Vaillot Bailly 717
> genhcit des Vortrags von zahlreichen Schülern besucht ward; indessen widmete er einen
: Theil seiner Zeit auch der Praxis, und zwar mit nicht weniger glänzendem Erfolge, sodaß
ihm bereits 1787 die Stelle eines Arztes am St.-Georgehospital übergeben ward. Hier-
> durch erhielt er Gelegenheit, ein sorgfältiges Studium der pathologischen Anatomie zu trei-
r ben und sich ein eigenes anatomisch-pathologisches Museum anzulegen, welches er zwei
- Jahre vor seinem Tode dem Collegium der Ärzte zu London, dessen Mitglied er war, zum
! Geschenk machte. Im I. l 7 89 promovirte er zu London und begann nun die Bearbeitung
, seines pathologisch-anatomischen Handbuchs, welches seinen Ruf auch im Auslande bcgrün-
' dete. Später häuften sich seine praktischen Geschäfte so sehr, daß er sich genöthigtsah, nicht
; . nur seine anatomischen Vorträge, sondern auch seine Stelle als Arzt am St.-Georgehospi-
' tal aufzugeben, um sich ganz der Praxis widmen zu können, in welcher er durch seine feine
>- Diagnose ebenso sehr als durch die Leutseligkeit seines Betragens und seine seltene Uncigcn-
3 nützigkeit sich auszeichnete. Er ward Leibarzt der Prinzessin Charlotte von Wales und
> consultirender Arzt des Königs Georg III. und starb am 23. Sept. 1823. Von seinen Wer-
h ken erwähnen Wir „1'ko morbiel bumsn an-itomz' vf som« ok tüe mast important pari»
l. »f tbs iiumgn bollx" (Lond. 1793, neuesteAufl. 1812; deutsch von Hohnbaum und Söm-
), merring, Bcrl. 182V), series ol eugravings to illustrate tde morl-itl snstom^ ok tk»
iminnn (IO Hefte, Lond. 1799—1812, 4.), ,,I.ectiires an<I observstions on me-3 dicine" (Lond. 1828) und „Ule rvorlcs okÄlr. L", herausgegebcn von Wardrop (2 Bde.,n Lond. 1825; deutsch von Lcukfeld, Halberst. 1829).
Baillot (Pierre), eines der Häupter der neuern franz. Violinschule, geb. 1771, g-st.o 15. Sept. 1842, studirte unter Viotti, kam 1791 in die Kapelle des Grafen von Artois
m und 1803 in das Conservatorium. Von 18V5—8 bereiste er das nördliche Europa, wo er
s- sich durch kühnen, aber ernsten Vortrag einen ausgebreiteten Ruf erwarb. Mit einem gro-
rt ßcn Violinsolo nahm er 183 l vom Publicum Abschied; doch die Quartettunterhaltungen
'n in seinem Hause, die ganz ausgezeichnet waren, setzte er auch später noch fort. Die von
ch ihm, Rode und Kreutzer zum Gebrauch des Conservatoriums ausgebreitcte Violinschule
er wurde von ihm für den Druck redigirt; an sie schließen sich seine „Lxercices pvur le vivlon"
>-) an. Auch mit Lcvasseur, Catel und Baudiot gab er eine Violinschule zum Gebrauch des
g' Conservatoriums heraus, die er ebenfalls mit Übungsstücken begleitete,er Bailly (Jean Sylvain), Präsident der ersten franz. Nationalversammlung im I.
m i789 und Maire von Paris, war daselbst am 15. Sept. 1736 geboren. Von seinemVa-
le- ter, welcher Aufseher der königlichen Bildergalerie war, zum Maler bestimmt, folgte er indeß
m seiner Neigung zu literarischen Beschäftigungen und versuchte sich zuerst in der Dichtkunst,
l'g bis er mit Lacaille bekannt wurde, dessen Unterricht ihn ganz für die Ästronomie gewann,
n, und den er 1763 nach dessen Tode in der königlichen Akademie der Wissenschaften ersetzte,
lb Hierauf ließ ec seine „Observation» I„nsirez"(I 763), „siitoiles rncliaenles" (1764), ,,1'issai
ie- sur los satellites Oe äupiter" (1766) erscheinen und 1771 seine Abhandlung über das von
>r< den Jupiterstrabanten zürückgeworfene Licht, welches er ans eine sinnreiche Weise zu messen
unternahm. Seine schön geschriebenen Lobreden auf Pierre Corneille, Karl V., Moliere," Leibnitz, Cook, Gresset und Lacaille wurden sehr günstig ausgenommen. Seine „Uisinire
r» l <Ie I'astronomie" (5 Bde., 1775—87, 4.) fand allgemeinen Beifall, gehoben noch durchs- die Streitigkeiten darüber mit Voltaire, die B. zu den „I^etlres sur I'orißine 6es Sciences"
(1777) und den „I^ettres SIII- I'^tluntüle <le Ulaton" (1779) veranlaßten. Er wurde nuniU in die Akademie der Inschriften und 1784 in die franz. Akademie ausgenommen, sodaß er>er jetzt Mitglied aller drei Akademien war, eine Ehre, die vor ihm nur Fontenelle widerfahren;
ul' auch wurde er von der Regierung zum Mitgliede einer Commission ernannt, welche die Wir-
w' kungcn des von Mesmer entdeckten thierischen Magnetismus prüfen sollte. B. stattete einenche Bericht darüber ab, der seiner Einsicht und Beurtheilungskcast große Ehre machte. Dochder von nun an riß die Revolution ihn aus seiner friedlichen Laufbahn. Von der Stadt Paris
ßer am 12. Mai 1789 zum ersten Deputieren des Bürgerstandes für die allgemeine Stände-
md ^ Versammlung ernannt, wurde er in der Versammlung selbst zum ersten Präsidenten er-wählt, was er auch blieb, nachdem die Deputieren sich zur National», rsammlung erklärthatten. Als der König die Versammlung aufgehoben und den Versai-milungssaal hatte