Erato EratostheneS 29
en um seine Kenntnisse zu bereichern, Italien. In Bologna, wo er die theologische Doctorwürde:r- annahm, kam er, wegen seines weißen Scapuliers für einen Arzt der Pestkranken angesehen,a> in Lebensgefahr, indem ihn der abergläubische Pöbel mit Steinwürfen verfolgte. Dieser Vor-
id fall war die Veranlassung, daß E. bei dem Papste um Dispensation von seinen Ordensge-
es lübden anhielt, die ihm auch gewährt wurde. Er besuchte hieraufVencdig, Padua undRom;:it aber so glänzende Aussichten sich ihm auch hier darboten, so folgte er doch lieber den Einla-ss düngen seiner Freunde nach England, wo ihm das Ansehen, welches er bei Heinrich VIII.
et genoß, noch größere Vortheile versprach. Als er den berühmten Großkanzler Thomas Mo-ar rus besuchte, ohne sich ihm zu erkennen zu geben, ward dieser dergestalt von seiner Unterhal-
n> tung entzückt, daß er ausrief: „Ihr seid Erasmus oder ein Dämon!" Man bot ihm sofort
>t. eine Pfarrei an, die aber E. ablchnte, um nicht gefesselt zu werden. Nur kurze Zeit verwal-
's tctc er zu Oxford die Professur der griech. Sprache und wendete sich dann, nachdem er noch
te die Niederlande und Deutschland durchwandert, nach Basel. Hier starb er am 12. Juli
os 1536 und wurde im reformirten Münster begraben. E. vereinigte mit ausgebreiteter und
es gründlicher Gelehrsamkeit ebenso viel geläuterten Geschmack und treffenden Witz. Eine all-en geborene Neigung zur Unabhängigkeit und Ruhe ließ ihn eine gelehrte Muße und Einsam-
lz- keit dem glänzenden Leben der Großen verziehen. Doch sein leises Auftreten in der Art eines
». schlauen Weltmanns machte ihm viele der Bessern seiner Zeit, namentlich Hutten, zu Fein-te den. Große und dauernde Verdienste erwarb er sich um die Wiederherstellung der Wissen-de schäften. Seine Schriften sind noch immer wegen ihres gehaltvollen Inhalts und klassischen
и, Stils geschätzt. Außer den Ausgaben mehrer Classiker und andern philologischen und kheo-
st, logischen Schriften, durch welche er trefflich auf das Studium der classischen Wissenschaften
bk cinwirkte, sind am bekanntesten und in fast alle lebende neuern Sprachen übersetzt seine we-
en gen der darin herrschenden lieblosen Satire, Frivolität und Zweideutigkeit für die Jugend
r> nicht besonders geeigneten „Ollvgum" (beste Ausgabe, Amst. 1650 und öfter; dann von
>d Schrevel, Leyd. 1664) und sein „Lncvniiuui inoriae", d.h. Lob der Narrheit, herausgegeben
im Original mit deutscher Übersetzung und Holbein'schen Federzeichnungen von W. G. Be-ll- cker (Bas. 1780 und Berl. >781); die neuesti Ausgabe des lat. Textes mit den Holbein'-
cl scheu Abbildungen erschien zu Havre 1830. E. selbst besorgte eine Ausgabe seiner Werke
n> bei Froben in Basel; die vollständigste, aber etwas flüchtig gearbeitete Ausgabe lieferte Le-
clerc (>0 Bde., Leyd. 1703—6, Fol.). Das Leben des E. bearbeiteten nach Burigny Henkeer (2 Bde., Halle 1782) und selbständig Adolf Müller (Hamb. 1828).er Eräto, eine der neun Musen, die Muse der lyrischen, besonders erotischen Dichtkunst,
> 1 - wird mit einer Kithara in der Linken, worauf sie mit dem Plektron spielt und dazu singt und
r- tanzt, dargestellt. — Erato hieß auch eine Dryade, die Gemahlin des Arkas, und Ausle-
к. gcrin der Orakel des Pan.
r, Eratosthönes, ein Gelehrter aus den Zeiten der Ptolemäer, wegen seiner vielseitigen
ist Gelehrsamkeit der Philolog genannt, geb. 276 v. Ehr. zu Kyrene in Afrika, wurde von
h. Ptolcmäus Evergetes nach Alexandrien berufen, wo er die große Bibliothek in Aufsicht er-
hielt. Als er im Alter erblindete und deshalb seine gewohnte Lebensart aufgeben mußte,flarb er aus Gram als ein achtzigjähriger Greis 194 v. Ehr. den freiwilligen Hungertod,r- Er beobachtete in Alexandrien die Schiefe der Ekliptik zu 23" 57^ 15", die genaueste Bcob-
st- achtung dieser Art, die sich aus jenen Zeiten erhalten hat. Auch sammelte er einen Stern-
>!- katalog von 675 Fixsternen, der aber verloren gegangen ist. Seinen größten Ruhm aber
m erwarb er sich durch die Messung der Größe der Erde. Um die Geometrie machte er sich durch
r, seine Arbeiten über die Duplication des Würfels und die Primzahlen verdient. Von seinen
gt vielen Schriften sind meist nur Fragmente übrig geblieben, die Bernhardy unter dem Titel'
> 1 , „birutostlienicu" (Berl. 1822) am vollständigsten sammelte. Seine Schrift „Lntnsterlsmi",
,i! die von den Sternbildern handelt, wurde von Schaubach (Gött. 1795) und von Matthiäh (Franks. 1817) herausgegcben. Seine „Keogrspbm", worin er die Erdkunde zuerst wissen->i, schaftlich behandelte, kennen wir nur aus den Anführungen des Strabo. Das sogenannte,i SiebdesE. ist eine Methode, die Primzahlen zu finden. Vgl. Wilberg, „Die Construc-
>o tion der allgemeinen Charten des E." (Essen 1834, 4.) und „Das Netz der allgemeinen
Charten des E. und Ptolemäus" (Essen 1835, 4.).