733 Baier» (Geschichte)
von 55200 M. und einen Friedensfuß von 5360» M. für das stehende Heer; durch dasBeurlaubungssystcm wird die active Stärke jedoch auf ein Dritthcil herabgesetzt. Mit Aus-nahme des geistlichen Standes, besteht allgemeine Dienstpflichngkeir vom 2 1 .— 25. Lebens-jahre beim stehenden Heere und bis zum 6». Lebensjahre bei der zurVaterlandsvertheidigungbestimmten Landwehr. Die Armee besteht aus 16 Regimentern Linicn-Jnfanteric, vierJäger-Bataillons, acht Regimentern Cavalerie, zwei Regimentern Artillerie mit 102 Ge-schützen, zwei Compagnien Sapeurs, einer Compagnie MincurS und einer Handwerks-compagnie, wovon zum deutschen Bundesheere 35600 M. und 72 Geschütze stoßen unddessen siebentes Armcecorps bilden. Die wichtigsten Festungen sind Passau, Ingolstadt,Fvrchheim, Würzburg mit dem Marienberge, Germersheim und Landau, welche letztere alsBundcsfestung im Frieden ausschließlich von Baiern beseht wird. Die acht Krcishaupt-städte des Landes sind München, zugleich die Residenz, Passau, Augsburg, Regensburg,Baireuth, Ansbach, Würzburg und Speier.
Nach Einigen waren es die keltischen Bojer, ein Hauptbestandthcil der Bajoarier, vorwelchen die heutigen Baiern abstammcn, allein nach Mannrrt's Ansicht sind die im südlichenDeutschland ursprünglich ansässig gewesenen Donaukelten (Bojer) vertilgt oder ausgetriebenworden. In ihre verheerten Wohnsitze, die um Cäsar's Zeit eine Wüste waren und seit Au-gustuS die röm. Provinzen Vindelicien und Noricum bildeten, zogen um die Zeit der Völ-kerwanderung rein germanische Völker ein, und am Ende des, 5. Jahrh. erwuchsen ausHerulern, Rugiern, Turcilingen und Skyren, vielleicht aus den Überresten der alten Bojerund Quaden, die Bajoarier, ein Völkerbund gleich den Franken und den Markomannen. Siebreiteten sich von Noricum westlich aus bis zum Lech, und Rezensburg wurde der Hauptort.Dieses Land hieß damals Noricum und war, nach Männert, den Ostgothen nie unterworfen.Zum ostgoth. Reiche gehörte 306 blos das zum Theil von den aufgenommenen Alemannenbewohnte Rhätien, welches der Lech von B. schied. Nach dem Falle des ostgoth. Reichskamen die Franken in den Besitz von Rhätien, und dieBajoarier, obwol unter eigenen Regen-ten, wurden abhängig von den fränk. Königen in Austrasien. Diese Abhängigkeit ward abererst unter den Karolingern befestigt. Die Baiern retteten ihre Vorrechte und die Freiheit,ihre Feldherren und Fürsten selbst zu wählen; doch ist man nicht gewiß, ob sie diese Königeoder Herzoge nannten. Die Geschichte nennt uns um 556 das Geschlecht der Agilolfin-ger (s. d.), das bis Ende des 8. Jahrh, sich in jener Würde behauptete. Unter ihnen wurdeThassilo's I. (500) Regierung durch den Anfang der Kriege mit den slawischen Stämmenund deren Bundesgenossen, den Avaren, merkwürdig. Unter Garibaldi!., um 630, erhieltendie Baiern vom fränk. König Dagobert die ersten geschriebenen Gesetze. Odilo, der Schwie-gersohn Karl Martell's, nahm den königlichen Titel förmlich an, ward aber von seinenSchwägern Karlmann und Pipin besiegt, als er 733 der fränk. Oberhoheit sich entziehenwollte. Schon im 7. Jahrh. hatten fränk. Missionare, St.-Emmeran zu Regensburg undRupert zu Salzburg, das Christenthum eingeführt. Unter Odilo theilte der Erzbischof Boni-facius die bair. Kirche in die vierBisthümer Salzburg, Passau, Regensburg und Freisingen;auch wurden mehre Klöster gestiftet. Thassilo ll. mußte 738 dem fränk. Könige Pipin demKleinen auf dem Reichstage zu Compiegne den Vasalleneid schwören, erklärte diesen aberspäter für ungültig und verband sich mit dem Longobardenkönige Desiderius, seinemSchwieger-vater, und dem aquitanischen Herzoge. Er nahm 777 seinen Sohn Theodor zum Mitregentenan und schloß nach dem Falle der longobardischcn Dynastie, deren Krone sich Karl der Großeaufgesetzt hatte, gegen diesen mit den Avaren einen Bund. Bon Karl besiegt, in der Folgevon diesem aufs neue der verletzten Lehnstreue beschuldigt und vom Reichstage zu Ingel-heim 788 zum Tode verurtheilt, wurde er von Karl dem Großen mit seiner ganzen Familiein Klöster verbannr, wo sein Geschlecht erlosch. Auch hob Karl der Große auf einem Land-tage zu Rcgensburg 788 die herzogliche Würde in B. auf, obwol es den Titel und Rang einesHcrzogthums behielt; er bestellte seinen Schwager, den schwäb. Grafen Gerold, zum Statt-halter und führte die fränk. Verfassung in Hinsicht der Gerichtspflege, der Verwaltung derGaue durch Grafen und des Heerbannes ein. Vgl. Lang, „B.s Gauen nach den drei Volks-stämmen der Alemannen, Franken und Bojoaren" (Nürnb. 1830), Damals wurde einbair. Graf Guntram der erste Markgraf der bair. Ostmark, später Östreick genannt. Dü