Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
739
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Buieru (Geschichte) 739

Familienbesitzungen der Agilolfinger wurden königliche Kammcrgüter, der Zehnten für dieGeistlichkeit wurde eingcführt, das vom Gute der Agilolfinger ausgestattetr Bisthum Salz-burg zum Erzbislhume erhoben, und an den Grenzen wurden Markgraffchaften gegen diefeindlichen Nachbarn, die Sorben und Böhmen, errichtet. Der Einstuß der Raab in dieDonau ward 709 B.s Grenze, das nun außer dem eigentlichen B. Tirol, Salzburg, dengrößten Theil Ostreichs, die Oberpfalz, Neuburg, Eichstädt, Ansbach, Baireuth, Bam-berg, Nürnberg und die Gebiete von Weißenburg, Nördlingen und Dünkelsbühl umfaßte.Bei der Ländertheilung aber, die Karl der Große vornahm, erhielt Pipin nebst Italien auchB., wie Thassilo I l. es besessen hatte. Nach Karl des Großen Tod gab Ludwig der Fromme,der einzige stiner Söhne, welcher ihn überlebte, das Land seinem ältesten Sohne Lothar alsKönigreich, welches nach dessen Erhebung zur Mitregentschast auf den Kaiscrthron iniJ. 8 l 7an Ludwig den Deutschen fiel, der sich rex Lojoariorum nannte. Die weltliche Macht der Bi-schöfe hatte bisher sich immer mehr befestigt; zugleich gelangten die an die Stelle des Statt-Halters eingesetzten Pfalzgrafen zu großem Ansehen. Nach Ludwig des Frommen Tode im I.840 ward sein Sohn Karlmann König von B., wozu damals auch Kärnten, Kram, Istrien,Friaul, Pannonien, Böhmen und Mähren gehörten. Karlmann's Bruder, Ludwig III,, folgteihm 880 durch freie Wahl der Stände B.s in diesem Lande, wovon aber Kärnten abgerissenwurde. Durch seinen Tod im I. 882 kam B. an Karl den Dicken, nach diesem 887 an Arnulfund dann 899 an dessen Sohn Ludwig IV. Bon Karl dem Dicken an machte B. einen Theilder wieder unter einem Herrn vereinigten Staaten Karl des Großen aus, litt aber besondersunter Ludwig's Negierung viel durch die Einfälle der Ungarn. Mit Ludwig IV. war 911 daskarolingische Geschlecht ausgestorben, und Arnulf II., der Sohn des bair. Feldherrn Luitpold,seit 907 Markgraf und Befehlshaber, nahm mit Zustimmung des Volks die herzoglicheWürde und souveraine Gewalt an, alsaus Gottes Vorsehung Herzog von Baiern und derumliegenden Länder", wie er sich selbst schrieb. Nach seinem Streite mit dem deutschen Kö-nig Konrad empfing er von diesem B-als Lehen. Unter seinen Nachfolgern war das Land derSchauplatz fortdauernder Kämpfe von außen und im Innern, unter denen wir der Empörungdes^)falzgrafen Arnulf von Scheyern gegen den Herzog Heinrich I. und der StreitigkeitenHemrich II. mit Otto und Hezilo gedenken. Wie das Deutsche Reich selbst oft mehre Königeneben- und widereinander hatte, so besaß auch B. mehre Male zwei Herzoge zugleich. Nach-dem es durch die entvölkernden Kreuzzüge und den steten Wechsel der Herzoge, denen es vonden Kaisern bald gegeben, bald genommen wurde, einige Jahrhunderte hindurch vielfachgelitten hatte, erhielt cs 1180 nach der Achtserklärung Heinrich des Löwen (s. d.)der bair. Pfalzgraf Otto von Wittelsbach (s.d.), ein Nachkomme des erwähnten Ar-nulfs, Grafen von Scheyern. Jedoch waren Steiermark, die welfischen Familiengüter undmehre bedeutende Ländereien, die letztem zu Gunstender Geistlichkeit, abgerissen worden.

Der Herzog Otto von Wittelsbach, gest. 1183, ist der Stammvater des noch jetztregierenden Hauses. Er und sein thätiger Nachfolger, Ludwig l-, vermehrten beträchtlichihre Stammgüter; auch erhielt Letzterer von Kaiser Friedrich 1^. die Rheinpfalz zu Lehen.Er ward 1231, wahrscheinlich auf Anstiften des deutschen Königs Heinrich, über dessenEmpörung gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., der Herzog sich mißbilligend geäußerthatte, ermordet und hatte seinen Sohn, den Pfalzgrafen am Rhein, Otto den Erlauchten,zum Nachfolger. Unter diesem machten sich die Bischöfe unabhängig; doch ward das Ge-biet des Staats nicht unbedeutend erweitert. Seine Hinneigung zum Kaiser zog ihm denpäpstlichen Bannstrahl zu. Er starb 1253. Seine Söhne, Ludwig und Heinrich, regiertenzwei Jahre gemeinschaftlich; 1255 theilten sie sich in das Land, sodaß Ludwig Oberbaiernmit der Rheinpfalz und Kurwürde, Heinrich aber, dessen Linie schon nach wenigen Jahrenausstarb, Niederbaiern erhielt. An Beide zusammen fiel die Erbschaft des unglücklichenKonradin von Hohenstaufen. Einer von Ludwig's beiden Söhnen, Ludwig, gelangte 1 314zur Kaiserwürde..(S. LudwigIV., der Baier.) Dieser schloß 1329 zu Pavia mitseines Bruders Söhnen einen Theilungsvertrag, wonach die Erbfolge von Linie zu Linie,sowie das Wechseln der Kurstimme zwischen beiden Linien bestimmt wurde. Diese wechselndeFührung der Kurstimme hob aber schon die Goldene Bulle 1356 wieder aus und wies sie

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