660
O, s. Ton und Tonarten.
Baader (Franz -kavcr), bekannt als mystisch-religiöser Philosoph, geb. zu München17 6 5, gest. daselbst am 2 Z. Mai 18-11, wurde durch die Krankheit des Nachtwandelns in seinerfrühem Entwickelung sehr gehemmt. Er studirte in Ingolstadt und Wien Mcdicin, wendetesich aber nachher dem Bergwesen zu, welches er namentlich unter Werner in Freiberg seit1788 kennen lernte, machte theils allein, theils mit seinem Bruder Joseph mehre Reisen underhielt 1798 in Baiern mit der Stelle eines Gencraldircctors die eines Oberbcrg- und Hüt-tenmeisters. Als Mitglied der Akademie der Wissenschaften fand er auch eine äußere Ver-anlassung, sich naturphilosophischen Studien, auf welche die Schelling'sche Philosophie gro-ßen Einfluß gewonnen hakte,zu widmen und schrieb eine Menge kleinerer Aufsätze und Ab-handlungen, z. B. „Beiträge zur Elementarphysiologie" (Hamb. 1797), „Über das pytha-goraische Quadrat in der Natur" (Tüb. I799)u.s.w., die er in den „Beiträgen zur dyna-mischen Physik" (Berl. 1899) und in den „Philosophischen Schriften" (2 Bde., Münst.1831) sammelte. Bei der Stiftung der Universität zuMünchcn wurde sein Wunsch, von demMechanismus des Geschäftslebens befreit zu werden, erfüllt und er als Professor der speku-lativen Dogmatik angestellt, welche Stelle er bis zu seinem Tode begleitete. Der Grund-gedanke der Jdentitätsphilosophie stimmte mit seiner natürlichen Neigung zum Mystischen undÜberschwenglichen überein, erhielt aber von ihm eine eigenthümliche Ausführung und An-wendung. Auf diese Weise fand er die Hauptaufgabe seines Lebens darin, eineNaturansicht(Phystosophie), die zugleich Theologie oder vielmehr Theosophie wäre und deren Principienden Schriften des von ihm vielleicht unter allen Denkern am höchsten gestellten Jak. Böhme(s. d.) stillschweigend zum Grunde lägen, zur Anschauung zu bringen. Er versuchte dies theilsdirect, theils indirect und polemisch, z. B. in der „Revision der Philosophen« der Hcgel'schenSchule,bezüglich aufdasChristenthum"(Stuttg. 1836), in einer Menge Schriften, darunternamentlich „Vorlesungen über speculative Dogmatik" (5 Hefte, Stuttg. und Münst. 1828—38) und „Vorlesungen über eine künftige Theosie des Opfers oder des Cultus" (Münst.1836). Als ein Versuch, B.'s Ansichten, die er selbst meist nur in aphoristischer Form ausge-sprochen hatte, in pin Ganzes zu bringen, ist zu nennen F. Hoffmann's „Vorhalle zur spe-kulativen Lehre Franz B.'s" (Aschaffenb. 1836). Auch zwischen die confessionellen und kirch-lichen Streitigkeiten der neuesten Zeit versuchte B. vermittelnd einzutrcten, z. B. in der erstnach seinem Tode herausgekvmmenen Schrift „Der morgenländische und abendländische Ka-tholicismns" (Lpz. 18-11). — Sein älterer Bruder Clemens Alois B-, bekannt alsHerausgeber des „Gelehrten Baierns", geb. am 8. Apr. 1762, starb als bair. Regierungs-und Schulrath am 23. März 1838. — Sein jüngerer Bruder, Jos ephvon B-, bair. Obcr-bergrath, berühmt als Ingenieur und Mechaniker, geb. zu München 1763, gest. daselbst am2V.Nov> 1835, hatte ursprünglich Medicinstudirtund auch in dieser Wissenschaftpromovirt,entsagte ihr aber später und wurde 1798 wegen seiner ausgezeichneten Talente für die Tech-nologie Director der Maschinen und des Bergbaus und 1808 als Gehcimrath bei der Gcne-raldirectisn des Bergbaus und der Salinen von Baiern angestellt. Auf seinen Reisen inEngland von 1787—95 und 1815 in Frankreich und andern Ländern hatte er einen reichenSchatz von Kenntnissen und Erfahrungen gesammelt. Sinnreich waren seine Vorschläge zurWiederherstellung der großen Wassermaschine zu Marly oder zur Ersetzung derselben durcheine andere. Er machte viele glüMche Versuche und Erfindungen und wußte die Mangelder engl. Eisenbahnen, namentlich in Beziehung auf die Erleichterung des Transports, viel-fach zu heben. Mit seinen spätern Ansichten übcr Eiscnbahnbau, die er in mehren Schriftchen