Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
742
Einzelbild herunterladen
 

742 Baicru (Geschichte)

Kurfürsten den Antrag machen, D. gegen die östr. Niederlande, mit Ausschluß Luxein-burgs und Namurs, gegen die Summe von 3 Mill. Fl. für sich und den Herzog von Zwei-brücken, und Annahme des Titels als König von Burgund zu vertauschen. Doch diesevon Rußland begünstigten Unterhandlungen scheiterten an der Festigkeit des Herzogs vonZweibrücken, der aus Preußens Schutz rechnend erklärte,daß er nie seine Einwilligungin eine Vertauschung seiner Erblandr geben werde". Der Ernst, mit welchem Friedrich l>.sich der Sache B.s annahm, da er einen solchen Tausch nicht nur als einen Bruch desteschener Friedens, sondern hauptsächlich auch als eine Verletzung des reichsverfassungs-mäßigen Gleichgewichts der deutschen Staaten betrachtete, verursachte, daß man in Wienjene Idee wieder fallen ließ und zugleich erklärte,daß man an einem erzwungenen odergewaltsamen Tausch nie gedacht habe und nie denken werde". (S. Fürstenbund.) Merk-würdig ward noch Karl Theodor's Regierung durch den in B. entstandenen Orden der Jl-luminaten (s. d.), den gegen diese geführten Proceß und den sich wieder emporhebendenJesuitismus. Die Preßfreiheit ward unter diesen innern Kämpfen immer mehr beengt,und es drohte eine Zeit wahrer Verfinsterung einzubrechcn. Während des Revolutionskriegslitt die Pfalz sehr viel und 1796 ward B. selbst der Schauplatz des Kriegs.

Mitten in dieser Krisis am 16. Febr. 1799 starb Karl Theodor, ohne Erben, sodaßmit ihm der sulzbachische Stamm des Pfalz. Hauses erlosch, und derHerzog MaximilianJoseph (s. d.) von Zweibrücken zum Besitz der gesammten bair. Lande und zur Kurwürdegelangte. Der Friede von Luneville am 9. Febr. 1861 machte dem wieder ausgebrochenenKriege ein Ende, und sein hauptsächlichstes Ergebniß, die Abtretung des linken Rheinufcrsan Frankreich, hatte für B. die wichtigsten Folgen. Indem es auf der einen Seite die be-trächtlichen Besitzungen auf dem linken Rheinufer verlor und überdies seine diesseit desRhein gelegenen Pfalz. Lande abtrat, erhielt es dagegen durch dcnRcichsdeputationshaupt-schluß eine Entschädigung, wobei sein Gewinn 99^4 OM. mit 216606 E. betrug. Diepolitische Wichtigkeit, die B. für Ostreich wie für Frankreich hatte, trat beim Ausbruche desKriegs von 1805 hervor. Als Ostreich sich rüstete, verlangte es zugleich vomKurfürsten vonB., daß er alsbald seine Truppen mit dem östr. Heer vereinige, und verweigerte ihm die ge-wünschte Neutralität, die, wie Kaiser Franz am 3. Sept. 186-1 an den Kurfürsten schrieb,Frankreich selbst auch nur so lange wirklich bestehen lassen würde, als es mit seinem Vor-theile vereinbarlich sei". Doch B. fand cs seinem Staatsinteresse nicht angemessen, sichOstreich hinzugeben. Beim Ausbruche des Kriegs vereinigte der Kurfürst gegen 36666 M.seiner Truppen mit den Franzosen. Der presburger Friede verschaffte dem Staate eineVergrößerung von 566 OM. mit einer Mill. E., darunter den größer» Theil von Tirol,dem Kurfürsten aber die königliche Würde mit voller Souverainetät, wogegen dieser Würz-burg abtrat, das statt des an Ostreich gefallenen Kurfürstenthums Salzburg zu einem be-sonder» Kurfürstenthum erhoben wurde. Jetzt setzte sich B., gleich Würtemberg und Baden,auch in den Besitz der in seinen Grenzen eingeschloffenen reichsritterschaftlichen Besitzungen.Das mit Frankreich neugeknüpste politische Band ward durch die Vermählung der Prin-zessin Auguste, des Königs Tochter, mit Eugen Napoleon, dem zum Vicekönig von Italienernannten Stiefsohne des franz. Kaisers, noch fester geknüpft. Unmittelbare Folge dieserVereinigung war die Vertauschung von Berg, das B. an Napoleon abtrat, gegen Ansbach,das Preußen an Frankreich gegen Hannover überlassen hatte, und endlich der wichtigsteSchritt, die Unterzeichnung der Nheinbundsacte am 12. Juli 1866, worin sich B. zurStellung eines Bundescontingents von 36606 M., sowie zur Befestigung von Augsburgund Lindau verpflichtete, und sogleich am Kriege gegen Preußen Theil nehmen mußte.

Schon die Säkularisation der Stifter im I. 1863 hatte in die alte ständische Verfas-sung eine Lücke gerissen. Viele der mit B. neuverbundenen Landestheile hatten schon alsselbständige Staaten des Deutschen Reichs keine Landstände mehr, oder nie gehabt, wieBamberg, Würzburg, Augsburg, Freisingen, Regensburg u.s. w. In den übrigen Landes-theilen wurden im Juni 1867 die den Anordnungen der Regierung oft hemmend cntgegen-tretenden Provinzialstände aufgehoben. Dagegen wurde für den Gesammtstaat vom >.Mai 1808 eine Constitution bekannt gemacht. In jedem Kreise sollten zufolge derselbenaus den 266 reichsten Einwohnern sieben Deputirte auf sechs Jahre gewählt werden und