Baiern (Geogr. u. Statist.) 7!i5
nach Osten, beide in neuester Zeit miteinander verbunden durch den Ludwigskanak, mittelsdes Wassers von Altmühl und Regnitz. Die Donau sammelt auf bair. Gebiete rechtsIller, Lech, Isar und Inn, links Wernitz, Altmühl, Naab und Regen; der durch den Zusam-menfluß vom Rothen und Weißen Main unterhalb Vaireuth gebildete Main, rechts Nodach,Ih und Saale, links die Regnitz. Unter den Seen verdienen als alpinische Flußseen besonde-rer Erwähnung der Bodensee mit unbedeutender Berührung bei Lindau, der Ammer-,Würm-, Tegern- und Chiemsee. Die nur durch Einsenkung am Rhein und untern Maingestörte durchschnittliche Allgeineinerhebung des von Gebirgszügen und höhern Vergebenenerfüllten bair. Landes bedingt ein Temperaturverhältniß von niedriger» Mittelwerthen,als in Hamburg und Bergen in Norwegen und gleichen Resultaten mit der Ostküste Schott-lands in mittlerer Jahrestemperatur von 6^° R.; doch das bair. Klima trägt einen mehrkontinentalen Charakter, durch strengern Winter und heißer» Sommer (l3'/i"N.) bezeichnet.Im Verein mit dem mannichsaltigen Wechsel von Höhe und Tiefe und günstiger Boden-beschaffcnheit macht es das Königreich zu einer der fruchtbarsten Gegenden deutschen Landes.Eine allgemeine Eintheilung der Vegetationsregionen läßt die Stufe des Ackerbaus bis zu3000 F., die Region der Wälder, welche vorherrschend ans Schwarzholz bestehen, bis zu5000 F. und die Alpenregion bis zu 8000 §, ansteigcn, während nur wenige Punkte desHochgebirgs in die ewige Schneeregion einragen. DieBevölkerung B.S beläuft sich ge-genwärtig auf ungefähr 3,350000 E-, welche bis auf 3500 Franzosen, 60000 Inden undwenige Neste slawischer Abkunft in den östlichen Gegenden, echt deutschen Stammes sind, undsich in der Mehrzahl von 3,019000 zur katholischen Kirche bekennen, während die Zahl derProtestanten 1,226753, die dcrMennoniten und Herrnhuter ungefähr 1000 beträgt. Auf-fallend ist in B. die Zahl der unehelichen Geburten, da sich im ganzen Lande die fünfte, inMünchen sogar fast die zweite als eine solche ergibt. Den Beschäftigungen nach unterscheidetman unter 100 Bewohnern 33, welche sich der reinen Landwirthschaft, 23, die sich der ge.mischten Landwirthschaft und 12, die sich den reinen Gewerben widmen. Zum hohen Adelgehören in B. 23 Standesherrcn, früher reichsunmittelbare Fürsten und Grafen, derenGebiet ein Gcsammtareal von 69 IHM. mit fast 200000 E. umfaßt.
Die physische Cultur des Landes bekundetdurch die Benutzung von 33Proccnlderganzen Landfläche zu Ackerland, die Hauptgrundlage der Landwirthschaft im Ackerbau, wel-cher Getreide aller Art und besonders auch viel Kartoffeln erzieht. Handelsgewächse ver-schiedener Art, wie Krapp, Hanf und Flachs, Taback und besonders ausgezeichneter Hopfen,werden allgemein cultivirt; Obst wird in guter und reicher Ernte zumal in der Pfalz und mden fränkischen Kreisen gewonnen, der Weinbau blüht in der Pfalz und Unterfranken und einengroßen Neichthum bietet die Forstcultur, welche in herrlichen Waldungen an 30 Procent deSBodens bedeckt und jährlich mit mehr als 2 Mill. Klaftern Holz rentirt. Die Viehzucht istim Allgemeinen der Landwirthschaft zugescllt und bildet deshalb einen nicht unbedeutendenüberall verbreiteten Zweig der physischen Cultur. Die Alpengcgenden wetteifern mit derSchweizerwirthschaft, Obcrfranken ist weit und breit durch vortreffliches Schlachtvieh berühmtund Mittelftanken betreibt neben einer sehr erheblichen Federviehzucht am regsten in B. die. Schafzucht, wenn es auch hierin noch vielen andern deutschen Ländern Nachsicht. Der Vieh-' stand des Landes spricht sich ungefähr in folgenden Zahlen aus: 330700 Pferde, 2,350500Stück Rindvieh, 1,383100 Schafe, 866900 Schweine und 101600 Ziegen, wozu noch3,500000 Stück Federvieh und I7I360 Bienenstöcke zu rechnen sind. Die Ausbeuten desbair. Bergbaus sind gerade in den drei nützlichsten Mincralstoffen, Eisen, Steinkohlen undSalz, am reichsten, was die Armuth an den edlem Metallen leicht verschmerzen läßt. Derjährliche Gewinn läßt sich im Durchschnitt annehmcn an Kupfer auf 770 Ctr., Eisen332500, Braunstein 110, Kobaltartcn 520, Quecksilber 110, Kochsalz 555500, Vitriolealler Art 3000, Alaun 1010, Steinkohlen 307520, an Braunkohlen auf 30000 Ctr. undan Silber auf 150 köln.Mark. Die früher in Oberbaicrn bestehenden vier Goldwäschcrcien,welche von 1761—73 zwischen 16 und 17 Mark lieferten, sind längst aufgegebcn, dagegen1 wird immer mehr Fleiß verwendet auf den Gewinn des Quecksilbers, dessen bedeutendsteFundorte die Gruben bei Obermoschel, Stahlberg und Wolfstein sind. Die Hauptfabrikationdes Kochsalzes, als Stein- und Qncllsalz, sind Berchtesgaden, Neichenhall. Traunstein, Rosen-