Erfrieren Erfurt 57
tung dieser allgemeinen Grundlinien kan» ein Patcntgcsctz sich vom Privilegienthume undjeder Personalrücksicht frei halten. Trotz vieler die praktische Ausführung erschwerenden Son-derbarkeiten der Form nahem sich die engl, und die ihr fast gleiche nordamerik., sowie die östr.,ferner die bair. und würtcmbcrg. Patentgesctzgebung am «leisten der entwickelten Idee, wäh-rend sich da- preuß. Gesetz sehr weit davon entfernt. In der Thal ist auch der praktische Nutzender Patente nirgend so deutlich hcrvorgetrcten als in England und Ostreich.
Erfrieren. Wenn ein heftiger Grad von Kälte anhaltend auf den Körper wirkt, sowird diesem die nöthige Wärme entzogen, das Blut von der Oberfläche nach den innern Or-ganen getrieben, die Feuchtigkeit an der Oberfläche in Eis verwandelt und so ein Scheintodherbeigeführt, der nach längerer oder kürzerer Zeit, wenn keine Hülfe kommt, in wirklichenTod übergeht. Um einen solchen Scheintodtcn wieder in das Leben zurückzurufen, würdeman eine ganz falsche Behandlung wählen, ivenn man ihn schnell erwärmte. Die erstarrteOberfläche würde schnell aufthaucn und des organischen Lebens beraubt den Gesehen der an-organischen Natur anheimfallen, sich durch einen chemischen Proceß in ihre Elemente auf-lösen, also vom Brande ergriffen werden und so der Erfrorene vielleicht der einen Todesartentgehen, um einer traurigem zu verfallen. Ein erfrorener Köper muß vorsichtig, damit keinGlied zerbricht, an einen Ort, der vor dem Wind geschützt ist, gebracht werden. Hier entklei-det und bedeckt man ihn bis auf den Mund und die Nasenlöcher mit Schnee, erseht den ab-laufendcn so lange mit frischem, bis die Haut aufthaut und so das erste Zeichen des wicdcr-kehrcnden Lebens erscheint. Erst wenn sich Beweglichkeit der Glieder und Lebenswärme aufder Haut einstellt, entfernt man den Schnee ganz und beginnt mit kalten Tüchern zu frotti-rcn. Hat dieses die erwünschte Wirkung, so kann man allmälig die Temperatur des Orts er-höhen und die übrigen Belebungsversuche beim S ch e i n t o d (s. d.) eintreten lassen. Die besteSicherheit gegen das Erfrieren gewährt starke Leibesbcwcgung; spirituösc Getränke beför-dern nur durch früher herbeigeführte Ermattung die Schlafsucht, welche besonders Fußgän-gern bei hohem Schnee so verderblich ist. Vgl. Bernt, „Vorlesungen über Nettungsmittelbeim Scheintod«" (2. Aufl., Wien >837). Auch bei der Behandlung einzelner erfrorenerGlieder ist die nämliche Vorsicht anzuwenden und oft beklagen Menschen den gänzlichen Ver-lust von Gliedern, die durch frühere Vorsicht erhalten, ja ganz der Gesundheit hätten wieder-gcgeben werden können. Schnee und eiskalte Wasscrumschläge sind auch hier die besten undvor allen Dingen nöthigen Mittel.
Erfrischungsinseln, früher auch die Inseln des Tristan d'Acunh a genannt,nach dem portug. Entdecker derselben, heißen drei kleine Inseln !m südlichen AtlantischenOcean, zwischen Afrika und Südamerika, westlich vom Vorgebirge der guten Hoffnung.Die größte unter ihnen, vorzugsweise die Erfrischungsinsel genannt, hat vortrefflichesWasser und zwei gute Häfen und ist reich an Vögeln, Scethieren, wilden Ziegen undSchweinen. Die beiden andern heißen Lowell und Pintades, früher Islo lies rossignols undI'lnaccessible. Als dieselben 1810 der amerik. Küstenfahrer, Jonathan Lambert aus Salem,von neuem entdeckte, machte er in einem Manifeste vom 4. Fcbr. 1811, welches sein ersterMinister, Andre Millet, ebenfalls ein amerik. Seemann, unterzeichnet hatte, allen Nationenbekannt, daß er souveraincr Besitzer der Erfrischungsinseln sei; doch schon 1813 verließ ersie wieder. Im I. 1815 wurde sie von der engl. Regierung besetzt, um den Aufenthalt Na-poleon's auf Sancl-Helcna zu überwachen. Als dieser Posten nach Napoleon's Tode wiederzurückberufen wurde, blieben nur wenige Familien daselbst zurück, die unter patriarchalischerLeitung leben. Vgl. Earle, „Narrative «5 kl nine montbs rssitlence in k>levv-2e!lliiiiel in1827 toAotlier vvitli n journal ok u re8iilence in IHstan ll'^ciinlin" (Lond. 1832).
Erfurt (krtorelia), die Hauptstadt des Landes Thüringen und des gleichnamigenRegierungsbezirks der preuß. Provinz Sachsen, an der Gera und in dem Vorlande des Thü-ringerwaldgebirgs gelegen, war schon früher stark befestigt und ist seit 1814 eine Festung erstenRangs. Sie hat im Westen zwei Citadellen, den Petcrsberg, dicht an der Stadt auf einerAnhöhe, und die noch höher gelegene Cyriaksburg, ehemals ein Kloster, getrennt von derStadt. Der innere Umfang der Stadt steht mit dem Anbau und der Bevölkerung in keinemVerhältnisse, da der südwestliche Theil, fast ganz unbebaut, nur aus Gärten besteht. Unterde» öffentlichen Plätzen sind zu erwähnen der Fricdrich-WilhelmS-Plah am Dom, sonst vor