48 Erde
durch sie verfinstert wird, die ungleichen Tageszeiten, in denen gleichzeitige himmlische Erschei-nungen in verschiedenen Gegenden der Erde wahrgenommcn werden, endlich insbesondere dieReisen um die Welt, die seit 1519 in zahlloser Menge ansgeführt worden sind. Das Be-denken, das man aus den Begriffen von oben und unten herleitcn könnte, die bei einer kugel-förmigen Erde auf verschiedene Stellen ihrer Oberstächen allerdings sehr verschieden, ans-fallen müssen, sodaß cs auf dem unser,» Wohnorte gerade entgegengesetzten Punkte der ErdeMenschen geben muß, deren Füße nach derselben Richtung gekehrt sind, wie unsere Köpfe(s. Gegenfüßler), erledigt sich sofort, wenn man erwägt, daß für jeden Punkt der Erd-oberfläche die Richtung nach der Erde (genauer die nach ihrem Mittelpunkte) als unten, dieentgegengesetzte Richtung aber als oben betrachtet werden muß. Strcnggenommcn ist es je-doch nicht ganz richtig, daß die Erde eine Kugel ist; sie ist vielmehr an zwei entgegengesetztenPunkten, den beiden Polen, eingedrückt und abgeplattet, wie sich lheils aus Breitengrad»,essun-gen, thcils aus Pendclbeobachtungen ergibt. Die erster» lehren, daß die Meridian - oder Brei-tengrade nicht überall auf der ganzen Erde von gleicher Länge sind, wie cs der Fall sein müßte,wenn die Erde eine genaue Kugel wäre, sondern vom Äquator „ach den Polen zunchmcn, wasauf eine an den Polen stattsindende A bplattung schließen läßt. Die Pendclbeobachtungen lehren,daß ein Pendel von einer gewissen Länge nicht überall gleich schnell schwingt, sondern nach den,Äquator zu langsamer, als nach den Polen zu, oder daß ein Pendel von einer gewissen vor-geschriebenen Schwingungszeit, z. B. einer Secunde, »ach dem Äquator zu verkürzt werdenmuß, was aufcine nach dem Äquator zu abnehmende Schwerkraft schließen läßt. Dieser letztereUmstand hat freilich noch einen andern Grund, nämlich die Schwungkraft, welche durch dieAchsendrehung der Erde hcrvorgcbracht wird und der Schwerkraft entgcgcnwirkt, sie also ver-mindert. Da nun die Geschwindigkeit, mit welcher sich die einzelnen Punkte der Erde umdrchc»,oder der Kreis, welchen jeder derselben in Folge der Umwälzung der Erde beschreibt, unterdem Äquator am größten ist, nach den Polen zu aber allmälig abnimmt, zugleich auch dieSchwungkraft unter dem Äquator der Schwerkraft gerade entgegengesetzt ist, in den übrigenGegenden der Erde mit ihr einen ihre Wirkung schwächenden Winkel bildet und unter denPolen ganz verschwindet, so muß die Schwerkraft unter de», Äquator die größte, unter denPolen aber gar keine Verminderung erleiden oder dort am kleinsten, hier am größten sein.Indessen reicht dies immer nicht hin, um die beobachtete Abnahme der Schwere zu erklären,da, wie die Pendclbeobachtungen ergeben, die Schwerkraft von den Polen nach dem Äqua-tor um ihren > 9-1. Theil abnimmt und doch die Schwungkraft unter dem Äquator nur der289. Theil der Schwerkraft ist. Dieser Unterschied (etwa'/->,») läßt sich aber vollkommendaraus erklären, daß die Erde keine Kugel sondern ein an den Polen abgeplattetes Sphäroidist, daß daher schon deshalb, und ganz abgesehen von der Schwungkraft, die Schwerkraftunter den Polen am größten, unter dem Äquator am kleinsten sein muß, weil jene Gegendendem Mittelpunkte der Erde, von welchem die Anziehung der Erde, die Ursache der Schwer-kraft, ausgeht, oder in welchem sie vielmehr concentrirt gedacht werden kann, am nächsten,diese am weitesten von demselben entfernt sind. Aus den zehn zuverlässigsten Gradmcs-su ngen (s. d.) berechnet Befiel die Abplattung der Erde zu beinahe Die Gradmcs-sungen geben aber nicht nur über die Gestalt sondern auch über die Größe der Erde Auf-schluß. Nach der Rechnung Besscl's folgt au§ den gedachten Gradmeffungen, daß die großeAchse der Erde, der Durchmesser des Äquators, 6,5-1-i 154s/, Toisen, die kleine Achse oderdie eigentliche Erdachse, der kleinste Erddurchmesser, welcher die beiden Pole verbindet,6,522278s/l> Toisen beträgt, eine Toisc 6 Par. F. Drückt man die Größe der Erde ingeographischen oder deutschen Meilen aus und versteht darunter solche, von denen 15 aufeinen Grad des Äquators gehen, so kommen auf den ganzen Umfang des Äquators 5409,auf den Durchmesser des Äquators 1718s/«, auf die Erdachse 1713 M. (jede Meile zu22843^ par. oder 23643 rheinl.F.). Die Oberfläche der Erde beträgt ungefähr 9'/» Mill.OM., der Inhalt derselben 2650s/, Mill. Cubikmeilcn. -
Betrachten wir die Erde als Bestandtheil des Sonnensystems, so lehrt d-ie Astronomie,daß sie sich nebst zehn andern Planeten von Westen nach Osten um die Sonne bewegt undvon derselben als ein an sich dunkler Körper Licht und Wärme erhält. Freilich ist dies mitunserer sinnlichen Wahrnehmung in Widerspruch, zufolge welcher die Sonne um die Erde