Druckschrift 
5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

Erdbohrer Erde 47

wie alle Früchte im Norden, mit Mäßigkeit genossen werden, obgleich Sinne erzählt, daß er sichdurch Genuß großer Mengen von Walderdbeeren von einem qualvollen Podagra befreit habe.

Erdbohrer. Man bedient sich dieses Instruments zu Erkennung der Beschaffenheitdes Erdreichs in großem Tiefen, namentlich um die verschiedenen Schichten desselben undderen Mächtigkeit kennen zu lernen, wie z. B. bei Steinkohlenlagern, Steinsalzlagcrn, Salz-quellen und überhaupt zum Ausstichen des Wassers. Der Haupttheil des Erdbohrers ist dieBohrstange, welche, sobald cs sich um große Tiefen handelt, aus mehren Stücken zusammen-gesetzt wird und dann Gestänge heißt. In, letztem Falle wird sie für die Handhabung zuschwer und mit einem Hebezeuge auf- und niederbewegt. Das Bohrstück, der untere Ansatzder Bohrstange ist nach den verschiedenen Erdschichten, welche durchsunken werden sollen,auch verschieden geformt, aber stets so, daß es die ausgebohrten Substanzen mit heraufbringt,wenn der Bohrer gehoben wird. Für weiche Schichten ist es ein hohler Cylinder mit einerunten fast horizontal liegenden Schneide, für Gesteine wirkt es, in Form eines Steinmeiselsoder Stcinbohrcrs schlagend, u. s. w. In der neuesten Zeit hat der Erdbohrer eine sehr aus-gedehnte Anwendung bei den Artesischen Brunnen (s. d.) gefunden, und wir erinnernhier an das Bohrloch des Brunnens von Grenelle, das 1686 F. tief ist, und an das 2V0S F.tiefe Bohrloch zu Ncusalzwerk bei Preußisch-Minden. Vgl. Seltmann,Vom Erd - undBergbohrer" (Lpz. >823).

Erdbrand. Schon so lange als man überhaupt Steinkohlen aus der Erde fördert,kennt man Beispiele von in Brand gerathenen und lange Zeit, ja Jahrhunderte lang unterder Erde fortbrennenden Kohlenflötzen. Die Ursache eines solchen Brands kann vielleicht,wo das Kohlenflöh zu Tage ausgeht, ein wirkliches Anzünden durch Meiler u. s. w. gewesensein, in den meisten Fällen wird man sie in der durch Zersetzung der Schwefelkiese entstehen-den Erhitzung suchen müssen, welche eine Selbstentzündung bewirkt, sobald der Luft aufirgendeine Art Zutritt verschafft wird. Einmal entzündet brennt ei» Kohlenflötz lange fort und nurdurch sorgfältigen Verschluß aller Zugänge (Verdämmung) und Vermeidung jeder Bauar-bciten in zu großer Nähe läßt sich vielleicht der Brand löschen. Durch eine» solchen Brandentstehen, abgesehen von dem großen Verluste an Kohlen und von den Gefahren, denen dieBergarbeiter besonders durch die sich entwickelnden Gase (brandige Wetter) ausgesetztsind, interessante Veränderungen. Die naheliegenden Gesteinschichten werden umgeändert,der Kohlenschiefer in Porzcllanjaspis u. s. w. verändert; da durch das Verbrennen der Kohleein leerer Raum entsteht, bilden sich Nisse und Einstürze, die an der Oberfläche bemerkbarsind; wo die Schichten zu Tage ausgehen, entwickeln sich Rauch und Dämpfe, zuweilen selbstFlammen, und Salmiak und andere Sublimate setzen sich ab. Ist der Brand nahe unterder Oberfläche, so erlangt der Boden eine Wärme, die sich zur Treibgärtnerci benutzen läßt,z. B. in Planitz bei Zwickau, in Staffordshire u. s. w. Außerdem sind Erdbrände bei Dutt-weiler. in Schlesien, bei Jdria, kurz fast überall beobachtet worden, wo Steinkohlenlager sind.

Erde. Was zunächst die Gestalt der Erde betrifft, so erscheint sic dem nach allen Rich-tungen frei um sich blickenden Beobachter als eine flache, kreisförmige Scheibe, auf derenRande das Himmelsgewölbe gleichsam zu ruhen scheint. Demgemäß wurde die Erde imAlterthum, selbst von den sonst so gebildeten Griechen und ihren Philosophen, lange für eineauf dem Wasser schwimmende Scheibe gehalten. Allein viele Erscheinungen, die Unsichtbar-keit nicht hoher Gegenstände in mäßiger Entfernung, die Vertiefung entfernter hoher Bergeu. s. w., widersprachen bald dieser beschränkten, nur dem ersten Anschein entnommenen undentsprechenden Vorstellung, und schon im Alterthume ahneten Einzelne, zuerst wol Eudoxus,nach ihm Aristoteles, die Kugelgestalt der Erde, durch welche allein alle sich darbictende Er-scheinungen hinreichend erklärt werden können. Nur die Kugelgestalt der Erde macht erklär-lich, daß die Erde von jedem beliebige» Standpunkte aus rund erscheint, daß sich aber derGesichtskreis in demselben Maße erweitert, in welchem wir unser» Standpunkt höher neh-men; daß wir ferner die Spitzen und Gipfel von Thürmen, Bergen, Schiffen u. s. w. ausder Ferne eher erblicken als den Fuß oder die untern Thcile derselben. Außer diesen Bewei-sen für die Kugelgestalt der Erde gibt es noch zahlreiche andere; dahin gehören das allmäligeSichtbarwerden neuer, vorher unsichtbarer Gestirne, sobald man sich von den Polen herkommend dem Äquator nähert, der runde Schatten der Erde auf dem Mond», sobald dieser