Crbfolgekrieg 35
ser erwählt. Jndeß hatte Friedrich II. von den Drangsalen deS vorjährigen Feldzugs sichwieder erholt; in diesem Jahre unausgesetzt siegreich, schlug er bei Hohenfriedeberg am 4.Juni und bei Sorr die Östreicher und in dem Gefecht bei Hennersdorf am 23. Nov. und inder mörderischen Schlacht bei Kesselsdorf am 15. Dec. die Sachsen. So erfolgte am 25.Dec. der Friede zu Dresden, nach welchem Friedrich in dem Besitze von Schlesien verblieb.In Italien war lange Zeit der Krieg zwischen der span.-franz. und östr. Armee zum Nach,theile der letzter« geführt worden; Mailand, Parma und Piacenza fielen 1745 in die Ge-walt der Franzosen, und der mit Ostreich seit 1743 neuverbundene König von Sardinienwar so hart bedrängt worden, daß er sich kaum noch in seinem Stammlande Savoyen undPiemont behaupten konnte; auch hatten die Genueser durch das Ansinnen Ostreichs, das ihnenvon Karl Vl. verpfändete Marquisat Finale ohne Empfang derRückzahlung an Sardinien ab-zugeben, sich zu dessen Feinden gesellt. Als aber nach dem Frieden zu Dresden Maria There-sia neue Verstärkungen nach Italien schicken konnte, gewann sie und der König von Sardi-nien nicht nur das Verlorene wieder, sondern es zog nun auch Spanien, nach Philipp's V.Tode einer andern Politik folgend, nach und nach seine Truppen aus Italien zurück, sodaß dieSardinier des Marquisats Finale sich bemächtigten und die östreicher am S.Sept. die StadtGenua eroberten und sogar in das südliche Frankreich eindrangen. Zwar nöthigte sie Mangelan Lebensmitteln und ein Aufstand zu Genua zur Rückkehr, auch vermochten sie das hefreiteGenua nicht zum zweiten Male zu erobern, dennoch schlugen sie einen erneuerten Einfall derFranzosen ins Piemontesische siegreich zurück, während die Engländer zu gleicher Zeit glück-lich gegen Frankreich zur See kämpften, einen Theil ihrer Seemacht vernichteten uud mehrefranz. Colonien in Nordamerika Wegnahmen. Mit entschiedenem Glücke dagegen fochten dieFranzosen in den Niederlanden, seit der Marschall von Sachsen sie dort führte. Durch derSieg bei Fontenay über den Herzog von Cumberland am l I, März 1745 gelang es diesemgeschickten Feldherrn, in den Besitz der gesammten östr. Niederlande mit Ausnahme vonLuxemburg und Limburg sich zu setzen und durch einen zweiten beiNocoux am I I.Oct. 1746über den Prinzen von Lothringen sogar das holländ. Flandern einzunehmen, einem drittenendlich bei Laffeld unweitMastricht folgte die Eroberung der Festung Bergopzoom und Mast-richts. Diese wiederholten Siege der Franzosen machten össreich, sowie die furchtbare Er-schöpfung seiner Finanzen endlich auch Frankreich zum Frieden geneigt, und die Nachrichtvon dem Anmarsche eines russ. Heers von 37000 M^ welches die Kaiserin Elisabeth derMaria Theresia zu Hülfe schickte und welches durch Mähren und Böhmen bereits bis in denfränkischen Kreis vorgerückt war, trug dazu bei, die Mächte zu einem schnellern Abschlüssedes längst erwünschten Friedens, der am 18. Oct. 1748 zu A a ch e n (s. d.) unterzeichnetwurde, zu vermögen.
Der span. Erbfolgekrieg währte von 1701 — 13. Als Karl II., König von Spa-nien, am I. Nov. >700 starb und mit ihm die span.-östr. Linie erlosch, wurde die Erbschaftdieses Königreichs ebenso von Ostreich wie von Frankreich in Anspruch genommen. Lud-wig XI V. fodcrte nämlich als Gemahl der ältesten Schwester Karl's II-, Maria Theresia,die aber auf die Nachfolge verzichtet hatte, für seinen Enkel Philipp von Anjou, als Königvon Spanien Philipp V. genannt, die span. Krone; Leopold I. dagegen gründete seine An-sprüche theils auf seine Mutter Maria, theils auf seine Gemahlin Margarethe Therese, Karl'sjüngere Schwester, denen man ihre Rechte ausdrücklich Vorbehalten hatte, und verlangte dieErbschaft für seinen jüngern Sohn Karl, als König von Spanien Karl III. genannt. Decschwachsinnige span. König selbst aber hatte, durch die schlauen Künste des franz. GesandtenHarcourt verführt, in seinem Testamente sich für Ludwig's XIV. Enkel entschieden. DieErbfolgcangclegcnhcit war von um so größerer Wichtigkeit, als der Besitz des HauptlandeSSpanien zugleich den der Länder Neapel, Sicilien, Mailand, der Niederlande und einesgroßen Theils von Amerika umfaßte, und weil der vollständige Sieg der einen oder andernPartei unfehlbar das Gleichgewicht der curop. Staaten auf eine höchst gefahrdrohende Weiseerschüttern mußte. Deshalb lag es im Interesse der Nachbarstaaten, die Vergrößerung zweieran und für sich schon so mächtiger Monarchien, besonders aber Frankreichs, auf alle Weisezu hindern. Ostreich hatte England, Holland, den König von Preußen, das Deutsche Reich