Baiern (Geschichte) 743
zusammen die Reichsstände bilden. Diese Einrichtung, die nur eine Nachahmung desSchattenbildes der westfäl. Reichsständc war, kam aber nicht zum Vollzug, und daß sienicht ins Leben trat, Warschon darum kein Nachtheil, weil in dieser Nationalrepräsentationkeine freie DiScussion, sondern bloS stumme und geheime Abstimmung stattsinden sollte.
Nach Beendigung des Kriegs von 1809 gegen Ostreich, der den Aufstand in Tirolunter Hofer entflammt hatte, erhielt B. weitere Vergrößerungen, theils auf Kosten Ost-reichs, theils durch Tauschverträge mit Würtemberg und Würzburg. Als l 8 l 2 der Kriegzwischen Frankreich und Rußland ausbrach, stellte B. das vertragsmäßige Contingent aufsneue zur franz. Armee. Nur unbedeutende Trümmer kamen von 30000 Baiern im Früh-jahre 1813 zurück. Doch stellte Maximilian Joseph, ungeachtet aller Schwierigkeiten, aber-mals frische Truppen unterNapoleon's Befehl, als dieser in den letzten Tagen des April denneuen Feldzug eröffneke. Nicht gering war der Verlust dieses Contingenks, bas unter demOberbefehle des Marschalls Oudinot mit gewohnter Tapferkeit in den Treffen von Luckauund Großbeeren sich auszeichnete. Da änderte sich plötzlich B.s politisches System. Wäh-rend eine franz. Beobachtungsarmee bei Würzburg unter Augereau gebildet worden war,hatte sich ein bair. Beobachtungsheer am Inn einer östr. Heeresabtheilung gegenübergcstellt.Lange blieben beide Thcile unthätig. Der Abmarsch des Augercau'fchcn Corps, wodurchB. auf dem verwundbarsten Punkte preisgegeben wurde, beschleunigte den E'ttMuß desKönigs. Der bair. General Wrede schloß mit dem östr. General Frimont am 8. Oct. zuNied eine Übereinkunft ab, auf welche eine amtliche Erklärung vom 15. Oct. folgte, wo-nach sich der König von B. vom Rheinbunde lossagte und seine Streitkräfte gegen Frank-reich wendete. Vermöge dieses Vertrags, worin dem Könige der bisherige Ländcrbesitz mitaller Souverainctät und für die Abtretungen, die er etwa an Ostreich machen würde, einevortheilhafte Abrundung zugcsichert wurde, vereinigte Wrede mit seinem Corps das östr.,zum Oberbefehlshaber für beide ernannt. In der Schlacht bei Hanau trafen die Franzosenzuerst mit den Baiern zusammen, und im ganzen Verfolg des Kriegs bis zum Frieden vonParis 1814 bewährten B.s Krieger den wohlerrungenen Ruf deutscher Tapferkeit. BeimAusbruche des neuen Kampfes im J. 1815 trat der Kronprinz Ludwig an die Spitze desbair. Heers. Unterdessen hatte der Kongreß zu Wien, und namentlich die Bearbeitung derDeutschen Bundesacte, sowie alle die verschiedenartigen Interessen, die aus dem neuerste-hcnden europ. und insbesondere deutschen Staatensysteme hervortraten, der bair. Negie-rung hinlängliche Gelegenheit gegeben, auch ihre diplomatische Kunst zu entwickeln. B zeigtesich stets auf dem von ihm aufgefaßten Standpunkte eines unabhängigen, souverainenStaats. Nachdem es, in Folge des pariser Friedens vom 3V. Mai 1814, Tirol und Vor-arlberg an Ostreich gegen Überlassung des Großherzogthums Würzburg und Aschaffen-burg bereits abgetreten hatte, überließ es demselben vermöge eines am 14. Apr. 1816 ab-geschlossenen Vertrags noch 1) die Theile des Hausruckviertels und das Jnnviertel, wiesie 1809 von Ostreich an B- abgetreten worden waren, 2) das Fürstenthum, Salzburg,mit Ausnahme der auf dem rechten stsfxr der S aftach und Saale gelegenen vier Ämter, und3) das Amt Vils. Dagegen erhielt es den ganzen jetzigen Rheinkreis,'sowie die ehemaligenfuldaischen Bezirksämter Hammelburg mit Thulba und Saaleck, Brückenau mit Mollen,das Amt Weisers, ausgenommen die Dörfer Melters und Hattenrodt, dann einen Theildes Amts Bieberstein, und die Zusicherung, durch den bad. Main- und Tauberkreis und,»ach Aussterben der männlichen directen Linie des Großherzogs von Baden, durch die ganzebad. Nheinpfalz entschädigt zu werden. Nachdem aber der frankfurter Neceß von l8lg Ba-dens Integrität festgestellt hatte, verlangte B. am 3. Juli 1826 eine Entschädigung für deneinst von Baden an Frankreich abgetretenen Theil der Grafschaft Sponheim. (S. Baden.)Durch Maximilian Joseph ward am 5. Juni 1817 ein Concordat mit dem päpstlichenStuhle abgeschlossen. Bei dem wiener Kongresse erklärte sich B. gegen die damaligen Ver-suche, eine Art Normalverfassung für die Landstände aller deutschen Staaten aufzustellen,erfüllte aber das Versprechen des 13. Art. früher und in größerm Umfange als andereStaaten, die sich damals durch großen konstitutionellen Eifer den Dankder deutschen Völ-ker erwarben.
Die bair. Verfassungsurkunde vom 26. Mai 1818, mit der vorangegangencn neuen