ErbzinS Erdapfel 45
Erbvertrage kommen vor als Familienverträge, in Verbindung mit Ehcpactcn, als Leibren-ten- und Alimentationsverträge. Sie müssen nach den Gesetzen mehrer Länder obrigkeitlichbestätigt werden, und eine wahre Bestellung zum Erbfolger, nicht das bloße Versprechen, einTestament errichten oder nicht abändcrn zu wollen, enthalten. In der Regel behält dabei derBesitzer die Disposition, sogar das Veräußcrungsrecht über die Bestandthcile seines Vermö-gens; nur in seine Verlassenschaft tritt der Vertragserbe sogleich ein, ohne eine besondereAntretung nöthig zu haben.
Erbzills heißt eine jährliche bestimmte Abgabe, in Geld oder Naturalien bestehend,welche entweder auf,ein mit Eigenthumsrecht übertragenes Grundstück gelegt (consnsreser-vativns) oder gegen Überlassung eines Capitals „für ewige Zeiten" von einem Grundstückeversprochen ist (census cnnstitutivus). Erbzinsgüter sind daher diejenigen, welche einersolchen Reallast unterworfen sind. Bei ihnen wird Eigenthum des Bebauers vorausgesetzt,wenn es gleich nicht ein vollständiges zu sein braucht.
Ercilla y Zuiliga (Don Alonso de), geb. zu Madrid am 7. Aug. 1533, der dritteSohn eines span. Rechtsgelchrten, Fortunio Garcia, ererbte von seiner Mutter, welche nachdem frühen Tode ihres Gatten mit ihrem Sohne an den Hof der Kaiserin Jsabclla, Gemah-lin Karl's V., kam, den Namen Zuniga. Er wurde Page bei dem Jnfanten Don Philippund begleitete diesen auf seiner Reise durch die Niederlande und einige Thcile Deutschlandsund Italiens und >553 zu dessen Vermählungsfeier mit der Königin Maria nach England.Als bald nachher, um den Aufruhr der Araucos (s. d.) an der Küste von Chile zu däm-pfen, ein Heer nach Amerika gesandt wurde, nahm E. Theil an dem Zuge. Die Schwierig-keiten, mit denen die Spanier zu kämpfen hatten, der Heldenmuth, mit welchem die Arau-cancr den ungleichen Kampf bestanden, und die Menge großer Thaten, welche diesen Kriegauszcichneten, begeisterten den jungen und tapfer» E. zu dem Gedanken, ihn zum Gegen-stände eines Epos zu machen. An Ort und Stelle begann er das Gedicht um etwa > 558,und Stücke Leder mußten ihm bisweilen den Mangel an Papier ersetzen. Falscher Verdacht,einen Aufruhr gestiftet zu haben, verwickelte ihn in eine peinliche Untersuchung. Schon stander auf dem Blutgerüste, als seine Unschuld erkannt wurde. Tiefgckränkt ging erhicraufnachSpanien zurück und machte eine Reise durch Frankreich, Italien, Deutschland, Böhmen undUngarn. Nach seiner Rückkehr vermählte er sich I57V in Madrid mit Maria Bazan, derenReize und Tugenden er in mehren Stellen seines Gedichts erhebt. Im I. >571 wurde erzwar zum Ritter von Santiago ernannt und diente einige Zeit als Kammerherr beim KaiserRudolf II.; doch kehrte er >580 wieder nach Madrid zurück, wo er sich umsonst bemühte,für seine militairischcn und literarischen Verdienste eine angemessene Belohnung oder dochnur ein sorgenfreies Auskommen zu erhalten; er starb in großer Zurückgezogenheit und Ar-muth in Madrid. Zeit und Umstände seines Todes sind ungewiß; doch muß er »och vor1595 erfolgt sein, da in diesem Jahre seine Gemahlin bereits als Witwe in ihrem Hause zuVilla de Ocana ein Karmeliterinnenkloster stiftete, in welchem auch beide Gatten begrabensind. Er hinterließ keine ehelichen Kinder, aber zwei natürliche Söhne. Sein historisch-epi-sches Gedicht in Oktaven „I-»^r»»er>nie" ist, einzelne Episoden abgerechnet, eine treue Schil-derung der Begebenheiten. Cervantes setzt es in seinem „von Huixote" den besten Epopöender Italiener an die Seite. Jedenfalls theilt es vor allen sogenannten moderne» Heldenge-dichten mit den „Lusiaden" den Vorzug wahrer Objektivität und daher echt epischen Geistes;auch ist es von Seite der Sprache klassisch. Die erste Abtheilung ist die frischeste, denn diesebrachte er fertig nach Europa mit, wo sie zuerst allein (Madr. 1569) erschien; neun Jahredarnach (1578) erschien erst die zweite Abthcilung, in welcher E. durch angebrachte Episodenschon mehr dem Zeitgeschmäcke huldigte, welches noch mehr der Fall in der dritten war, diemit den beiden früher» zuerst 1599 gedruckt wurde. Unter den vielen in und außerhalb Spa-niens veranstalteten Wicderabdrücken des Gedichts ist der eleganteste der bei Sancha erschie-nene (2 Bde., Madr. >776), und der korrekteste derbe! Burgos (2 Bde., Madr. 1628). Fort-gesetzt wurde dasselbe von Do» Diego Santistevan Osorio aus Leon (Salamanca 1597)und mit den Fortsetzungen zusammen gedruckt zu Madrid (1733, Fol.). Eine deutsche Über-setzung besorgte Winterling (2 Bde., Nürnb. 1831).
Erdapfel (velinntlms tuberosns), nicht zu verwechseln milder Kartoffel (s. d.),