Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
750
Einzelbild herunterladen
 

750 Bajä

monien, z. B. Lodtenopfern, Brandopfern u. s. w. Dic Devadasis ersten Ranges woh-nen innerhalb der-Ringmauern des Tempels und dürfen diesen ohne besondere Erlaubnißdes Oberpriesters nicht verlassen. Sie können ihr ganzes Leben hindurch im jungfräulichenStande bleiben; doch steht es ihnen auch frei, sich einen Liebhaber innerhalb oder außerhalbdes Tempels zu wählen, wenn er nur den obern Kasten angchört; ein Liebesverhältnißaber mit einem Manne niedern Standes wird mit großer Härte bestraft. Erhalten sie Kin-der, so werden die Mädchen in dem Gewerbe der Mutter erzogen, die Knaben aber zu Mu-sikcrn gebildet. Die Devadasis zweiten Ranges unterscheiden sich im Ganzen wenig vondenen des ersten Ranges, nur daß sie nicht so gebunden sind, weil sie außerhalb der Tempelwohnen. Täglich muß eine bestimmte Zahl derselben der Reihe nach den Dienst im Tem-pel versehen; bei öffentlichen Proccssionen aber müssen sie alle erscheinen. Sie tanzen undsingen nicht allein vor den Götterbildern, wofür sie ein bestimmtes Einkommen an Reisund Geld erhalten, sondern werden zu gleichem Zwecke auch bei andern Feierlichkeiten, z. B.Hochzeiten, Gastereien u. s w. von den Vornehmen berufen. Alle Devadasis verehren alsihre besondere Schutzpatrouin die Göttin Rambha, eine der schönsten Tänzerinnen im Pa-radiese des Indra; ihr und dem Gotte derLiebe werden jährlich imFrühjahr Opfer gebracht.Wesentlich verschieden von den Devadasis sind die Tänzerinnen, die, frei im Lande umher-ziehend, nur bei Privatfestlichkeiten herbeigerufen, in den Tschultriß oder öffentlichen Her-bergen die Fremden unterhalten,, und bald Nati oder in der gewöhnlichen Form Ratsch,bald Kuttani, bald Sutradhari, je nach der verschiedenen Kunst, in der sie sich gerade aus-zeichnen, benannt werden. Einige derselben leben unabhängig beisammen in Truppen vonzehn bis zwölf Köpfen, ziehen im Lande herum und theilen ihren Gewinn mit den Musi-kanten, die sie begleiten. Andere stehen unter der Aufsicht von Dayas oder alten Tänzerin-nen, die allein allen Gewinn ziehen und diesen Mädchen dafür nur Kost und Kleidung ge-ben. Noch andere sind wirkliche Sklavinnen solcher alten Weiber, welche sie in ihren jün-ger» Jahren durch Kauf oder Annahme an Kindesstatt an sich gebracht und in ihrer Kunstunterrichtet haben. Zu einer dieser Gattungen gehörten jene Bajaderen, die im I. 183vdie Hauptstädte Europas besuchten. Außer den genannten gibt es noch mancherlei ArtenTänzerinnen, Tänzer und Sänger, welche meist alle umherwandernde Truppen bilden;dahin gehören namentlich die Bikar, welche die Kriege der Götter besingen. Die Tracht derBajaderen ist originell und nicht ohne verführerischen Reiz. Ihre Tänze entsprechen nichtDem, was wir unter Tanz zu verstehen gewohnt sind; es sind vielmehr Pantomimen, de-ren Erklärung in den Gesängen liegt, die die begleitenden Musiker recitiren; es sind meistdie Themas der glücklichen oder verzweifelnden Liebe, der Eifersucht, der Erwartung des Ge-liebten u. s. w. Europäische Reisende sprechen mit großer Begeisterung von dem Reize dieserPantomimen ; nach Dem aber zu urtheilen, was die vorerwähnten Bajaderen bei ihremAustreten in Europa geleistet, muß man diese Schilderungen für sehr übertrieben halten;denn bei großer körperlicher Gewandtheit fehlte ihren Bewegungen Anmuth und Grazie.

Basä, eine kleine Stadt an der Küste Campaniens, in der Nähe von Neapel, wojetzt das Castell Baja, ein Werk des Vicekönigs Peter von Toledo, sich befindet, war einstseiner reizenden Lage wegen der Ort, wo die vornehmen und reichen Römer während desSommers sich aufhielten und prächtige Landhäuser besaßen. Den Reiz und Glanz der Stadterhöhten die warmen Bäder, die jedoch von den Römern nicht sowol der Gesundheit wegen,als vielmehr zur Befriedigung der Wollust benutzt wurden. Daher hielten sich hier die Ambu-bajen, eine Art syrischer Lustdirnen in Rom, am liebsten auf, und es war der Ort schon zu denZeiten der Republik so in Verruf gekommen, daß Cicero in seiner Vertheidigung des jungenM. Cölius sich rechtfertigt, daß er eines Menschen sich annehme,der kein Gelag ausschlage,der sogar schon B. besucht habe". Ebenso kann der Dichter Properz seine Geliebte nichtschnell genug von diesem gefährlichen Aufenthalte,der viele Liebende schon zur Trennunggebracht habe", zurückrufen. Die Schweseldämpfe der heißen Quellen erzeugten schon inden frühesten Zeiten in B. eine ungesunde Lust, die jetzt bei der Unbewohntheit der Gegendund bei der Versumpfung der Wasserabzüge bedeutend zugenommen hat. Noch jetzt sind die .Trümmer der Bäder und Paläste, namentlich unter den Wellen des Meers sichtbar, da I