensgang wie als scharfsinniger Denkergleich merkwürdiger Mann, gcb. zu Nürnberg am 5.Fcbr. 1766, war der Sohn eines armenDrahtziehers, der, als ein großer Liebhaber der Tonkunst und wissenschaftlicher Beschäfti-gung, in dem Sohne gleiche Neigung zu erwecken suchte. In dieser Absicht gab er ihm in derMusik Unterweisung, auch ließ er ihn im Zeichnen, Gravircn, im Lateinischen, Italienischenund Französischen unterrichten. Schon in seinem elften Jahre studirte E. Wolfs philoso-phische und mathematische Schriften; epileptische Zufälle unterbrachen mdeß Jahre langseine Studien. Er übte das Gewerbe seines Vaters, bis er nach dessen Tode 1787 sich ent-schloß, Medicin zu studiren, was er in Würzburg und Jena that, worauf er sich >792 zuAltdorf die mcdicinische Doctorwürde erwarb. Mit den Ansichten der Parteien, die in Folgeder franz. Revolution auch in Deutschland hervortraten, nicht übereinstimmend, und die ari-stokratische um deswillen hassend, was sie wollte, die demokratische aber um deswillen, was siethat, war er entschlossen, nach Nordamerika auszuwandcrn, als 1793 ein Betrüger ihn allerMittel beraubte, seinen Entschluß auszuführcn. In der Abhandlung „Über das Recht desVolks zu einer Revolution" (Jena 1795) verneinte er dieses Recht unter jeder Bedingung.Jm J. 1797 erhielt er in Ansbach unter dem Minister von Hardenberg eine sehr vorthcil-