Baiern (Geschichte) 745
ferenzen erhoben sich über mehre ohne ständische Verwilligung vorgenommene Ausgabenund bei der Verhandlung des Budgets von 1831—37, da sich die zweite Kammer füreinige Ersparnisse, namentlich für eine kleine Verminderung der sehr bedeutenden Civillisteerklärte. Die Krone legte dagegen im Landtagsabschied eine Verwahrung der von ihr be-haupteten Rechte ein. Der beständige Zwiespalt zwischen den drei Factoren der Gesetzge-bung macht es erklärlich, daß der unter den größten Erwartungen begonnene Landtag von1831 zwar viel zur Sprache, aber wenig zu Stande brachte. Während seiner Dauer,I.März—29. Dec., hatte sich indessen die bair. Presse, aus eine freisinnige Volkskammer ge-stützt, für kurze Zeit thatsächlich zu emancipiren gewußt. Nach seinem Schlüsse versuchtesie sich mit ihrer Opposition hauptsächlich noch in Rheinbaicrn unter dem Schutz der Gesetz-gebung dieser Provinz; die Bewegung der öffentlichen Meinung steigerte sich, bis sie imhambacher Feste und gleichzeitigen ähnlichen Demonstrationen an andern Orten B.s ihrenGipfel erreichte. Jetzt aber entwickelte entschiedener auch die Regierung ein schon nach Be-endigung des Landtags deutlich angekündigtes System der Reaction. Die kühnsten oderlautesten Wortführer der Opposition mußten in nicht geringer Zahl entweder in der Fluchtihr Heil suchen, oder das ihnen zur Last Gelegte durch lange Gefangenschaft, häufig auchdurch Abbitte vor dem Bildnisse des Königs büßen. Erst in neuerer Zeit hat die RegierungMilderungen im Schicksale ihrer Staatsgefangenen (s. Behr) eintrcten lassen, ohne sichdoch, nach dem Beispiele anderer Staaten, zur Ertheilung einer allgemeinen Amnestie ent-schließen zu können. Im 1.1832 ward der zweite Sohn des Königs, Otto (s. ).), durchden londoner Vertrag vom 7. Mai zum Könige von Griechenland ernannt. Zur Befesti-gung des neuen Throns wurden bair. Truppen dahin entsendet und vor der Abreise des jun-gen Königs schlossen Vater und Sohn am S. Dec. 1832 ein Schutz- und Trutzbündniß zwi-schen B. und Griechenland. Im folgenden Jahre, durch den Vertrag vom 15. Mai 1833,schloß sich B. mit Würtemberg dem deutschen Zollverbande an; in demselben Jahre ward derjetzt seiner Vollendung nahe Ludwigskanal zur Verbindung der Donau und des Main begon-nen. Am Jahrestage des hambacher Festes kam es in und bei Neustadt zwischen Militair undBürgern zu blutigen Auftritten. Die nach diesen letzten Spuren der Aufregung eintretendeErschlaffung des öffentlichen Geistes offenbarte sich schon deutlich in der Ständevcrsamm-lung vom 8. März—28. Juni > 831, obgleich die zweite Kammer größtentheils aus den-selben Mitgliedern wie die von 1831 bestand. Fast alle Beschlüsse fielen im Sinn der Re-gierung aus; es wurden über 18 Mill. Fl. zum Bau der Festung Ingolstadt verwilligtund man verständigte sich über eine permanente Civilliste von etwas über 2,350,000 Fl.Jm J. 1835 wurde die Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth, die erste in Deutschland, er-öffnet und 1840 die von München nach Augsburg; auch hierauf zur Fortsetzung dieser letztemBahn in nördlicher und südlicher Richtung Einleitung getroffen und 1842 die sächsisch-bairischeBahn in Angriff genommen. Die im Aug. 1830 in einem Theile Altbaicrns, namentlich inder Hauptstadt ausgebrochene Cholera war wieder verschwunden, als sich am 11. Febr. 1837ein neuer Landtag bis zum 4. Lov^versammelle, um Ich fast ausschließlich mit Gegenstän-den des materiellen Interesses zu beschäftigen. Im Staatshaushalt hatten sich bedeutendeÜberschüsse ergeben; doch kam es wegen ihrer Verwendung, wegen Überschreitungen derverwilligten Credite und wegen der ständischen Voranschläge des Ertrags mehrer indirectenAuflagen zu Differenzen mit der Regierung, die im Landtagsabschiede durch eine Verwah-rung der Rechte der Krone das ständische Steuerverwilligungsrecht in sehr enge Schran-ken zu weisen suchte. Ihrerseits legten die Stände auf dem vom Jan. — Apr. 1838 ver-sammelten Landtage Verwahrung gegen diese beschränkenden Versuche ein. Übrigens be-schäftigte sich dieser Landtag, wie der vorhergehende, hauptsächlich mit Fragen des mate-riellen Wohls, wohin namentlich die Sanctionirung der bair. Wechsel- und Hypothekenbankgehört, endigte jedoch mit großer Aufregung, welche durch den Streit deS Ministers desInnern, von Abel (s. d.), mit seinem Vorgänger, dem Fürsten von Öttingen-Wal-lerstein (s. d.), hervorgerufen wurde. Vor und nach diesem Landtage war der wachsendeEinfluß der hierarchischen Partei immer merkbarer geworden, wodurch bei Ständen, Krcis-räthen, Corporationen und Einzelnen lebhafter Widerspruch und mannichfache Reklama-tionen laut wurden. Besonderes Aufsehen machte die Verordnung über die Kniebeugung