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58 Erfurt
den Graden (ml j-reulus) genannt, mit einem Denkmale des letzten Kurfürsten von Main;,und der Fischmarkt mit einer Rolandssäule. Unter den 28 theils evangelischen, theils katho-lischen Kirchen sind der mit drei Thürmen versehene Dom, zu welchem eine breite Treppe hin-aufführt, und die dicht neben demselben gelegene Kirche zum heil. Severus die wichtigsten.Der Dom ist besonders in Betreff des Chors, das 1339—83 erbaut wurde, eine der edlerngoth. Kirchen und enthält nächst einem sehr reichen Portal Skulpturen und Erzgüsse vomI I.— 16 . Jahrh., unter Anderm eine Krönung Mariä von Peter Bischer, einen trefflichenKranach u. s. w. Außerdem sind zu erwähnen die Prediger-, die Laurentius-, die Schotten-und die Barfüßcrkirchc mit einem prachtvollen Altar und schönen Grabsteinen ans dem13. Jahrh., welche 1837 zum Thcil einstürzte, seitdem aber restaurirt wurde. AndereSehenswürdigkeiten desselben sind die 275 Ctr. schwere Glocke Maria gloriosa, die 1397ans der >25> beim Brande geschmolzenen Glocke Susanna gegossen wurde, und dasGrabmal des doppelt beweibten Grafen Ernst von Gleichen (s. d.), das früher in dem1813 abgebrannten Bcncdictincrklostcr auf dem Petcrsberge stand. Von den zahlreiche»Klöstern besieht nur noch das Kloster der Ursulincrinncn, das jetzt eine Erziehungsanstalt ist.I» dem ehemaligen durch Luther'S Aufenthalt berühmten Augusiincrkloster, wo noch dessenZelle gezeigt wird, befindet sich gegenwärtig seit 1820 das Martinsstift für arme verwahr-loste Kinder. Die 1378 gestiftete, aber erst 1392 eingewcihte Universität, welche in dem er-sten Jahrhundert ihres Bestehens zu großem Ansehen gelangte, zu Anfänge des l 6. Jahrh.in Folge hartnäckiger Reibungen zwischen den Studenten und der Besatzung, die in argeGe-waltthätigkcitcn ausarteten, von ihrer Blüte schnell herabsank und in der letzten Zeit ihresBestehens oft blos 50 Studenten zählte, wurde 1816 aufgehoben und ihr Fonds andernAnstalten überwiesen. An sie erinnern noch die 1758 gestiftete, jetzt königliche Akademie derWissenschaften, die Bibliothek von etwa 30000 Bänden und 1000 Handschriften, der bota-nische Garten und andere Sammlungen. Gegenwärtig bestehen daselbst ein Gymnasium,ein Schullehrerscminar, eine mathematische Lehranstalt, eine Kunst- und Bauschule, eineHandlungslehranstalt, eine Hebammenschule, eine höhere Bürgerschule und andere Schule»!ferner ein Gcwerbevcrcin, zwei Musikvercine und eine Bibelgesellschaft. Außer dem Mar-tinsstift gibt es auch zwei Waisenhäuser, ein Hospital, zwei Krankenhäuser, eine Anstalt fürAugenkranke und ein Arbeitshaus. Die Zahl der Einwohner beläuft sich, abgesehen von demactivcn Militair, auf 29000, darunter etwa 6000 Katholiken und 100 Juden; zur Zeitihrer Blüte im Mittelalter zählte die Stadt fast an 60000 E. Sie treiben hauptsächlichGartenbau, Kunst- und Handelsgärtnerei und Sämercihandel; die bedeutendsten Fabrikensind in Tuch, Wolle, Baumwolle, Leinen, Schuhe, Band, Strümpfe, Taback, Leder, Essigund Liqueur; auch gibt cs ansehnliche Brauereien und Brennereien. Der Sage nach sollE. zu Anfänge des 5. Jahrh. von einem gewissen Erpes gegründet und nach ihm Erpesfordgenannt worden sein. Vonifacius gründete daselbst um 730 ein Bisthum, das aber bald wie-der einging. Karl der Große erhob E. 805 zu einem der Handelsplätze für die Slawen, wor-auf die Stadt sehr bald an Bedeutung gewann. Im 12. Jahrh. gehörte es zur Hansa. Ob-schon es keine eigentliche freie Reichsstadt war, so behauptete es doch im Mittelalter, trotzder Ansprüche, welche Kurmainz auf die Landeshoheit über E. machte, eine Art von Unab-hängigkeit. Mit Sachsen schloß cs 1383 ein Schutz- und Trutzbündniß, und verpflichtete sichdabei zu einem jährlichen Schutzgelde von l 500 mcißn. Gülden. Erst nach der Mitte des 17.Jahrh. gelang cs Kurmainz, seine Ansprüche auf E. vollkommen geltend zu machen; mitHülfe franz. Kricgsvölker wurde die Stadt 1667 genommen, Sachsen aber verzichtete ausseine Schutzgerechtigkeit. Seitdem blieb E. ein unbestrittenes Besitzthum der Kurfürstenvon Mainz, die es zugleich mit dem Eichsfeld (s. d.) durch Statthalter regieren ließen, bises 1802 nebst diesem als eine Entschädigung für die an Frankreich abgetretenen Provinzenan Preußen kam. Nach der Schlacht bei Jena ging E. durch Capitulation am 16. Oct. > 89Kan die Franzosen über und blieb unmittelbar unter der franz. Regierung, während das Eichs-feld nachher zum Königreiche Westfalen geschlagen wurde. Vom 27. Scpt.—13. Ort. 1808hielt Napoleon daselbst eine Zusammenkunft mit dem Kaiser von Rußland, bei welcher auchdie Könige von Sachsen, Baicrn, Würtembcrg und Westfalen, der Fürst Primas und vieleandere Große erschienen und die größten Festlichkeiten veranstaltet wurden. Im Herbst >813