Erbfolgekrieg 67
Philipp's Gewalt blieb und der Papst ClemensXl.genöthigt wurde, Karl Ul. als König voySpanien anzucrkenncn. Nicht minder glücklich kämpfte Marlborough in den Niederlanden.Er gewann zuerst bei dem Dorfe Namillics, südlich unter Löwen, am 23. Mai 1706 überden franz. Marschall Villeroi und den Herzog von Bourgogne einen Sieg, durch den dieFranzosen über 20000 M. und die wichtigsten Örter in Brabant und Flandern verloren,einen zweiten bei Oudenarde am > I. Juli 17 U8 über Vcndomc, in Folge dessen Gent, Brügge,Lille u. s. w. in seine Hand fielen, und als im I. 1700 ein neues Heer unter dem MarschallMllars ihm entgegengerückt war, erfocht er im Verein mit Eugen, nach der Einnahme vonTournay, einen dritten Sieg in der Schlacht bei Malplaquet am l 1. Sept. 17 VS, der denbeiderseitigen Armeen auf-10000 M. kostete. Nur wenig nützte dagegen das Kriegsglückden Franzosen in Spanien selbst. Dort war Karl, von Engländern und Holländern unter-stützt, 1706 von Portugal aus in Spanien, welches gleich anfangs dem 1701 von Lud-wig XIV. zu ihm gesendeten Philipp V. sich unterworfen hatte, eingedrnngen, hatte den größ-ten Thcil des Landes, darunter auch die Städte Barcelona und Madrid erobert, die Kata-lonier auf seine Seite gezogen und sich am 2. Juli 1706 zu Madrid als König Karl lll. aus-rufcn lassen. Allein die Kraft und der Nachdruck, mit welchem die Franzosen besonders seitdem Verluste von Italien hier den Krieg zu führen im Stande waren, verschaffte ihnen beiKarl's Saumseligkeit bald wieder das Übergewicht. Madrid fiel in ihre Hände, in derSchlacht bei Almanza 17 07 wurde Karl geschlagen, hierauf Aragonicn und Valencia un-terworfen und der Erzherzog auf die Behauptung von Barcelona beschränkt. Nur Mangelan Geld und an den nötigsten Bedürfnissen setzte im nächsten Jahre, als Stanhope undStahremberg an die Spitze der Kricgsführung der Verbündeten in Spanien gestellt wur-den, den weitern Fortschritten der Franzosen ein Ziel. Unter diesen Umständen bat Lud-wig XIV., aufs äußerste erschöpft, um Frieden. Sowol in den Fricdensunterhandlungenim Haag vom Marz bis Mai 1700, als später zu Gcrtruidcnburg vom April bis Juli 1710erklärte er sich zur Verzichtlcistung auf Spanien und zu andern großen Opfern bereit; alsman aber die Fodcrungen an ihn immer hohersspännft und sulcht gar von ihm verlangte, ersolle seinen Enkel mit seinen eigenen Truppen aus Spanien vertreiben helfen, da brach er dieVerhandlungen ab und begann den Kampf aufs neue. Auch jetzt wieder führte Ludwig an-fangs den Krieg mit demselben ungünstigen Erfolg wie früher. Eugen und Marlboroughdrangen am Oberrhein siegreich vor» nahmen die Linien des Feindes und eroberten Douay,Aire und Bethune, Stahremberg und Stanhope in Spanien schlugen Philipp bei Alme-nara und beiTocalva am 10. Aug. 1710 und setzten Karl in den Besitz Aragvniens undKastiliens, aus dem ihn jedoch der nach Spanien zu Hülfe gesendete Vcndome durch dasglückliche Treffen bei Brihucga und das zweifelhafte bei Villavicivsa zum Theil wieder ver-trieb. Unerwartet jedoch traten für Ludwig mit einem Male günstigere Zcitumständc ein.Marlborough siel zu London bei der Königin Anna in Ungnade, die Tories kamen ins Mini-sterium und zeigten sich geneigt, mit Frankreich einseitig einen Frieden einzugehcn. Da nunüberdies Kaiser Joseph um diese Zeit ohne männliche Nachkommen gestorben war, sodaß alleseine Kronen seinem einzigen Bruder Karl, dem bisherigen König von Spanien, zusielen,fürchteten selbst Ostreichs Bundesgenossen das allzu große Übergewicht diescvMacht. Dem-nach wurden nach den bereits seit 17 lI zwischen England und Frankreich insgeheim gepflo-genen Friedensunterhandlungen, während welcher Zeit England den Krieg zum Schein sorr-setzte, 1712 ein Waffenstillstand und Friedenspräliminarien abgeschlossen, die zunächst zudem am l l.Apr. 1713 zwischen Frankreich einerseits und England, Holland, Portugal,Preußen und Savoyen andererseits abgeschlossenen Frieden zu Utrecht führten. Der Kaiser,zu schwach, um allein der Gesammtmacht der Franzosen gewachsen zu sein, welche sic von an-dern Feinden frei, gegen ihn wendeten, zeigte sich endlich, nach den mannichfach unglücklichenKriegsoperationen des neuen Feldzugs und dem Verluste der wichtigsten Städte am Rhein,gleichfalls zum Frieden geneigt, der für ihn zu Nastadt am 6. März 171-1, für das Reich zuBaden in der Schweiz am 7. Sept. >715 abgeschlossen wurde. England, das bei diesemFriedensschlüsse am meisten gewann, erhielt von Frankreich Anerkennung der Thronfolgedes Hauses Hannover, Schleifung des Hafens von Dünkirchen, die Erneuerung frühererHandelsverträge und die Abtretung großer Länder in Nordamerika, von Spanien Gibral-