Baiern (Geschichte) 741
sawen Nachfolger, Ferdinand Maria, wurde >669 der letzte und nur noch schwach besuchteLandtag gehalten, indem die Ausübung der Rechte desselben fortan auf einen ständischenAusschuß, Landschaftsverordnung genannt und zunächst nur auf neun Jahre gewählt, über-ging. Auf Ferdinand Maria folgte nach dessen Tode imJ. 167 9 sein Sohn Maximilian Ema-nuel in der Regierung und erklärte sich im span. Erbfolgekriege für Frankreich. Daher wardnach der Schlacht beiHöchstädt, >70-1, B. vom Kaiser als erobertes Land behandelt, der Kur-fürst 1706 geächtet und erst im Frieden zu Baden 1711 wieder in seine Länder eingesetzt. Ihmfolgte 1726 Karl Albert in der Kurwürde. Dieser nahm nach Kaiser Karl's VI. Tode unddem für den König von Preußen glücklichen Anfänge des ersten schlesischen Kriegs gegenMaria Theresia die ganze östr. Erbschaft in Anspruch mit Berufung auf den Ehevertragzwischen dem Herzog Albert V. und dessen Gemahlin Anna, Kaiser Ferdinand's I. Tochter, derauch durch Ferdinand's Testament bekräftigt worden war. Darin soll es ausdrücklich ge-heißen haben, daß Anna, oder deren Nachkommen, alle östr. Staaten erben sollten, wennFerdinand's Stamm ohne männliche Erben aussterbcn würde. In Wien behauptete mandagegen, es stehe in jenem Vertrage: «ohne einige Erben", und dann war das Recht aufMaria Theresia's Seite. Karl Albert erwarb sich mit Gewalt der Waffen ganz Oberöst-reich, nahm 1711 den Titel eines Erzherzogs von Ostreich an, ließ sich in demselben Jahrenach der Einnahme von Prag als König von Böhmen huldigen und ward sogar 1712 zuFrankfurt zum deutschen Kaiser als Karl VII. gewählt. Doch hiermit hatte er den Gipfelseines Glücks erreicht. Als er von Ostreich und Böhmen sich hatte huldigen lassen, so ließ sich,nach der plötzlichen Wendung des Waffenglücks im 1.1713, Maria Theresia von B.s Stän-den und der Oberpfalz huldigen. Ungeachtet der zwischen ihm, dem Landgrafen von Hessen-Kassel und Friedrich II. 1711 geschlossenen Union und der Fortschritte der preuß,. Waffen,kam Karl besonders durch des östr. Feldherrn, Karl's von Lothringen, Talent und Übermachtabermals in die Lage, B. preisgeben zu müssen. Er erlebte das Ende des Kriegs nicht undstarb am 20. Jan. 1715. Sein Sohn und.Nachfolger, Maximilian Joseph III., der an-fangs auch den Titel eines Erzherzogs von Ostreich angenommen hatte, versöhnte sich mitOstreich einige Monate darauf zu Füssen am 22. Axr. 1755, trat der Gewährleistung derpragmatischen Sanktion bei, sicherte dem Gemahl Maria Theresia's seine Stimme zurKaiserwahl zu und erhielt dagegen alle von Ostreich eroberten bair. Lande zurück. Maximi-lian Joseph widmete sich nun ganz dem Bestreben, sein Land glücklich zu machen. Acker-bau, Gewerbfleiß, Bergbau, Gerichtspflege, Policei, Finanzwesen und Schulen wurden mitgleicher Umsicht und Eifer beachtet; die Wissenschaften erhielten 1759 einen Stütz- undVereinigungspunkt durch die Stiftung der Akademie der Wissenschaften zu München, unddie Künste fanden an ihm einen großmüthigcn Beschützer. Alle seit dem Vertrage vonPavia 1329 bestehende Erbverträge mit dem pfälz. Kurhause bestätigte er, der ohne Kinderwar, und vergönnte noch vor seinem Tode dem Kurfürsten Karl Theodor von Per Pfalz dieRechte des Miteigcnthums. Sowol nach den Verträgen des Wittelsbach'schen Hauses, alsnach der Bestimmung des westfälischen Friedens gehörte Hem Kurfürsten von der Pfalzunstreitig die Nachfolge in B., als mit dem Tode Maximilian Joseph's am 30. Dec. 1777die wittelsbach-bair. Linie erlosch. Aber plötzlich trat Ostreich mit Ansprüchen auf Nieder-baiern hervor, die es noch vor einer bestimmten Erklärung mit den Waffen in der Handdurchsetzen wollte. Der kinderlose Karl Theodor ließ sich bereden, am 3. und 11. Jan. 1778eine Übereinkunft zu unterschreiben, in welcher er auf die bair. Erbschaft förmlich verzichtete.Allein der Herzog von Zweibrücken erklärte sich als nächster Agnat und muthmaßlicher Erbe,durch Friedrich II. bewogen, gegen jenen Verzicht. Hierdurch wurde der bair. Erbfolge-krieg (s. d.) veranlaßt, der jedoch, noch ehe eine Schlacht geliefert worden war, hauptsächlichnach der Erklärung Rußlands wider Ostreich, durch den teschsner Frieden am 13. Mai 1779beendigt wurde. Dem Kurfürsten von Pfalzbaiern wurde der Besitz B.s, von welchem Ostreichnur das Jnnviertcl mit Braunau erhielt (38 LIM.), auf die pfalzbair. Hausvcrträge zuge-sichert und verbürgt. Durch diese Vereinigung der bair. Lande erlosch zugleich, nach derVorschrift des westfälischen Friedens, die achte Kurwürde. Doch 1781 erwachte wieder inWien der Wunsch nach dem Besitze B.s, und man schlug einen Tauschplan vor, der schonim Anfang dcs Jahrh. iur Sprache gekommen war. Kaiser Joseph II. nämlich ließ dem