Epidaurus Epidemie II
wegung eines Kreises entstehen, der sich um seinen Mittelpunkt dreht, zugleich aber auf derPeripherie eines andern, in einer andern Ebene liegenden Kreises hinrollt und mit ihm immerdenselben Winkel bildet. Wenn z. B. ein senkrechter Kegel, der mit seiner Seitenfläche eineEbene berührt, so auf ihr herumrollt, daß die Spitze des Kegels immer auf derselben Stellebleibt, so beschreibt jeder Punkt des Umfangs seiner Peripherie eine solche sphärische Epicy-kloide. Alle diese Linien gehören zu den sogenannten Rolllinien, welche entstehen, wenn irgendeine Figur sich auf einer andern wälzt, und wenn ein Punkt der ersten der beschreibendeist.Wenn B. eine Ellipse sich auf einer ihr gleichen Ellipse wälzt und anfangs die Scheitel-punkte beider ineinander fallen, so beschreiben die Brennpunkte der sich wälzenden EllipseKreise, deren Mittelpunkte in dem andern Brennpunkte liegen, und deren Durchmesser gleichder großen Achse der Ellipse sind. Ebenso verhält es sich mit zwei gleichen Hyperbeln.
Epidaurus, jetzt Ep idauro, eine Stadt in Argalis am Saronischen Meerbusen,mit einem Hafen und ziemlich bedeutendem Handel, nach Strabo eine karische Colonieund ursprünglich Epikaros genannt, bildete mit ihrem Gebiete einen eigenen Staat,der stets seine Unabhängigkeit von Argos zu behaupten wußte. Vorzüglich berühmt wurdesie durch den prachtvollen Tempel des Äskulap mit der Inschrift „Nur reinen Seelensteht der Zutritt offen", welcher westlich von der Stadt an der Straße von Argos zwischenzwei Bergen in einem dicht bewachsenen Haine stand, in welchem Niemand gebären oder ster-ben durfte. Eine Bildsäule des Gottes aus Gold und Elfenbein zierte denselben und in einemNebengebäude, Tholos genannt, waren auf Tafeln Heilmittel gegen alle Krankheiten an-gegeben. Die Tempelruinen sind jetzt unter dem Namen Jero bekannt.
Epldkmie oder epidemische Krankheit nennt man eine solche, welche eine un-bestimmte Zeit lang in einer großem oder geringern Ausdehnung mehr Individuen befälltals zu andern Zeiten. Das Übel selbst kann von jeder Art sein, und es gibt wenig acuteKrankheiten, die nicht einmal epidemisch aufgetreten wären. Die Frage nach den Ursachender Epidemien aber kann nur ganz allgemein beantwortet werden. Sie sind in den kosmi-schen, tellurisch-atmosphärischen und menschli chen V erhältnissen begründet. Der Glaube anden Einfluß der Gestirne aus die menschliche KranWMsti'mmung ist der älteste, doch hat ersich alles Studiums der Astrologen ungeachtet noch nicht über den Aberglauben erhoben.Wichtiger ist und von deutlichem Einfluß das Verhältniß der Erde zur Sonne und der da-durch bedingte Wechsel der Jahreszeiten, denen Niemand eine Einwirkung auf die Stim-mung des Körpers abstrciten wird. Von der größten Bedeutung sind jedoch die tellurisch-atmosphärischen Erscheinungen, deren krankheiberregende Eigenschaften historisch hinläng-lich constatirt sind. Hierher gehören Erdbeben und die damit verbundenen Veränderungenin den elektrischen und magnetischen Verhältnissen eines Landstrichs, Überflutungen desMeers, Überschwemmungen und dadurch oder durch anhaltenden Regen herbeigeführte Feuch-tigkeit, anhaltende Trockenheit und Hitze, besonders aber ungewöhnlicher Verlauf der Jahres-zeiten, warme Winter, kalte Sommer u. s. w-, und die daraus unmittelbar entspringendenFolgen für Thier - und Pflanzenwelt. Die Macht der politischen Verhältnisse, Krieg, Hun-gersnoth, schädliche Gewohnheiten, die unter einzelnen Völkern im Schwange sind, auf dieKrankheitsstimmung eines Volks oder einer Zeit bedarf wol kaum eines Beweises. Bedenktman, daß oft alle diese Schädlichkeiten sich vereinigen und noch dazu durch Niederdrückungder Gcmüther dem Einzuge einer Krankheit in den Körper Thür und Thor geöffnet wird,so findet die Entstehung der großen Weltseuchen wol hinlängliche Begründung. Ein minderwichtiges Moment bei der Verbreitung der Epidemien ist die Ansteckung (s. d.); sie ent-steht gewöhnlich erst, wenn die Krankheit schon eine hinlängliche Menge Menschen ergriffenhat, um ein Contagium (s.d.) zu erzeugen. (S. auch Miasma.) Die Sicherheitsmaß-regcln gegen Epidemien sind vielfältig, z. B. Impfung gegen die Pocken, Absperrung gegendie Pest u. s. w-, allein oft schon hat die Macht der Krankheiten solcher ohnmächtigen Ver-suche sie zurückzuhalten gespottet. (S. Englischer Schweiß, Schwarzer Tod undCholera.) Epidemien kehren in manchen Landstrichen regelmäßig wieder, jedoch einmalmehr, das andere Mal weniger bösartig. Die Dauer einer Epidemie ist verschieden; gewöhn-lich dauern sic desto kürzere Zeit, je heftiger sic auftreten, d. h. je mehr Individuen sie gleichanfangs ergreifen. Vgl. Schnurrer, „Chronik der Seuchen" (2 Bde., Tüb. 1823 — 24).
Conv.-Lex. Neunte Aust. V, 2