36 Erbfolgekrreg
und spater auch Portugal, Frankreich dagegen die Kurfürsten van Baiern und Köln undanfangs auch die Herzoge von MantUa und Savoyen zu Bundesgenossen. Der Krieg be-gann zunächst in Italien, wohin Prinz Eugen 1701 unerwartet schnell auf ungebahntenWegen vordrang, bei Carpi am 7. Juli und bei Chiari am 4. Sept. siegte und fast das ganzeHerzogthum Mantua eroberte. Doch bald wendete sich das Kriegsglück. Zwar belagertendie kaiserlichen und Reichstruppen, unter Anführung des röm. Königs Joseph, die FestungLandau und brachten sic zur Übergabe, dagegen eroberte der Kurfürst von Baiern durch ei-nen Handstreich die Reichsstadt Ulm, nöthigte durch drohende Bewegungen gegen den Rheinhin Joseph seinen Rückweg nach Wien durch Böhmen zu nehmen und bewirkte endlich, alsVillars den Rhein überschritten und in den Gefechten bei Fricdlingen am l 2. Oct. 17 02,bei Einhofcn und am Speierbach über den Markgrafen Ludwig von Baden die Oberhandbehalten hatte, seine Vereinigung mit demselben, worauf bald hernach Breisach fiel undLandau wieder erobert wurde. Wie hier den Markgrafen von Baden der elende, alle kräftigeUnternehmungen hemmende Zustand der Neichsarmee, so nöthigte gleicherweise in Italienden Prinzen Eugen der durch franz. Geld vom Fürsten Ragotzy in Ungarn erregte Aufstand,zu dessen Unterdrückung er selbst mit einem Theile seines Heers hineilen mußte, den Fran-zosen immer mehr Terrain zu überlassen. Nur die Uneinigkeit zwischen dem Kurfürsten undVillars und des Erster« verunglückter Eroberungszug gegen Tirol, wo das Landvolk unterdem tapfer« Landrichter Martin Sterzinger sich erhobund die Baiern mit großem Verlusteaus dem Lande trieb, wurde Ursache, daß di? für die Östreichcr so gefährliche Vereinigungdes Marschalls Vendome von Italien aus über Tirol mit dem Kurfürsten unterblieb; den-noch behauptete der Kurfürst im Verein mit den Franzosen die Oberhand an der Donau undschlug sogar am 19. Sept. 1703 den unfähigen General Styrum bei Höchstädt. Ganz an-dern Ruhm erfocht in den Niederlanden das holländ.-cngl. Heer unter Marlborough. NachEroberung einer Menge Städte und völliger Vertreibung der Franzosen aus dem kölnerLande schlug Marhborough mit dem Markgrafen von Baden vereint, wahrend Eugen dieLinien bei Stollhofcn gegen Marschall Tallard bewachte, am 2. Juli >704 das bair.-franz.Heer unter den Befehlen des Kurfürsten und des Marschalls Marsin, der an Villars' Stellegetreten war, in den Verschanzungen vom Schellenberge in der Nähe von Donauwärth. Da'cs aber kurz da rauf d emM arickall Tallard gelaiig^trotz der Vcrtheidignngslinien bei Stoll-hofen, auf einem ankern Weg, durch das Kinzigthal in Schwaben, sich mit dem Kurfürstenzu vereinigen, so kam eS am 1.7. Aug. 1704 bei Höchstädt (die Engländer benennen dieseSchlacht nach dem Dorfe Blenheim) zu einer Hauptschlacht, in welcher die Franzosen miteinem Verluste von 20000 M. Tobten und 15000 Gefangenen, worunter Tallard selbst,von Eugen und Marlborough gänzlich besiegt und in Folge dessen über den Rhein getriebenwurden. Landau wurde nun wieder erobert, Baiern, das der Kurfürst verlassen hatte, ein-genommen, und mit Ausnahme des Rentamts München, das der Kurfürstin als Revenueverblieb, unter die Regierung des Kaisers gestellt, aber so hart bedrückt, daß die bair. Land-leute unter Meindl und Plinganser, zweien Studenten der Rechte aus Ingolstadt, sich zurEmpörung erhoben, die nur mit Mühe unterdrückt wurde. Während dieser Zeit war Leo-pold 1.170S gestorben. Sein Sohn und Nachfolger Joseph dämpfte mit kluger Milde de»Aufruhr in Ungarn, sprach 1706, nach Zustimmung der übrigen Kurfürsten, die Neichs-acht über den Kurfürsten von Baiern aus und setzte den früher angefangenen Krieg mitebenso viel Glück als Eifer fort. Zwar behauptete sich Villars 1706 und 1707 am Rhein undschlug sogar den an des 1707 verstorbenen Markgrafen von Baden Stelle zum Feldherrn derReichsarmee ernannten Markgrafen von Baireuth bei Stollhofcn am 27. Mai 1707; da-gegen kamen die Verbündeten in Italien und in den Niederlanden in immer größer« Vor-theil; denn Eugen war so glücklich, den Herzog von Savoyen aus dem Bündnisse mitFrankreich auf die Seite des Kaisers zu ziehen und gewann hierauf, nach einem unentschie-denen Treffen bei Caffano am 16. Aug. 1705, als er zum Entsätze von Turin herbeieilte,einen so vollständigen Sieg in der Nähe dieser Stadt, am 7. Sept. 1706, über die Franzo-sen, daß diese vermöge der sogenannten Generalcapitulation vom 17. März 1707 nicht nurdie Lombardei sondern allmälig auch ganz Italien räumen mußten. Neapel wurde 1707von den Ostrcichcrn und Sardinien >708 von den Engländern besetzt, sodaß nur Sicilicn in