Epilog Epimenidcs 21
gcschlagenheit der Kräfte wie des Gemüths und ein eigcnthümliches Gefühl von kühlem oderwarmem Anwehen (sura eznlopticu), welches von einem Endpunkte des Körpers ausgehenddenselben durchzieht und am Kopfe oder in der Herzgrube endigt. Der Anfall tritt dann ein,der Kranke stürzt bewußtlos zu Boden, wenn er sich nicht schnell noch auf ein Lager werfenkonnte, und es folgen die Zeichen der heftigsten Erschütterung des ganzen Organismus.Nach ungefähr einer Viertelstunde kehrt das Bewußtsein zurück, und der Kranke ist bis aufetwas Mattigkeit wieder in seinem vorigen Zustande. Die Ursachen der Krankheit sind man-nichfaltig, nicht selten lassen sie sich heben; in vielen aber sind sie theils unergründlich, theilSbieten sie aller ärztlichen Kunst Trotz. Das Gehirn findet man meist vollkommen normal. DieKrankheit ist überall einheimisch und verschont kein Alter und kein Geschlecht. Die Anlagedazu kann angeboren, erblich oder in der Constitution begründet und erworben sein durchunzweckmäßige, körperliche und geistige Erziehung, Geschlechtsausschweifungen, namentlichOnanie. Bei angeborener Anlage tritt die Epilepsie gewöhnlich in den Entwickelungsjahren,dem Zahnen und dem Eintritte der Pubertät, auf, nach welcher letztem ein Ausbruch voneingepflanzten Keimen der Krankheit kaum noch stattfindet. Ebenso verschieden sind die An-lässe, welche den Ausbruch der Epilepsie herbeiführcn; besonders wirken Gemüthsaffectc indieser Hinsicht. Von der Häufigkeit dieses Übels kann man sich einen Begriff machen, wennman bedenkt, daß in Deutschland allein ungefähr l stMW Menschen an demselben leidenWährend des Anfalls selbst ist nur daraufzu sehen, daß sich der Kranke nicht beschädige; dasAusbrechcn der Daumen aus der geballten Faust hilft nichts und ist nur schädlich. Ebensosind das Binden der Glieder, Niechmittel u. s. w. ohne allen Nutzen. Häufig geht die Epi-lepsie in Blödsinn oder Tobsucht über. Den Alten war die Krankheit wohlbekannt; Hippo-krates hat ein Buch darüber geschrieben, das Volk aber war in seiner Ansicht darüber so un-klar, daß es die Epileptischen bald als von den Göttern Bestrafte verabscheute, bald als Gott-begeisterte verehrte. Vgl. Portal, „Odservatiniis sur I» nal»re et le traitement cks l'epi-Ivpsw" (Par. 1827; deutsch von Hille, Lpz. 1828).
Epilog, d. h. Na ch- oder Schlußrede, oder Schlußwort, kommt wie der Prolog(s. d.) hauptsächlich bei Schauspielen stör'und erscheint meist als eine Art Nothbehelf, inso-fern er von einem Kunstwerke etwas sagt, was dasselbe nicht durch sich selbst aussvricht. DerEpilog der antiken Tragödie enthielt allgemeine Reflexionen über das Stück selbst oder überdie Rolle Desjenigen, welcher den Epilog sprach. Shakspeare bediente sich mehrmals desEpilogs, um seinen Zuschauer» den Gesichtspunkt anzudeuten, aus welchem sic sein Werkbetrachten sollten, und zugleich um Nachsicht für die Mängel des Stücks zu bitten; doch er-laubte er sich dies an sich aus dem Kunstgcbictc hcrausfallcnde Mittel fast nur in.Stückcnphantastischer und wunderlicher Färbung,;. B. in „Wie cS euch gefällt", oder in historischenStücken, die, wie „Heinrich VI ll.", im Ganzen oder Einzelnen einer Misdeutung ausge-setzt sein konnten. Die Schlußcouplcts der franz. Vaudevilles haben etwas dem Epilog Ver-wandtes. In einem etwas veränderten Sinne nennt man Epilog die meist vcrsificirteRede, welche nach Beendigung eines Theaterstücks auf irgend eine äußere Veranlassung vonder Bühne herab an das Publicum gerichtet wird. Einer der schönsten Epiloge neuerer Zeitwar der von Tieck, der bei Gocthc's Todesfeier auf der dresdener Bühne gesprochen wurde,stncigentlich nannte Goethe sein Gedicht auf Schiller einen Epilog zu Schiller's „Glocke".
Epimeindes, ein bekannter Priester und Sänger des griech. AlterthumS, imll.Jahrh.v. Ehr., geb. zu Knoffus auf der Insel Kreta, wird von der Sage als cinVcrtrauter der Göt-ter und als Seher der Zukunft geschildert. Als die Athener einst, von Feinden und anstecken-de» Krankheiten hcinigesucht, nach dem Aussprüche des Orakels den Zorn dcrGötter zu sühnenstichle», beriefen sie den durch seine Weisheit und Frömmigkeit berühmten E- zu sich, der vielenntzliche-Einrichtungen unter ihnen traf. Bei seinem Fortgange schlug er alle Geschenke ausund verlangte zum Lohne nichts als einen Zweig von dem der Minerva geweihten Olbaume.Von ihn, ging auch die Sage, daß er als Jüngling in einer Höhle von einem Schlafe über-fallen worden sei, der nach Einigen 4l>, „ach Andern noch mehre Jahre gedauert. DieseSage liegt Goethe's Dichtung „Des EpimcnideS Erwachen", zur Jahresfeier der Schlachtbei Leipzig, zum Grunde. E. starb in seinem Vaterlande in hohem Alter. Vgl. Heinrich,,E. aus Kreta" (Lpz. 1801).